Mittwoch, 29. Oktober 2014

Rezension: Feuer im Kopf: Meine Zeit des Wahnsinns

Dieses Buch ist nicht ganz leichte Kost. Erschreckend, zu was der menschliche Körper fähig ist.

Informationen zum Buch:
Autor: Susannah Cahalan
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: mvg Verlag (14. August 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3868824677
ISBN-13: 978-3868824674

Rezension:
Susannah Cahalan ist eine junge, erfolgreiche Frau. Mitarbeiterin bei einer Zeitung, äußerst wortgewandt und lebensfroh. Sie steht mitten im Leben, bis auf einmal das Leben sich gegen sie stellt. Sie fühlt sich bedroht, verfolgt, unsicher und das ist erst die Spitze des Eisbergs...

Worum es in diesem Buch geht, steht bereits im Klappentext und man kann sich eigentlich darauf einstellen. Wenn man jedoch von den Erfahrungen und Empfindungen liest, die auf jemanden einprasseln, der scheinbar verrückt wird, dann ist das etwas ganz anderes.

Das Buch ist schwere Kost und das obwohl man ja weiß, dass die Betroffene das Buch selber geschrieben, also zu ihrem alten Ich zurück gefunden hat.
Aber es ist beklemmend zu sehen, wie eine junge Frau aus einem anspruchsvollen Job heraus in die totale Abhängigkeit von anderen rutscht.

Die Autorin erklärt im Laufe des Buches immer wieder die medizinischen Hintergründe, das macht es medizinisch interessierten Lesern leichter, alles zu begreifen. Für diejenigen, die mit medizinischen Begriffen so gar nichts anfangen können, erschwert es die Lektüre aber vermutlich eher.

Die immer wieder eingeworfenen Bruchstücke aus Videoaufnahmen und Notizen empfand ich persönlich eher als störend, sie haben für mich wenig zur Geschichte beigetragen, eine Beschreibung der Inhalte hätte für mich persönlich genügt.

Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, dass einiges hier künstlich aufgebläht wurde, beziehungsweise so aufbereitet wurde, dass der Leser möglichst geschockt ist.

Am Ende kann man natürlich nicht sagen, wie viel davon wirklich so geschehen ist, das kann die Autorin ja selber nicht genau, da sie sich nicht aus eigener Kraft an die meisten Geschehnisse erinnern kann. Dennoch bleibt das Erstaunen und Entsetzen über die Existenz so einer Krankheit.

Unterm Strich ein spannender, wenn auch nicht immer ganz einfach zu lesender Bericht über ein erschütterndes Schicksal, bei dem einem nur manchmal einiges sehr effektiv in Szene gesetzt vorkommt.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Dienstag, 28. Oktober 2014

Buchmesse 2014 - ein Vorgeschmack

In diesem Jahr habe ich es endlich wieder auf die Buchmesse geschafft und war dank Akkreditierung sogar gleich an mehreren Tagen dort.
Nachdem ich ja in 2011 beschlossen hatte, so eine Tour wie damals nie, nie, NIE wieder zu unternehmen, habe ich dieses Mal einiges, aber durchaus nicht alles besser gemacht.


Da ich im Moment wieder den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe, hier erstmal nur die Ankündigung, was ich so alles zu berichten habe:

4 Tage Messe (Mittwoch bis Samstag)
meine persönlichen Highlights (hui!)
Groh Design (wow!)
LivingKidsBooks (die Idee)
Erkenntnisse (*seufz*)

Man darf also gespannt sein


Montag, 27. Oktober 2014

Rezension: Die Sünden meiner Väter

Dieses Buch habe ich bereits Anfang des Jahres gelesen. Ich habe lange überlegt, ob ich mich darauf einlassen möchte, aber es hat sich gelohnt.

Informationen zum Buch
Titel:
Die Sünden meiner Väter
Autor: Liz Nugent
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Hardcover); Auflage: Aufl. 2013 (11. Oktober 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3785724799
ISBN-13: 978-3785724798

Rezension:
Oliver lebt ein beschauliches Leben. Erfolgreich als Kinderbuchautor, glücklich verheiratet mit der Illustratorin seiner Bücher. Unscheinbar, unauffällig. Bis er seine Frau eines Tages ins Koma prügelt und sich zunächst niemand erklären kann, wie es dazu kommen konnte.
Doch nach und nach entwirren sich die Hintergründe, man muss nur lange genug in den Erinnerungen der Anderen suchen, um sich das richtige Bild machen zu können.

Bei diesem Buch irritiert vor allem die deutsche Titelgebung, die sehr viel weniger präzise und treffend ist als die Englische, wenn man sie sich auch dennoch irgendwann erklären kann.

Das Buch an sich ist interessant gemacht. Ausgehend von der Gewalttat ist man dabei, während sich verschiedene Personen an Oliver und Alice erinnern und setzt so nach und nach ein Puzzleteilchen neben das nächste, bis sich endlich das Bild ergibt, aus dem man das Motiv für Olivers Tat ablesen kann.

Geschrieben sind die einzelnen Episoden gut und sie greifen mit den verschiedenen Personen und Zeitebenen sehr gut ineinander.
So gut, dass man, auch wenn man Olivers Antrieb natürlich verstehen möchte, ihm teilweise näher kommt, als man gedacht hätte. Man ist zwar abgeschreckt, wenn man einiges liest, an anderen Punkten wieder wird der Blick auf ihn ganz milde, je nachdem, welcher Aspekt seines Lebens beleuchtet wird.

Gestört haben mich nur zwei Dinge. Zum Einen die Auflösung der Geschichte, die doch zu sehr nach dem Deus Ex Machina-Prinzip arbeitet. Für mich wäre da eine wahrscheinlichere Auflösung befriedigender gewesen. Außerdem hat mich der Absatz über Eugene extrem gestört. Sicher, der ließ tief blicken, aber die Art und Weise, wie man sich da in die Denkweise eines Menschen mit Trisomie 21 zu versetzen versucht hat, hat nach meinem Empfinden dieses Denken sehr ins Lächerliche gezogen. War für mich unnötig.

Insgesamt aber ein sehr interessantes Buch mit einer durchgehend vorhandenen Spannung und interessanten Handlung. Gute Idee und ungewöhnliche Umsetzung.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Rezension Hope Forever

Ohh, wie schön fand ich "Weil ich Layken liebe" und wie skeptisch war ich, bevor ich anfing, "Hope Forever" zu lesen. Zumal ich im Vorwege eine kritische Rezension gelesen habe, die mir leider viel, viel, viel zu viel von der Auflösung verraten hat. Zugegebenermaßen lese ich nämlich fast nur die kritischen Rezis, bevor ich mich für ein Buch entscheide, um zu sehen, ob ich mit eventuellen Störfaktoren umgehen kann und mag oder nicht. In dem Fall wurde mir aber leider zu viel von der Spannung genommen. Schade.
Daher war das Ganze keine allzu große Überraschung, das Schöne aber war, die meiste Zeit habe ich mich beim Lesen wieder wie mit 16 gefühlt... soooo schööön!

Informationen zum Buch:
Autor: Colleen Hoover
Taschenbuch: 528 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Oktober 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423716061
ISBN-13: 978-3423716062

Rezension:
Sky ist siebzehn Jahre alt, als sie das erste Mal einen Fuß in eine Highschool setzt. Bisher wurde sie zuhause unterrichtet. Zuhause, wo es weder Telefon noch Fernseher, noch Internet gibt. Lediglich ihre beste Freundin Six bringt etwas Normalität ins Skys Leben, weswegen sie auch so darum gekämpft hat, ihr Abschlussjahr an einer öffentlichen Schule bestreiten zu dürfen. Doch dort läuft vom ersten Tag an alles anders, als Sky es erwartet hat. Nicht nur, dass Six sie nicht unterstützen kann, ihr aber einen recht zweifelhaften Ruf vererbt hat, auch mit dem rätselhaften Holden hat Sky so ihre Schwierigkeiten. Bis ihr nichts anderes bleibt, als Vertrauen zu fassen, als ihre Welt um sie herum zerbricht.

Mir fällt es sehr schwer, dieses Buch zu beurteilen. Auf der einen Seite habe ich es sehr gerne gelesen. Ich bin eingetaucht in die Geschichte und habe mich wieder gefühlt wie mit 16.
Auf der anderen Seite ist die Story doch recht sagen wir… gewollt. Da bestimmen zu viele Zufälle das Geschehen und es gibt zu vieles, was doch sehr unglaubwürdig ist. Würde ich hier genauer ins Detail gehen, würde ich der Geschichte zuviel vorweg nehmen, was schade wäre.
Daher nur soviel: Das Ende, der eigentliche Knackpunkt der Geschichte ist nicht glaubwürdig, weder der Weg dorthin, noch die Art und Weise, wie Sky alles abhaken kann.

Was das Buch aber auf langen Strecken ausmacht und so verdammt liebenswürdig macht, ist der Umgang von Sky und Holden miteinander. Da wird gekabbelt und geneckt und gestichelt und gespasst, dass es eine Freude ist. Die Dialoge und das einfache Miteinander der beiden ist so nett und so witzig und so spritzig und einfach erfrischend, dass man das Buch einfach gerne liest.

Die Figuren an sich empfinde ich als sehr klischeehaft. Das betrifft insbesondere die Nebenfiguren wie Breckin und Six. Aber auch Sky und Holder sind eher plakativ und trotz ihres tollen Miteinanders ziemlich vorhersehbar. Bis zu dem Punkt, an dem es am Ende etwas zu heldenhaft und damit unglaubwürdig wird. Alles andere, auch beispielsweise (damit nehme ich nicht zuviel vorweg) Skys naive Bereitschaft, Holden zu verzeihen, ist nur normal in dem Alter, gerade wenn Verliebtheit einem ein wenig das Hirn vernebelt. Das ist normal und nachvollziehbar. Aber eben auch nicht überraschend.

Der Stil ist recht einfach, aber nicht langweilig. Gerade die Stellen, in denen Sky und Holden miteinander umgehen sind wunderbar gelungen und damit macht das Buch wirklich Spaß.
Der Schwachpunkt ist einfach die Logik. Auch die Ausgangssituation empfinde ich schon als schwierig. Ein Leben ohne Medien? Schwer vorstellbar. Gerade in heutigen Zeiten. Sicher, Sky ist so aufgewachsen und liebt ihre Mutter und akzeptiert deren Regeln. Aber sie lernt bei Six ja auch etwas anderes kennen. Dass da nie eine ernsthafte Diskussion aufkommt, kann ich nicht glauben. Ebenso wenig, wie es funktionieren kann, ein funktionierendes Sozialverhalten zu erlernen, wenn man nie Kontakt zu Gleichaltrigen hat.

Kann man diese Punkte aber abschütteln, quasi abseits der Logik das Buch einfach genießen, dann lohnt sich die Lektüre wirklich, weil das Buch sich einfach schön anfühlt beim Lesen.
Wie gesagt, ich war wieder 16 Jahre alt und es war einfach schön. Aber ernsthaft darüber nachdenken darf man nicht.

Bewertung: 3 von 5 Punkten

Montag, 6. Oktober 2014

Rezension: Das stumme Kind

Nachdem ich neulich den Autor dieses Buches kurz kennenlernen durfte und mir dann die Leseprobe ansah, musste ich einfach sofort zugreifen. Das Buch spielt nämlich in einer Gegend, die mir sehr am Herzen liegt. Dort habe ich sehr viel und sehr gerne Zeit verbracht und ich war gespannt, wie das wohl umgesetzt werden würde. 

Informationen zum Buch
Autor: Michael Thode
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch); Auflage: Aufl. 2014 (15. August 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404169883
ISBN-13: 978-3404169887

Rezension:
Anna Joost ist ein besonderes Kind. Sie ist Autistin, nimmt ihre Welt anders war als andere Kinder und wird die meiste Zeit in einem Heim betreut. An den Wochenenden besucht sie ihre Eltern und wird Zeugin des grausamen Mordes an ihrem Vater. Entsetzt flieht sie in den Wald.
Kurz darauf wird ganz in der Nähe ein anderer Mann brutal ermordet und auch wenn die Verbindung zwischen diesem Opfer und Annas Vater offensichtlich zu sein scheint, stellen die Fälle die Polizei vor größere Probleme. Denn auf irgend eine Weise scheint Anna in diese Fälle verwickelt zu sein. Nur wie kann das sein?

Ich muss zugeben, dass ich ein relativ leicht zu beeindruckender Mensch bin. So habe ich dieses Buch alleine wegen der Erwähnung eines Ortsnamens in der Leseprobe gekauft. Und das auch nur weil ich der Gegend, in der das Buch die meiste Zeit spielt, sehr verbunden bin.
Normalerweise bin ich kein großer Fan von Regionalkrimis, zumal die meisten davon in Gegenden spielen die mich nicht berühren. In diesem Fall ist es anders. Bei fast jedem Ort des Geschehens hatte ich ein Bild vor Augen. Ich kenne die Dörfer, in denen die Handlung spielt, ich kenne die Straßen, auf denen sich die Personen bewegen und hatte somit das Gefühl von Anfang an und bis zur letzten Seite wirklich beim Geschehen dabeizusein.

Die Idee hinter der Story finde ich gut - endlich mal ein Thriller, bei dem man nicht schon ab der dritten Seite ahnt, worauf es am Ende hinausläuft. Auch den grundsätzlichen Spannungsbogen finde ich gut umgesetzt die Ermittlungen der Polizei werden nicht langweilig, die Sackgassen, in die man bisweilen gerät, sind gut gewählt und halten die Spannung aufrecht. Lediglich die letzten Kapitel empfinde ich als etwas zu schnell an die Lösung heran gebracht. Da hätte man ruhig etwas mehr Text investieren können.
Leider werden sehr viele Informationen eingestreut, und Szenen dargestellt, die die Handlung nicht wirklich voranbringen und den Lesefluss stoppen. Sicherlich ist es langweilig, wenn man ausschließlich den Hauptfiguren eines Buches folgt, aber wenn man dies gerade nicht tut, finde ich sollte der Text schon mehr an Information bringen.
Außerdem störe ich mich daran, wenn Informationen so wenig subtil eingebracht werden, wie die Tatsache, dass das Universitätsklinikum Eppendorf als UKE abgekürzt wird, indem man diese Abkürzung nämlich hinter der ausgeschriebenen Variante in Klammern anführt und das gleich mehrfach. Ich persönlich finde das etwas unnötig.

Grundsätzlich führt der Autor interessante Personen ein. Gerade aus dem Kommissar Degenhardt und der Anwärterin Jana könnte man ein wirklich interessantes Ermittler-Duo formen. Inwiefern dies vielleicht in weiteren Büchern des Autors erfolgen mag wird sich zeigen. Degenhardt und Jana sind recht gut ausgearbeitet, auch wenn man bei einigen der in tieferen psychologischen Schichten entspringenden Entscheidungen diese Information erst extern zugeführt bekommen muss, statt sie aus dem bisher dargestellten Charakter der Figur ableiten zu können. Grundsätzlich aber sind beide sympathisch und interessant. Insbesondere die Beziehung zwischen Degenhardt und seiner Familie ist plastisch dargestellt. Wohingegen Jana vorgestellte Familie ziemlich plakativ herüberkommt.
Alle Nebenfiguren jedoch bleiben irgendwie blass. Das beginnt bei Degenhardts Kollegen und endet bei den Antagonisten. Anna, deren Darstellung einiges an Fingerspitzengefühl verlangt, ist jedoch wieder gut gelungen.

Insgesamt ein Buch, dass seine kleinen Schwächen durch ganz viel Charme und einen guten Plot ausgleichen kann. Mich persönlich begeistert vor allem das Setting, das mir ein Gefühl von Heimat vermittelt.

Bewertung: 4 von 5 Punkten