Sonntag, 13. Juli 2014

Rezension: Irondead

Wow, das war also mein erster Hohlbein. Und ehrlich gesagt bin ich nicht so sicher, ob es nicht vielleicht gleich auch der letzte war. Sicher, das ist immer alles persönliches Empfinden, aber mir persönlich hat das Buch einfach nicht gefallen...

Informationen zum Buch
Autor: Wolfgang Hohlbein
Taschenbuch: 640 Seiten
Verlag: Egmont INK; Auflage: 1 (6. Februar 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3863960661
ISBN-13: 978-3863960667

Rezension:
Quinn Devlin, seines Zeichens ehemaliger Constabler der Belfaster Polizei und mittlerweile Privatermittler, wird auf einen äußerst seltsamen Fall angesetzt. Sein ehemaliger Auftraggeber ist verschwunden und dieser Umstand wirft ein noch seltsameres Licht auf die vielen Materialdiebstähle, die sich beim Jahrhundertbau der Titanic anhäufen. Quinn geht jedoch zunächst von einer harmlosen Erklärung aus, bis er immer seltsamere Begegnungen hat, die er sich nicht erklären kann, die ihn aber bis ins Mark erschauern lassen.

Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich bisher nichts von Wolfgang Hohlbein gelesen habe und daher ohne jegliche vorgefasste Meinung an dieses Buch heran gegangen bin. Darüber hinaus habe ich großen Respekt vor der Produktivität des Autors und der damit zwangsläufig verbundenen Disziplin.
Beim Lesen des Buches jedoch kam mir mehr als einmal der Gedanke, dass manchmal weniger mehr ist und dass vielleicht weniger Quantität mehr Qualität erzeugen könnte.

Fangen wir mit dem größten Problem an: Die Figuren sind eine wie die nächste unglaubwürdig und extrem unsympathisch. Quinn Devlin, ein gestandener Mann, ehemaliger Polizist, der sich häufig daran erinnert, dass er seinerzeit nicht gerade sanft mit Verbrechern umgegangen ist, erzählt wie ein Mädchen. Manchmal musste ich das Buch erst schließen, auf das Cover sehen und mich daran erinnern, dass hier nicht eine Sechzehnjährige von übernatürlichen Begegnungen und der ersten Liebe erzählt, sondern ein erwachsener Mann.
Das beginnt in Szenen, in denen er sich die Lippen blutig beißt, um keine patzigen Kommentare von sich zu geben und geht weiter bei solchen Sätzen: „Seine Jacke begann zu schwelen, und ich dachte hysterisch, dass ich wohl spätestens morgen früh einen Friseur aufsuchen musste, als ich sah, wie sich das Haar an seinem Hinterkopf kräuselte“ (Seite 151).
Tut mir leid, das empfinde ich bei dem Bild, das sonst von dieser Person gezeichnet wird, als sehr unglaubwürdig.
Allison ist eine zickige Kuh, die nicht nur permanent giftige Kommentare von sich gibt und nicht zulässt, nur ein einziges Mal NICHT ihren Willen zu bekommen, ist absolut unsympathisch. Jemand, über dessen Rettung man sich nicht freuen mag und über dessen Verhalten ich mehr als ein Mal den Kopf geschüttelt habe. Auch wenn sich im weiteren Verlauf einiges erklärt, so gibt es dennoch Entwicklungen, die auf Grund von Allisons Gefühlskälte einfach nicht glaubhaft sind.
Nikola ist ganz nett und sogar den ach so bösen Captain Adler kann man immer und immer besser verstehen, aber diese beiden sind bis auf das letzte Drittel, wo noch ein Weiterer hinzu kommt, die einzigen Sympathieträger. Da die Story aber um Quinn und Allison herum aufgebaut ist, kann das leider nicht mehr viel retten.

Überhaupt ist die Geschichte nicht so spannend, wie der Klappentext es einen glauben lässt. Der Bau der Titanic, der so viel Potential mitgebracht hätte, ist wirklich nicht mehr als der Rahmen für einige Handlungen und die Erklärung dafür, warum es im Belfaster Hafen so viel Material gibt, das geklaut werden kann. Da wird viel verschenkt.
Die eigentliche Handlung empfand ich als sehr aufgebläht, gut und gerne 150 oder mehr Seiten hätte man da rausstreichen können.
Die letztendliche Erklärung wirkt irgendwie dünn und auch wenn der eigentliche Schluss gut gemacht ist und nachhallt, sind die 250 Seiten davor langatmig und teilweise recht konfus.

Was mich aber am meisten genervt hat, sind die Unterhaltungen, in denen Quinn versucht, erklärt zu bekommen, was die anderen gerade verstanden haben. Diese Unterhaltungen laufen alle nach dem Muster ab, nach dem jemand etwas begreift, kryptische Andeutungen macht, jemand anders ihm meistens zustimmt und Quinn tausend Mal fragt, was denn nun die neue Erkenntnis ist, dafür aber keine Antwort bekommt. Auf die Spitze getrieben wird das ab Seite 451, wenn Nikola verdeutlicht, dass er nun endlich etwas Essentielles begriffen hat, sich aber über mehrere Seiten ziert, damit auf den Punkt zu kommen. Sowas empfinde ich als sehr, sehr anstrengend.

Unterm Strich ein Buch, dessen Idee gut hätte sein können, dessen Umsetzung mich aber mehr als ein Mal hat überlegen lassen, ob ich mir nicht eine Menge Nerven spare, wenn ich es einfach abbreche.

Bewertung: 1 von 5 Punkten

Samstag, 12. Juli 2014

Rezension: Wahn

Hier wieder eines der Bücher, die einen irgendwie zwiegespalten zurück lassen. Einerseits war der Inhalt interessant, aber es war einfach nicht angenehm zu lesen...

Informationen zum Buch:
Autor: Christof Kessler
Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: Eichborn Verlag; Auflage: Aufl. 2013 (20. September 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3847905511
ISBN-13: 978-3847905516


Rezension:
Der Wahnsinn lauert überall. Nicht jede psychische Erkrankung ist immer sofort als solche zu erkennen, manchmal versteckt sie sich hinter Symptomen, die man in dem Zusammenhang nicht vermuten würde. In anderen Fällen sind die psychischen Probleme nur Begleiterscheinung, nicht Auslöser. Und manchmal sind es einfach die ganz seltenen, besonderen Fälle, die hier zu Grunde liegen.

Ein Buch, in dem exemplarisch psychische Erkrankungen dargestellt werden, verpackt in Kurzgeschichten, das klingt interessant.
Und der medizinische Aspekt ist es auch.
Da geht es um Krankheiten, von denen man noch nie etwas gehört hat, genau so wie es um die Bewältigung von Depressionen oder die Auswirkungen von Tumoren geht.
Das alles ist unbestreitbar spannend und man lernt etwas nur dadurch, das man Geschichten liest.

Genau das ist aber auch das Problem. Der Autor mag ein toller Arzt sein, der unglaublich viele spannende Fälle erlebt hat und einige davon mit Otto Normalbürger teilen möchte. Leider ist der gute Mann aber einfach kein Geschichtenerzähler.
Das äußert sich in einer durchaus klaren Sprache, die aber leider keinerlei Emotionen weitergibt und den Leser dadurch ziemlich unbeteiligt lässt. Daher hat das Ganze Buch etwas von einem Bericht, nicht von einer greifbaren Geschichte, wodurch die vorgestellten Fälle zwar nichts von ihrem Inhalt, sehr wohl jedoch von ihrer Kraft verlieren.

Unterm Strich ein leider sehr nüchternes Buch, das dennoch ziemlich interessante, weil medizinisch Spannende Geschichten aufarbeitet.

Bewertung: 3 von 5 Punkten