Montag, 6. Oktober 2014

Rezension: Das stumme Kind

Nachdem ich neulich den Autor dieses Buches kurz kennenlernen durfte und mir dann die Leseprobe ansah, musste ich einfach sofort zugreifen. Das Buch spielt nämlich in einer Gegend, die mir sehr am Herzen liegt. Dort habe ich sehr viel und sehr gerne Zeit verbracht und ich war gespannt, wie das wohl umgesetzt werden würde. 

Informationen zum Buch
Autor: Michael Thode
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch); Auflage: Aufl. 2014 (15. August 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404169883
ISBN-13: 978-3404169887

Rezension:
Anna Joost ist ein besonderes Kind. Sie ist Autistin, nimmt ihre Welt anders war als andere Kinder und wird die meiste Zeit in einem Heim betreut. An den Wochenenden besucht sie ihre Eltern und wird Zeugin des grausamen Mordes an ihrem Vater. Entsetzt flieht sie in den Wald.
Kurz darauf wird ganz in der Nähe ein anderer Mann brutal ermordet und auch wenn die Verbindung zwischen diesem Opfer und Annas Vater offensichtlich zu sein scheint, stellen die Fälle die Polizei vor größere Probleme. Denn auf irgend eine Weise scheint Anna in diese Fälle verwickelt zu sein. Nur wie kann das sein?

Ich muss zugeben, dass ich ein relativ leicht zu beeindruckender Mensch bin. So habe ich dieses Buch alleine wegen der Erwähnung eines Ortsnamens in der Leseprobe gekauft. Und das auch nur weil ich der Gegend, in der das Buch die meiste Zeit spielt, sehr verbunden bin.
Normalerweise bin ich kein großer Fan von Regionalkrimis, zumal die meisten davon in Gegenden spielen die mich nicht berühren. In diesem Fall ist es anders. Bei fast jedem Ort des Geschehens hatte ich ein Bild vor Augen. Ich kenne die Dörfer, in denen die Handlung spielt, ich kenne die Straßen, auf denen sich die Personen bewegen und hatte somit das Gefühl von Anfang an und bis zur letzten Seite wirklich beim Geschehen dabeizusein.

Die Idee hinter der Story finde ich gut - endlich mal ein Thriller, bei dem man nicht schon ab der dritten Seite ahnt, worauf es am Ende hinausläuft. Auch den grundsätzlichen Spannungsbogen finde ich gut umgesetzt die Ermittlungen der Polizei werden nicht langweilig, die Sackgassen, in die man bisweilen gerät, sind gut gewählt und halten die Spannung aufrecht. Lediglich die letzten Kapitel empfinde ich als etwas zu schnell an die Lösung heran gebracht. Da hätte man ruhig etwas mehr Text investieren können.
Leider werden sehr viele Informationen eingestreut, und Szenen dargestellt, die die Handlung nicht wirklich voranbringen und den Lesefluss stoppen. Sicherlich ist es langweilig, wenn man ausschließlich den Hauptfiguren eines Buches folgt, aber wenn man dies gerade nicht tut, finde ich sollte der Text schon mehr an Information bringen.
Außerdem störe ich mich daran, wenn Informationen so wenig subtil eingebracht werden, wie die Tatsache, dass das Universitätsklinikum Eppendorf als UKE abgekürzt wird, indem man diese Abkürzung nämlich hinter der ausgeschriebenen Variante in Klammern anführt und das gleich mehrfach. Ich persönlich finde das etwas unnötig.

Grundsätzlich führt der Autor interessante Personen ein. Gerade aus dem Kommissar Degenhardt und der Anwärterin Jana könnte man ein wirklich interessantes Ermittler-Duo formen. Inwiefern dies vielleicht in weiteren Büchern des Autors erfolgen mag wird sich zeigen. Degenhardt und Jana sind recht gut ausgearbeitet, auch wenn man bei einigen der in tieferen psychologischen Schichten entspringenden Entscheidungen diese Information erst extern zugeführt bekommen muss, statt sie aus dem bisher dargestellten Charakter der Figur ableiten zu können. Grundsätzlich aber sind beide sympathisch und interessant. Insbesondere die Beziehung zwischen Degenhardt und seiner Familie ist plastisch dargestellt. Wohingegen Jana vorgestellte Familie ziemlich plakativ herüberkommt.
Alle Nebenfiguren jedoch bleiben irgendwie blass. Das beginnt bei Degenhardts Kollegen und endet bei den Antagonisten. Anna, deren Darstellung einiges an Fingerspitzengefühl verlangt, ist jedoch wieder gut gelungen.

Insgesamt ein Buch, dass seine kleinen Schwächen durch ganz viel Charme und einen guten Plot ausgleichen kann. Mich persönlich begeistert vor allem das Setting, das mir ein Gefühl von Heimat vermittelt.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

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