Montag, 15. September 2014

Rezension: Der Code

Das ist wieder eines der Bücher, bei denen mein Empfinden beim Lesen sehr viel besser war, als das, was ich bei genauerem Nachdenken darüber zu sagen hatte. Dazu hat leider auch ganz stark der Schluss beigetragen, mit dem ich irgendwie nicht glücklich bin, über alles andere hätte ich sonst vermutlich sehr gern hinweg gesehen.. Naja, man kann nicht alles haben.

Informationen zum Buch
Titel: Der Code
Autor: Fredrik T. Olsson
Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
Verlag: Piper (1. September 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492056393
ISBN-13: 978-3492056397

Rezension:
In Berlin wird ein Obdachloser ermordet und verschwindet in einem Krankenwagen.
In Amsterdam lässt sich eine junge Frau auf einen Flirt ein und wird verschleppt.
In Stockholm versucht ein Kryptologe, sich das Leben zu nehmen und bekommt im Krankenhaus unerwarteten Besuch.
Und hinter all dem steckt mehr, als wir uns in unseren schlimmsten Alpträumen ausmalen  könnten.

Dieses Buch wird als Thriller beworben, ist eigentlich aber viel mehr. Zum Teil Dystopie, zum Teil Science Fiction, zum Teil Puzzle und zum Teil  Charakterstudie.
Wie man es von skandinavischen Autoren häufiger erlebt, erwartet einen ein recht umfangreiches Buch, bei dem man bereits bei etwa der Hälfte angelangt ist, bevor man die letzte auf dem Klappentext stehende Information erreicht hat.
Aber wie man es auch schon häufiger gesehen hat, lebt das Buch nicht von der reinen Information, sondern auch von ganz viel Geschichte um die Geschichte herum. Das muss man mögen. Wer ein Fan von kurzen, knackigen, punktgenauen Sätzen ist, dem wird „Der Code“ vermutlich zu langatmig sein.

Mir hat die Erzählweise gut gefallen, zudem konnte man der Geschichte trotz des wissenschaftlichen Anstrichs gut folgen und der Stil ist leicht genug, damit man sich schnell durch das Buch arbeiten kann.
Leider sind mir die Figuren irgendwie fremd geblieben. Damit meine ich nicht den Charakter, denn der ist gut ausgearbeitet gewesen, aber ich hatte die ganze Zeit Probleme, William und Janine vor meinem inneren Auge wirklich zu sehen. Das erschwert es mir enorm, Sympathien aufzubauen und mit den Figuren die Geschichte zu erleben, statt ihnen dabei zuzusehen.
Hier wurde der Fokus aber auf die Intention, auf die Vergangenheit und das Innere der Figuren gelegt, was zumindest ihre Handlungen nachvollziehbar macht.
Die Nebenfiguren sind ebenfalls charakterlich sehr gut ausgearbeitet, bleiben aber äußerlich irgendwie austauschbar.

Die Idee hinter dem Buch ist wieder eine Gute, die noch  mehr Potential mit sich gebracht hätte, je nachdem, in welche Richtung man gehen wollte. Hier hätte ein SciFi-Highlight entstehen können oder ein tiefgründiges Werk über Beweggründe menschlicher Entscheidungen oder aber eine wissenschaftliche Abhandlung. Umgesetzt wurde dann ein Thriller, der von allem ein bißchen enthält, damit aber vom Spannungsbogen nicht richtig überzeugen kann.
Sicher, es ist interessant, die Story zu verfolgen und auf die Lösung zu warten, aber richtig spannend ist es nicht. Etwas Action gibt es, die schlimmen Geschehnisse schaffen es aber leider nicht, einen wirklich emotional mitzureißen.

Da größte Problem habe ich aber mit dem Ende, mit der „Lösung“. Die ist für mein Empfinden einfach unbefriedigend. Es wirkt fast so, als wäre das Buch geschrieben worden und dann nach 450 Seiten hätte man noch immer keine Idee gehabt, wie eigentlich die Auflösung sein soll und dann hätte man sich einfach irgendwas aus den Fingern gesaugt.
Auf mich wirkt der Schluss irgendwie, als würde er dem Leser hingeworfen werden, damit dieser zufrieden ist, ohne dass einem eine echte Antwort geboten wird.
Das ist schade und zusammen mit dem, was eben nicht aufgelöst wird, irgendwie unrund.

Insgesamt ein Buch mit viel Potential auf den unterschiedlichsten Ebenen, das aber für mich nicht überzeugend genug umgesetzt wurde. Gerne gelesen habe ich es dennoch, daher eine mittlere Bewertung.

Bewertung: 3 von 5 Punkten mit Tendenz nach oben

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