Donnerstag, 11. April 2013

Rezension: Breed

Hmmm, hier möchte ich im Vorwege gar nicht so viel zu sagen.... bildet euch eure eigene Meinung.

Informationen zum Buch:
Titel: Breed
Autor: Chase Novak
Seiten: 352 Seiten (Hardcover)
Verlag: Hoffmann und Campe (März 2013)
ISBN 10: 3455404413
ISBN 13: 978-3455404418

Rezension:
Alex und Leslie sind erfolgreich und glücklich miteinander verheiratet. Sie bewohnen ein wundervolles Haus und haben ein erfülltes Leben. Fast. Sie wünschen sich unbedingt ein Kind und können doch keines bekommen. Alle Versuche scheitern, so dass sie in ihrer Verzweiflung auf einen dubiosen Arzt zurück greifen, dessen seltsame Methode sogar Erfolg hat.
Leslie wird schwanger. Doch mit der Behandlung ändert sich alles.

Eine der Pressestimmen zum Buch schreibt, dass der Autor mit den Eltern „neue dunkle Helden“ geschaffen hat. Dem stimme ich nicht zu.
Es ist eher so, dass hier eine neue Art von Monster geschaffen und auf die Welt losgelassen wurde.

Die Figuren sind leider nicht besonders gut ausgearbeitet. Auch wenn man versucht, sie sich bildlich vorzustellen und auch immer wieder auf Art, Verhalten und Auftreten Bezug genommen wird, kann man sich nur schlecht wirklich ein Gesicht, eine Person vorstellen.
Der Schreibstil ist recht erklärend, man hat irgendwie das Gefühl eine Dokumentation zu sehen. Immer wieder werden neue, teilweise wichtige, teilweise nebensächliche aber interessante, Informationen eingeflochten, so wie ein Erzähler sie mit einem Nebensatz erwähnen würde.

Das liest sich ganz interessant und die Handlung an sich schreitet ja auch relativ schnell fort, so dass man das Buch rasch durchgelesen hat.
Die Story ist zwar stellenweise recht dünn, aber letztendlich glaubhaft, wenn man auf nähere Erklärungen verzichtet. Die sich anschließenden Fragen nach dem „wie geht es weiter“ darf man ruhig stellen, man muss sie aber für sich beantworten.
Von der Warte hat das Buch mit Horrorfilmen doch einiges gemeinsam, denn dort fragt man sich am Ende auch häufig, wie es denn mit all dem weitergeht, das nicht im Fokus der Handlung stand.

Obwohl der Stil interessant und die Story an sich gut ist, fehlt dem Buch dennoch ganz viel, was es nachhaltig auf den Leser wirken lässt. Man liest es, klappt es zu, denkt vielleicht noch darüber nach, was das jetzt für die Menschheit bedeutet, wie es weitergehen könnte, und fertig.
Man ist emotional kaum gefangen im Geschehen, was es gleich deutlich bedrückender, aber auch gruseliger und spannender gemacht hätte.

Wer also mal ein etwas anderes Horrorbuch lesen möchte, ist hiermit sicherlich gut bedient. Wer Bücher mag, die einen gefangen nehmen, leider eher nicht.

Bewertung: 3 von 5 Punkten

Freitag, 5. April 2013

Rezension: Ich lebe, lebe, lebe

Das hier ist wirklich ein besonderes Buch. Oder wie sonst soll man eines bezeichnen, bei dem man Inhaltlich von Anfang an weiß, worum es sich dreht und dennoch die ganze Zeit über faszniert dabei ist?

Informationen zum Buch:
Autor: Alison McGhee
Seiten: 160 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: dtv (Oktober2012)
ISBN 10: 342324934X
ISBN 13: 978-3423249348

Rezension:
„Ivy und ich hatten einen Unfall. Es dämmerte schon in den Adirondacks an jenem Abend, und wir kamen um eine Kurve.“ Immer wieder drehen sich Roses Gedanken um diesen Abend, als sie und ihre Schwester in einen Unfall verwickelt wurden, in Folge dessen Ivy ins Koma fiel. Ivy, die eigentlich fließendes Gewässer ist und sich in und mit der Welt bewegt, ist ans Bett gefesselt und außer einem leichten Atemreflex hält sie nichts mehr hier. Und Rose, die sich jeden Tag zu ihrer Schwester fahren lässt und nur hier mit sich selber klarzukommen scheint, Rose, die Stunden um Stunden am Krankenbett sitzt, Rose, die stehendes Gewässer ist und doch nur fließen will, Rose verliert sich mehr und mehr. Tut Dinge, die sie besser nicht getan hätte, verkriecht sich in ihrer eigenen Welt und macht Ivy zu ihrem Lebensmittelpunkt.

Schon der Klappentext verrät einem eigentlich inhaltlich schon alles über das Buch und mit gerade 157 Seiten recht schmal, dafür aber hochwertig und entsprechend nicht gerade billig. Daher war ich doch gespannt darauf, was es denn zu bieten hat.
Und das ist einiges.

Roses Gedankenwelt bestimmt das Buch, ihr Handeln ist manchmal für Außenstehende nicht nachvollziehbar und dennoch spürt man ihre Verzweiflung und Hilflosigkeit und den Wunsch, sich lebendig zu fühlen, gleichzeitig aber auch die Schuldgefühle und den Schrecken, den der Unfall hinterlassen hat.
Der Schreibstil ist diesem Chaos, der Trauer und Verwirrung sehr gut angepasst. Man kann nachempfinden, wie es in Rose arbeitet und vor welche Wände sie gedanklich immer wieder läuft.

Dieses Buch lebt nicht wie andere davon, dass die Figuren besonders lebensnah gezeichnet wurden oder dass die Story so großartig ist. Sondern davon, dass es nahe geht und nachvollziehbar ist, dass man der Momentaufnahme eines Lebens beiwohnt, dass eine ganz überraschende Wendung nimmt.

Der ganze Inhalt ist sprunghaft und flüchtig, so wie Gedanken und Trauer eben sind. Das ist ein Umstand, auf den man sich einlassen muss, um das Buch zu mögen.

Unterm Strich ein wunderbares Buch über das Leben und das Sterben, auf das man sich auf Grund der Nähe, die es erzeugt und des intensiven, aber keinesfalls gradlinigen Stils aber einlassen können und wollen muss. 

Bewertung: 4 von 5 Punkten