Donnerstag, 13. Juni 2013

Rezension: Artikel 5

Hmmm, was soll ich hierzu Einleitendes sagen? Ich war neugierig, jetzt bin ich es nicht mehr ;)

Artikel 5: Roman
Broschiert: 432 Seiten
Verlag: ivi (16. April 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492702864
ISBN-13: 978-3492702867

Rezension:
Nach dem Krieg ist in Amerika alles anders. Die Statuten mit ihren Artikeln bestimmen das Leben und Lieben der Menschen – ihren Alltag, ihre Familie, ihre Zukunft. Wer gegen die Artikel verstösst, wird bestraft, ganz egal, ob er etwas dafür kann oder nicht.
Als per Gesetzesänderung unehelichen Kindern abgesprochen wird, ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu sein und ihre Zeugung ein Verbrechen wird, geraten Ember und ihre Mutter in Schwierigkeiten. Denn Embers Eltern waren nicht verheiratet, als sie vor 17 Jahren geboren wurde und eine Bestrafung kann auch nachträglich erfolgen. Viel schlimmer jedoch wird alles noch, als Ember feststellen muss, dass ihr Feld in der Brandung, derjenige, an den sie sich immer wenden konnte, sie verraten hat...

Dystopien hatten in der letzten Zeit ein echtes Hoch zu verzeichnen. Und das führt nur ganz natürlich dazu, dass man viele Ideen irgendwie schon mal gesehen hat.
Diese hier jedoch scheint einem weniger aus einer Dystopie bekannt zu sein, sondern viel mehr aus der Vergangenheit, was sie greifbarer und auch schrecklicher macht.

Die Idee der Geschichte ist gut und die Umsetzung ist auch gelungen, man möchte schreien vor lauter Ungerechtigkeit und willkürlicher Grausamkeit den Menschen gegenüber.
Dennoch ist leider ganz viel Potential verschenkt worden.

Das beginnt bei der Wahl der Erzählform und hört bei den Figuren auf.
Das Buch wird von Ember in der Vergangenheitsform erzählt, was einem von vorn herein deutlich macht, dass sie am Ende – egal, was passiert – überleben wird. Und schon verliert eine möglicherweise lebensgefährliche Situation an Spannung.
DEN Fehler, eine Ich-Erzählerin, die das Präteritum nutzt, sterben zu lassen, was von der Erzählstruktur her größter Mist ist, habe ich erst ein einziges Mal erleben müssen.

Die Figuren sind... einfach da. So richtig sympathisch ist Ember nicht. Ihre Beweggründe sind mehr rational nachvollziehbar, als dass man sie als Leser wirklich fühlen würde und auch all ihre Mitstreiter bleiben ziemlich farblos. Chase ist ein klein wenig besser ausgearbeitet, bietet aber auch um Längen mehr Ecken und Kanten als Ember.
Insgesamt ein ziemlich durchschaubarer Haufen, der hier seinen Auftritt hat.

Die Story an sich ist für meinen Geschmack zu vorhersehbar und zu langatmig. Es passiert auf vielen Seiten relativ wenig und jegliche Spannung wird sehr schnell wieder aufgelöst, so dass man gar nicht erst die Chance hat, richtig mitfiebern zu können.

Erzählt ist das Buch jedoch recht kurzweilig, so dass man es durchaus in kurzer Zeit lesen kann. Ich hoffe einfach mal, dass die Autorin sich in den Folgebänden weiter entwickelt und aus Ember eine greifbare Persönlichkeit machen und aus den einzelnen Handlungspunkten echte Spannung generieren kann.

Unterm Strich ein guter Ansatz, der allein schon durch die beklemmende Nähe zur Vergangenheit fesseln kann, bei dem dann aber bei Figuren und Handlung wieder viel verschenkt wurde. 

Bewertung: 3 von 5 Punkten

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