Freitag, 5. April 2013

Rezension: Ich lebe, lebe, lebe

Das hier ist wirklich ein besonderes Buch. Oder wie sonst soll man eines bezeichnen, bei dem man Inhaltlich von Anfang an weiß, worum es sich dreht und dennoch die ganze Zeit über faszniert dabei ist?

Informationen zum Buch:
Autor: Alison McGhee
Seiten: 160 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: dtv (Oktober2012)
ISBN 10: 342324934X
ISBN 13: 978-3423249348

Rezension:
„Ivy und ich hatten einen Unfall. Es dämmerte schon in den Adirondacks an jenem Abend, und wir kamen um eine Kurve.“ Immer wieder drehen sich Roses Gedanken um diesen Abend, als sie und ihre Schwester in einen Unfall verwickelt wurden, in Folge dessen Ivy ins Koma fiel. Ivy, die eigentlich fließendes Gewässer ist und sich in und mit der Welt bewegt, ist ans Bett gefesselt und außer einem leichten Atemreflex hält sie nichts mehr hier. Und Rose, die sich jeden Tag zu ihrer Schwester fahren lässt und nur hier mit sich selber klarzukommen scheint, Rose, die Stunden um Stunden am Krankenbett sitzt, Rose, die stehendes Gewässer ist und doch nur fließen will, Rose verliert sich mehr und mehr. Tut Dinge, die sie besser nicht getan hätte, verkriecht sich in ihrer eigenen Welt und macht Ivy zu ihrem Lebensmittelpunkt.

Schon der Klappentext verrät einem eigentlich inhaltlich schon alles über das Buch und mit gerade 157 Seiten recht schmal, dafür aber hochwertig und entsprechend nicht gerade billig. Daher war ich doch gespannt darauf, was es denn zu bieten hat.
Und das ist einiges.

Roses Gedankenwelt bestimmt das Buch, ihr Handeln ist manchmal für Außenstehende nicht nachvollziehbar und dennoch spürt man ihre Verzweiflung und Hilflosigkeit und den Wunsch, sich lebendig zu fühlen, gleichzeitig aber auch die Schuldgefühle und den Schrecken, den der Unfall hinterlassen hat.
Der Schreibstil ist diesem Chaos, der Trauer und Verwirrung sehr gut angepasst. Man kann nachempfinden, wie es in Rose arbeitet und vor welche Wände sie gedanklich immer wieder läuft.

Dieses Buch lebt nicht wie andere davon, dass die Figuren besonders lebensnah gezeichnet wurden oder dass die Story so großartig ist. Sondern davon, dass es nahe geht und nachvollziehbar ist, dass man der Momentaufnahme eines Lebens beiwohnt, dass eine ganz überraschende Wendung nimmt.

Der ganze Inhalt ist sprunghaft und flüchtig, so wie Gedanken und Trauer eben sind. Das ist ein Umstand, auf den man sich einlassen muss, um das Buch zu mögen.

Unterm Strich ein wunderbares Buch über das Leben und das Sterben, auf das man sich auf Grund der Nähe, die es erzeugt und des intensiven, aber keinesfalls gradlinigen Stils aber einlassen können und wollen muss. 

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen