Dienstag, 15. Januar 2013

Rezension: Rot wie das Meer

Dieses Buch habe ich im Rahmen einer Leserunde auf der Leser-Welt bekommen. Nochmals vielen Dank! 

Informationen zum Buch:
Autor: Maggie Stiefvater
Seiten: 430 Seiten (Hardcover)
Verlag: script5 (November 2012)
ISBN 10: 3839001471
ISBN 13: 978-3839001479

Rezension:
Wenn es Herbst wird in Thisby, schäumt das Meer. Die Wasserpferde kommen. Und mit ihm das große Rennen, das Tourismus verspricht, Ruhm, Ehre, viel Geld. Und Leiden, Schmerz und Tod.
Wie jedes Jahr reitet der junge Sean mit, der eine besondere Beziehung zu den Wasserpferden hat, ihre Sprache spricht, sie versteht und sie zähmen kann wie kein anderer und der dennoch nicht frei ist. Und das Mädchen Puck, das eigentlich gar nicht um des Rennens willen mitreitet und dann noch auf die waghalsige Idee kommt, nicht auf einem der blutrünstigen Wasserwesen anzutreten, sondern auf einem normalen Inselpony.

Maggie Stiefvater hat nicht lange gewartet, bis sie nach der Triologie um Grace und Sam nun das nächste Werk vorlegte und wie in den Büchern um die Wölfe von Mercy Falls greift sie auch hier auf die Erzählstruktur zurück, in der sich die Protagonisten als Ich-Erzähler abwechseln.
Hierdurch erlebt man das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln und doch ist man mittendrin, fühlt mit und sieht durch die Augen der Handelnden.

Die Sprache ist wie gewohnt wundervoll. Schön geschrieben, schön übersetzt, einfach gut gemacht. Man erlebt die Stimmung auf Thisby, die raue See, den Wind, das Novemberwetter, das klamme Gras und die niedrigen Bauten, man sieht es vor sich, atmet gerade zu salzige Luft.

Die Charaktere sind leider in diesem Fall nicht so überzeugend. Sicher, Puck ist irgendwie sympathisch mit ihrer raubeinigen Art und ihrem losen Mundwerk, Sean ist, was er sein soll: Der geheimnisvolle, dunkle, geheimnisumwitterte junge Mann, von dem so eine sonderbare Faszination ausgeht. Leider wäre auch er noch ausbaufähiger gewesen, aber grundsätzlich sind diese beiden Personen gut gelungen.
Auch Finn, einer der Brüder von Puck ist interessant und in seinen Handlungen greifbar geworden, der Rest der Inselbewohner allerdings ist reichlich plakativ. Es gibt die übliche Handvoll schrulliger Einwohner, die mit allen ihren Macken dann doch wieder nur konstruiert wirken und die zu erwartenden Bösewichte, bei denen auch keinerlei Charakterentwicklung merkbar ist.

Die Story an sich ist spannend, auch wenn ich das nicht gedacht hätte, als ich von „einem Rennen mit blutrünstigen Wasserpferden“ las. Aber man fiebert doch mit und möchte wissen, was nun geschieht, ob Puck ihren Weg gehen und Sean sein Ziel erreichen kann.

Aber dennoch. Dieses Buch war nicht meins und wird es nie sein. Ich kann schlecht damit umgehen, wenn (mehr oder weniger) wehrlose Tiere brutal verstümmelt, verwundet, abgeschlachtet werden. Wenn ihr grausamer Tod billigend in Kauf genommen wird, um Ziele zu erreichen und die Autorin das dann noch in sämtlichen Farbschattierungen aufarbeitet. Natürlich besteht das Buch nicht nur aus solchen Szenen aber für mich waren es deutlich zu viele.

Sicher ist es wichtig, zu erkennen, was für ein Typ Mensch Mutt ist und es ist absolut unerlässlich für die Geschichte, zu begreifen, was für Wesen die Wasserpferde sind, wozu ihr Instinkt sie treibt und wovon sie sich ernähren, wie ihre Art ist.
Aber das habe ich persönlich bereits nach dem Prolog begriffen. Und als Puck die ersten Kadaver findet.
Da habe ich gewisse nachfolgende grausame Szenen, bei denen lange nicht immer nur Tiere leiden mussten, wirklich nicht gebraucht.

Das Ende kann das Buch dann auch nicht mehr retten, das Rennen ist schnell vorbei, wie eine Achterbahnfahrt, bei der die Wagen sich ewig in die Höhe schrauben, nur um dann in einer Sekunde wieder am Ende der Fahrt anzugelangen, ohne die Aufs und Abs, die solche Fahrten erst vergnüglich machen.
Der Epilog schließlich mag versöhnlich wirken, für mich gehört er zu den Dingen, die ich mir anders gewünscht hätte, die irgendwie einen faden Beigeschmack hinterlassen, wenn einer, den man lieb gewonnen hat, sich gegen alles entscheidet, was ihn ausmacht.

Insgesamt ein Buch, dessen Sprache wunderschön ist, dessen Geschichte spannend und dessen Protagonisten zumindest teilweise sympathisch sind, dessen Setting aber vor allem anderen überzeugt.
Aber auch ein Buch, das mit grausamen Szenen gespickt ist, deren Leidtragende meistens Tiere sind. Wer damit nicht umgehen kann sollte wohl lieber Abstand nehmen. Wer das Buch an jemanden verschenken möchte, der Tieren nicht beim Leiden und Sterben zusehen will, der sollte ein anderes Geschenk wählen.
Und wer es jemandem schenkt, der Pferde toll findet, sollte es zumindest vorher probelesen um das schlimme Erwachen verhindern zu können.

Bewertung: 2 von 5 Punkten

Kommentare:

  1. Hallo Claudia,
    schicken Blog hast du da. Schau doch mal bei mir vorbei. Ich freu mich...
    http://literatur-diskussion.blogspot.de/

    Liebster Gruß

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  2. Huhu! Ich habe dir ein Stöckchen zugeworfen. Schau mal vorbei!
    http://perolicious.blogspot.de/2013/01/stockchen-ich-bin-ein-buch-star-holt.html

    LG Pero

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  3. Gut, dass ich mich nicht von dem wunderschönen Cover habe verführen lassen. Wieder mal klasse Rezi und da ich mich auf deinen Tipp immer gut verlassen kann ... danke!

    Ganz liebe Grüße

    Clee :)

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  4. Liebste Emma-Clee, wie schön, etwas von dir zu hören :)
    Da bin ich froh, dass ich dir weiterhelfen konnte! Aber ja, wunderschön ist es definitiv. Und das Buch unter dem Schutzumschlag sieht aus wie weißes Meer, wirklich schön. Aber sonst....

    Pero, danke, ich schau mir das die Tage an.

    Sani, vielen Dank, ich habe schonmal drauf gesehen.
    Lg

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    1. Hey! ;D
      Ich dachte mir, da ich nun das erste Mal seit fast einem halben Jahr wieder wirklich hier unterwegs bin, muss ich gleich vorbeischauen. Und was hab ich alles verpasst! O.O
      Es sieht auch noch unter dem Umschlag so schön aus? *seufz* Meer ... ich liebe das Meer ... sooo schade!
      Hast du einen Highlight-Tipp für mich? Ich hab ziemlich den Überblick über Buchneuerscheinungen etc. verloren und such gerade nach einem neuen Schmankerl. :)

      Ganz liebe Grüße! :D

      Clee

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  5. Also Night School fand ich wirklich gut und da erscheint gerade auch der zweite Band.

    Alles andere ist eher so Durchschnitt.

    Vielleicht schaust du es dir ja mal an.

    Ansonsten bin ich auch nicht so sehr up to date (einfach zu wenig Zeit gehabt).

    WIe gesagt, ich freue mich, von dir zu hören!

    Lg

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  6. Schade, dass es dir nicht so gut gefallen hat. Ich habe es bisher noch nicht gelesen, aber die Nach-dem-Sommer-Reihe von Maggie Stiefvater hat mir sehr gut gefallen, darum habe ich dieses Buch immer im Hinterkopf behalten ;)

    Ich habe allerdings schon von mehreren Leuten gehört, dass sie schwer enttäuscht waren, weil das große Rennen nur einen so kleinen Teil des Buches ausmacht und viel zu schnell vorbei war.

    Mich schockt allerdings, dass so brutal mit den Tieren umgegangen wird, denn das wusste ich bisher noch nicht. Mir tut es auch immer in der Seele weh, wenn ich mitansehen oder lesen muss, wie Tiere misshandelt werden, da kann ich deine Empörung gut nachvollziehen.

    Ganz liebe Grüße,
    Julia

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