Mittwoch, 31. Oktober 2012

Rezension: Remember

Dieses Buch habe ich im Rahmen einer Leserunde auf der Leser-Welt erhalten und mich sehr darüber gefreut. Gelesen habe ich es schon vor einigen Wochen, komme aber erst jetzt dazu, meine Gedanken in Worte zu fassen und mich zu einer Beurteilung durchzuringen.

Informationen zum Buch:
Titel: Remember
Autor: Roland Jungbluth
Seiten: 380 Seiten (Hardcover)
Verlag: Arena (Juli 2012)
ISBN 10: 3401067575
ISBN 13: 978-3401067575

Rezension:
Als Annabel erwacht, befindet sie sich in einer Nervenheilanstalt. Ohne zu wissen, warum und wie sie dort gelandet ist. Als ihre Eltern sie besuchen wollen, hofft sie auf eine Erklärung und findet nur das blanke Grauen: Das sind nicht ihre Eltern, obwohl sie sich nicht an deren wahres Aussehen erinnern kann, spürt sie doch ganz deutlich, dass diese Menschen Fremde sind. Doch was genau ist geschehen? Wem kann sie trauen und wer kann ihr helfen, die Wahrheit zu finden?

Was genau ist das Angenehme an Büchern, bei denen die Figuren vor einem großen Rätsel stehen? Dass man als Leser auch nicht gleich alles weiß und mitraten kann. Allerdings hat dieses Mitraten auch seine Grenzen, wie dieses Buch ganz deutlich zeigt. Dass die Protagonisten sich in einer für sie ganz ungewöhnlichen Situation wiederfinden werden, weiß der Leser schon vorher, aber damit hört es auch auf. Eine lange Zeit tappt man genau so sehr im Dunkeln wie die Jugendlichen und was zu Anfang noch die Spannung erhöht und zum Nachdenken anregt, führt, je länger diese Situation anhält, immer stärker dazu, dass man sich weniger stark auf die Handlung einlässt. Man versucht immer mehr, Hinweise zu finden, hinter die Kulissen zu sehen und Lösungen zu finden und spürt der Handlung nicht mehr in der Tiefe nach. Bei mir war es zumindest so. Ich denke, ich hätte die Handlung intensiver verfolgt, weniger oberflächlich, wenn ich weniger damit beschäftigt gewesen wäre, herausfinden zu wollen, was nun hinter all dem steckt.

Ansonsten ist das Buch gut gemacht und die Auflösung ist in Ordnung, wenn gleich mir auch da etwas Erklärung fehlt, ein paar Beweggründe wären schön gewesen.

Die Figuren sind nachvollziehbar, auch wenn man relativ wenig von ihnen erfährt. Ihre Handlungen passen zu dem, was man von ihnen erlebt und ergeben ein stimmiges Bild.
Die Sprache ist eingängig, man stolpert nicht über seltsame Formulierungen, kommt im Buch schnell voran.

Insgesamt also ein Buch, das sich schnell lesen lässt und eine interessante Story mit glaubhaften Charakteren bietet. Leider tappt der Leser etwas zu lange im absolut Dunklen, die Auflösung allerdings ist wieder gut und die Erzählstruktur mit den Einwürfen macht neugierig.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Sonntag, 28. Oktober 2012

Rezension Ego-Trip

Vom Verlag edition zweihorn wurde mir dieses Buch als Rezensionsexemplar angeboten, an dieser Stelle nochmals ganz herzlichen Dank! Ich habe es mit großem Interesse gelesen, mich dabei aber auch immer gefragt, wie gut es wirklich als Unterrichtsmaterial ist. 

Informationen zum Buch:
Titel: Ego-Trip
Autor: Birgit Ebbert
Seiten: 127 Seiten (broschiert)
Verlag: edition zweihorn (Oktober 2012)
ISBN 10: 3943199010
ISBN 13: 978-3943199017
Rezension:

Mike ist 14 Jahre alt und wird die nächsten drei Wochen im Jugendarrest verbringen. Dort soll er darüber nachdenken, warum er ein Mädchen verprügelt hat. Mike hat aber überhaupt keine Lust, sich damit auseinander zu setzen und beginnt also, auf dem bereit gestellten Computer nach Spielen zu suchen und wir tatsächlich fündig. Das Spiel „Ego-Trip“ verspricht spannend zu sein und genau das ist es auch. Nur ganz anders, als Mike es erwartet hätte…

Dieses Buch bietet neben einer interessanten Geschichte unglaublich viele Ansatzpunkte für Unterrichtseinheiten. So viele, dass es fast schon ZU viele sind.  Es besteht die Gefahr, sich in der Themenvielfalt zu verrennen, wenn man die hingeworfenen losen Enden alle miteinander verknüpfen möchte.
Andererseits kann man das Buch dann wieder verwenden, wenn Lehrkräfte ausgebildet werden, um eben zu sehen, wie man hier filtern kann, welche Punkte wichtig sind, welche übergangen werden können.
So wie es ist, bietet das Buch einfach eine Fülle von möglichen Ansatzpunkten, aus denen man selber die für die eigene Klasse wichtigsten auswählen muss.

Die Geschichte selber ist interessant und damit auch für jüngere Jahrgänge geeignet, die sich mit der reinen Story und der Person Mike auseinandersetzen sollen.

Leider ist diese Person Mike ein weiterer kleiner Schwachpunkt. Sicher ist er so angelegt worden, um die Geschichte genau an diese Punkte zu führen, leider wirken seine Handlungen stellenweise recht unbegründet, wenig nachvollziehbar. Sie passen in die Handlung, aber nicht in die Person.

Davon abgesehen aber ist das Buch gut lesbar, auch für jüngere Kinder und bietet eine starke Botschaft.

Als Grundlage für Unterricht bietet dieses Buch unglaublich viel, wo auch aus meiner Sicht die große Schwierigkeit liegt, weil man dafür lernen muss, gut zu filtern. Für jüngere Kinder ist es eine interessante Geschichte, die zum Nachdenken anregt und für Studenten vielleicht sogar ein Medium, anhand dessen sie die Ausarbeitung für verschiedene Themen passender Unterrichtseinheiten lernen können.
Bewertung: 4 von 5 Punkten

Sonntag, 21. Oktober 2012

Rezension: Wünsch dir was

Auf so ein Buch habe ich schon lange gewartet. Ich freue mich selber immer so sehr über kleine selbstgemachte Mitbringsel, dass ich natürlich auch anderen gerne eine Freude machen will und da ist dieses Rezeptebuch eine ganz wundervolle Hilfe.

Informationen zum Buch:
Autor: Regine Stroner
Seiten: 144 Seiten (broschiert)
Verlag: Kosmos (August 2012)
ISBN 10: 3440130207
ISBN 13: 978-3440130209


Rezension:
Schon mal darüber nachgedacht, einen Schlemmerkorb zu verschenken? Oder noch auf der Suche nach einem kleinen Mitbringsel, einem Gastgeschenk oder einfach leckeren Kleinigkeiten zum selber genießen?

Dann ist diese Sammlung genau das Richtige, denn sie steckt voller Überraschungen und hilfreicher Tipps.
Ich würde nicht so weit gehen, eine Gelinggarantie zu attestieren, denn schief gehen kann im Grunde bei fast allem etwas, aber die Rezepte sind so gut und detailreich geschrieben, dass man sich auch als Anfänger an sie heranwagen und ein gutes Ergebnis erwarten kann.

Die Aufteilung in diesem Buch folgt nicht, wie man vielleicht erwarten würde, gängigen Kategorien wie „Plätzchen“, „Marmeladen“ oder ähnlichem, sondern stellt die Rezepte den Ländern, aus denen sie stammen, entsprechend vor.

So findet man klassische deutsche Lebkuchen neben Likör, Gewürzsalz oder selbstgemachter Mettwurst. Der französische Bereich wartet mit Trüffeln oder Madeleines auf, der Englische mit Shortbread und Toffees, aber auch Chutney und Mango-Ketchup. Aus Schweden bekommen wir nicht nur Rezepte für die typischen Kanelbullar („Schwedenkuchen“), sondern auch für Knäckebrot oder Graved Lachs. Italien liefert Anleitungen für Panettone, Grissini oder Honigmischungen und aus dem österreichischen Teil des Buches kommen Rezepte für Tafelspitzsülze, Powidl oder Sachertorte.

Selbstverständlich können hier bei weitem nicht alle Rezepte aufgeführt werden, ich denke aber, dass dieser kleine Auszug einen Überblick gibt über die Vielfalt der enthaltenen Leckereien. Da ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei.

Von den ausführlichen Anleitungen, die einem sogar helfen, eigene Teemischungen herzustellen (nur teilweise mit Zugabe fertigen Schwarztees) und den wunderschönen, großen Farbfotos bin ich vor allem davon begeistert, dass bei den Rezepten eine Angabe zur Haltbarkeit gemacht wurde, da dies bei Selbstgemachtem ja meistens einiges an Unsicherheit hervorruft.

Daher: Ein ganz wundervolles, hilfreiches, hübsches und abwechslungsreiches Kochbuch.

Bewertung: 5 von 5 Punkten

Dienstag, 16. Oktober 2012

Rezension: Der Architekt

Hier nun die lange erwartete Rezension zu "der Architekt". Ein Buch, bei dem ich tatsächlich lange im Dunkeln getappt habe.

Informationen zum Buch:
Autor: Jonas Winner
Seiten: 384 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Knaur TB (Oktober 2012)
ISBN 10: 3426512750
ISBN 13: 978-3426512753

Rezension:
Der Stararchitekt Julian Götz steht vor Gericht, er soll seine Frau und seine beiden kleinen Töchter kaltblütig ermordet haben. Der Drehbuchautor Ben Lindenberger wohnt dem Prozess bei und tritt damit unwissentlich eine Lawine los, die nicht nur ihn in den Abgrund zu reißen droht.

Wann ist ein Buch gut? Wenn es sich flüssig lesen lässt? Wenn die Charaktere gut ausgearbeitet sind? Wenn die Story spannend ist?
Ja und nein. Es gehört mehr dazu. Alle oben genannten Punkte treffen definitiv zu und dennoch fehlt diesem Buch etwas.

Die Sprache ist so eindringlich, dass das Buch sich wirklich gut und schnell lesen lässt. Die Formulierungen sind meistens passend, auch wenn es für meinen Geschmack deutlich zu viele Vergleiche gab. Aber der Stil ist dennoch so angenehm, dass man sich sehr schnell in der Handlung wiederfindet.

Die Figuren sind detailreich ausgearbeitet, man kann ein Stück weit hinter die Kulissen blicken bei den beiden Hauptprotagonisten und was man sieht ist sowohl beängstigend als auch spannend und irgendwie echt.
Dennoch will keine Sympathie aufkommen. Ben scheint von Beginn an am Rande des Wahnsinns zu wandeln und Stück für Stück abzurutschen und seine Gedankengespräche sind teilweise sehr anstrengend und irgendwie störend. Fast gönnt man ihm, was mit ihm geschieht, so wenig ansprechend ist sein Charakter geschaffen.
Julian Götz ist trotz all seiner Fehler viel eher der Sympathieträger, zumindest in meinen Augen und das, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob das vom Autor so geplant war.

Die Handlung ist spannend. Als Leser tappt man lange im Dunkeln und die Entdeckungen, die Ben im Laufe der Zeit macht, sind jede für sich interessant, neu, klug gesetzt. Und dennoch, obwohl man wissen will, wie es ausgeht, fiel es mir erschreckend leicht, das Buch auch mal für längere Zeit zur Seite zu legen. Obwohl ich natürlich neugierig war und die Sprünge und Richtungswechsel der Handlung gespannt verfolgt habe, hat die Story mich einfach nicht mitgerissen.

Das Ende schließlich ist wieder ziemlich klug gemacht, aber für mich zu wenig greifbar, mit zu wenig Dichte und zu wenig Nachvollziehbarkeit, als dass es mich hätte zufrieden zurück lassen können.

Insgesamt ein Werk, das durchaus gut gemacht ist, das mich aber leider nicht auf einer Ebene erreichen konnte, die für völlige Zufriedenheit mit dem Buch gesorgt hätte. 

Bewertung: 4 von 5 Punkten, Tendenz nach oben