Sonntag, 15. April 2012

Rezension: vergissdeinnicht

Dieses Buch ist schon optisch etwas ganz Besonderes und der Inhalt steht dem in nichts nach. Endlich konnte ich mal wieder die Höchstwertung vergeben.

Informationen zum Buch:
Autor: Cat Clarke
Seiten: 288 Seiten (broschiert)
Verlag: Bastei Lübbe  (März 2012)
ISBN 10: 3785760612
ISBN 13: 978-3785760611

Rezension:
Als Grace aufwacht, findet sie sich in einem komplett weißen Raum wieder. Nichts hat Farbe, nicht die Wände, nicht das Bett, nicht ihre Kleidung und dabei liebt sie Farben doch so sehr. Und dann ist da Ethan, der sie scheinbar in diesen Raum gesperrt hat. Der ihr Essen bringt, sonst aber nur kryptische Antworten für sie hat. Und ein Tisch, Papier und Stifte.
Also schreibt Grace.

Weder der Klappentext, noch die ersten Kapitel des Buches lassen erahnen, was dahinter steckt. Das hier ist eine Geschichte, auf die man sich genau so einlassen muss, wie sie für Grace beginnt: Einfach von vorne. Lesen und abwarten, was passiert.

Eine erfrischende Ausnahme von all diesen Geschichten, bei denen man das Grundgerüst der Handlung bereits auf den ersten Seiten oder aus der Klappe erkennen kann. Hier ist es, als würde man einen Film sehen, von dem man noch niemals etwas gehört hat: Man fängt einfach an und wartet ab, wohin einen die Reise führt.

Der Autorin gelingt hier ein kleines Meisterwerk, weil man, selbst wenn man nach einiger Zeit eine Ahnung hat, was wirklich hinter der Story steckt, doch bis zum Ende im Dunkeln tappt. Man hat eine Vermutung, aber die Auflösung kommt wirklich erst am Schluss und bis dahin fliegt man durch die Seiten und versucht, hinter das Geflecht aus Lügen, Selbsttäuschung, Hoffnung und Verzweiflung zu blicken, das Grace umgibt. Dies ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt und das nicht erst, wenn man es beendet hat.

Obwohl man als Leser eigentlich nur Graces Manuskript vor Augen hat, das was sie zu ihrem jeweiligen Tag schreibt und das, was sie zu ihrer Vergangenheit schreibt, weiß man immer, wo in der Erzählung man sich befindet.

Die Figuren der Handlung sind nur oberflächlich beschrieben, was, wenn man bedenkt, dass die Handlung aus der Erinnerung einer Jugendlichen erzählt wird, schon nachvollziehbar ist. Es ist kein Roman in dem Sinne, wo man sich die Charaktere vor Augen hält, sondern man schaut einem Teenager dabei zu, wie sie versucht, sich durch die Erinnerung zur Wahrheit zu kämpfen und dabei wird es fast unwichtig, dass man selbst zum Schluss noch nicht weiß, wie Grace eigentlich aussieht. Aber eben nur fast.
Andererseits hätte man eine Selbstbeschreibung kaum glaubhaft unterbringen können.

Die anderen Figuren sind besser beschrieben, eben aus Graces Erinnerung heraus, bleiben aber hauptsächlich an ihren Handlungen unterscheidbar, an dem, was bei Grace ankommt, nicht an dem, was wirklich in ihnen vorgeht.
Aber, wie gesagt, für diese Art von Geschichte passt das.

Die Sprache ist wohl so, wie sie aus so einer Situation heraus entsehen würde, auch wenn mir ein wenig zu oft gekotzt wurde, beziehungsweise ein wenig zu umgangssprachlich geschrieben wurde.

Insgesamt aber ist das hier ein Buch, das wirklich mal ganz anders ist, als man es gewohnt ist. Das Graces Gefühlsleben ganz ungefiltert und damit authentisch abbildet und bei dem man nicht nur das Gefühl hat, direkt im Geschehen zu sein und zusammen mit der Protagonistin der Wahrheit nur Stück für Stück näher zu kommen, sondern bei dem man am Ende zurück bleibt mit dem Gedanken „so passt es“.

Bewertung: 5 von 5 Punkten

1 Kommentar:

  1. Vielen liebe dank für die rezi, das buch lese ich als übernächstes :-)

    AntwortenLöschen