Samstag, 21. April 2012

Rezension: Die Leiden einer jungen Kassiererin

Dieses Buch habe ich vor einiger Zeit auf dem Grabbeltisch gefunden und damals mitgenommen, weil ich es irgendwie interessant fand...nunja...

Informationen zum Buch:
Autor: Anna Sam
Seiten: 176 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Goldmann Verlag (August 2010)
ISBN 10: 3442156238
ISBN 13: 978-3442156238

Rezension:
Sie waren noch nie Kassiererin? Sie werden bald eine sein? Sie werden das Leben an einer Supermarktkasse schon noch kennen lernen! Hier ist der Leitfaden zum Topjob.

Anna Sam wird als Sprecherin der Supermarktkassiererinnen Frankreichs gefeiert, prangert sie doch mit ihrem Buch recht deutlich die unterirdischen Arbeitsbedingungen der Kassiererinnen an und zeigt darüber hinaus auf, womit sich diese tagtäglich im Kontakt mit den Kunden herumschlagen müssen.

Ich gebe zu, der Job ist sicherlich nicht leicht und die Arbeitsbedingungen, die beschrieben wurden, lassen andere Nebenjobs traumhaft wirken. Dennoch schleicht sich in diesem Buch einfach für meinen Geschmack zu oft ein abwertend-aggressiver Tonfall ein.

Auch den Kunden gegenüber, die hier gnadenlos bloßgestellt und niedergemacht werden, ganz egal, ob sie freundlich (wie anstrengend und wehe, die machen noch Witze!), unfreundlich (geht gar nicht), früh im Laden (Drängler) oder spät im Laden (Trödler) sind. Egal, was der Kunde tut, es ist falsch und/oder gibt Grund, darüber herzuziehen.

Ich kann mir schon vorstellen, dass der Job schwer ist und die Kunden die Nerven ordentlich strapazieren können.  Aber muss man sich denn über jede Art von Kunden so massiv beschweren?
Das hat wenig mit Sarkasmus oder Humor zu tun, sondern wirkt wie eine generelle Abrechnung von jemandem, der eigentlich Menschen im Allgemeinen nicht mag.

Das ist schade, zumal es sicherlich tausend Anekdoten gibt, die wunderbar in ein Buch diesen Themas gepasst hätten. Situationen, die witzig, kurios, peinlich oder auf andere Weise erwähnenswert waren.
So ein Buch hätte ich gerne gelesen. Eines, das Kritik am Kunden durch die Blume anbringt, Beispiele zeigt, die zum Nachdenken oder Lachen einladen.
Keines, das Rundumschläge verteilt und auf zwanghafte Weise dabei witzig zu sein versucht.

Sprachlich ist das Buch ganz gut, wenn man von dem verzweifelt-ironischen „ach ja, nicht Kassiererin, sondern Servicemitarbeitern Kasse“ mal absieht, das sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht und mehr als nur ein wenig Frust durchblicken lässt. Die Autorin kann durchaus mit Worten umgehen und weiß sich auszudrücken, was dazu führt, dass man das Buch flüssig und schnell durchgelesen hat.

Darüber hinaus allerdings konnte es mich gar nicht begeistern, es wirkte für mich zu gezwungen und statt etwas aus dem Leben zu erzählen warnt die Autorin eine imaginäre neue Kassiererin vor so ziemlich allem, was geschehen kann und jedem, der ihr begegnen könnte und das einfach, indem sie über alles und jeden herzieht.
Unnötig.


Bewertung: 1 von 5 Punkten (mit Tendenz nach oben)

Kommentare:

  1. Okay, das heißt wohl ganz klar: finger weg :) Kein Wunder, dass es nur auf dem Grabbeltisch gelandet ist. Solche Leute hasse ich ja auch im echten Leben, warum müssen die auch noch Bücher schreiben und unsere Zeit verschwenden?
    Nun gut, danke für die gute Rezi, werd ich mir merken, falls es mir mal unterkommt :)

    AntwortenLöschen
  2. Weil sie ein großes Mitteilungsbedürfnis haben? ;)
    Ja, Finger weg.
    Lg

    AntwortenLöschen