Sonntag, 15. Januar 2012

Rezension: Guttenbergs Fall

Wie gewohnt stehen hier ein paar einleitende Worte, die euch zum Beispiel verraten, dass ich dieses Buch über BloggDeinBuch erhalten habe und die Zusammenarbeit in diesem Fall mit dem Gütersloher Verlagshaus erfolgte.
Ungewohnt ist, dass ich das, was ich eigentlich zu sagen habe, auslagern werde, sonst wird das hier länger als die Rezension selber. Denn natürlich habe ich eine eigene Meinung zu der Affäre und natürlich hatte ich einen Anreiz, mich für dieses Buch zu bewerben. Und daher erwartet euch dann in den nächsten Tagen nochmal ein gesonderter Post dazu.


Informationen zum Buch:
Autor: Roland Preuß, Tanjev Schultz
Seiten: 224 Seiten (Hardcover)
Verlag: Gütersloher Verlagshaus  (Oktober 2011)
ISBN 10: 3579066722
ISBN 13: 978-3579066721

Rezension:
Wer hat nicht mitbekommen, wie die Plagiatsaffäre durch die Medien ging? Und je nachdem, mit was für Menschen man sein Leben teilt, dürften jedem die unterschiedlichsten Meinungen zu dem Fall begegnet sein von „Der arme Mann, lasst den in Ruhe“ über „Aber als Minister ist er doch toll“ bis zu „Richtig so und am besten noch hart bestrafen dafür“. In diesem Buch wird der Fall nochmal von Beginn an aufgerollt und dargelegt und auch all jene Schauplätze beleuchtet, denen vermutlich nicht jeder Aufmerksamkeit geschenkt hat.

Herausgekommen ist ein Buch, dass sich deutlich auf die Seite der Wissenschaft stellt, soviel möchte ich gleich sagen, aber auch ein Buch, das versucht, Antworten zu finden auf die Frage nach dem „Warum“.
Warum setzt ein erfolgreicher Mann mit einer glänzenden Zukunftsprognose seinen Ruf, sein Ansehen, seinen Job aufs Spiel indem er so eine Dummheit begeht? Warum stellt er sich, wenn alles an die Öffentlichkeit kommt, noch hin und dementiert? Warum sind die Reaktionen so erfolgt und welche Folgen hatte die ganze Affäre, die mit dem Rücktritt Guttenbergs ja lange nicht beendet ist?

Um all diese Dinge dreht sich das Buch. Sicher ist der Blick der Autoren, die ja über die Vorfälle berichtet haben, nicht menschenneutral Herrn Guttenberg gegenüber, der die wissenschaftliche Ehre verletzt hat, wohl aber sehr faktenneutral den Geschehnissen gegenüber. Und somit auch durchaus lesenswert für diejenigen, die nach wie vor daran festhalten, dass unser „Wunderminister“ ungerecht behandelt wurde.

Mich hat das Buch erschreckt, weil ich vieles einfach nicht wusste, was im Vorfeld passiert ist und weil ich das genaue Ausmaß der Affäre nicht kannte, denn ehrlich gesagt, haben mir damals die gröberen Berichterstattungen genügt, um mich aufzuregen, ins Detail wollte ich da gar nicht gehen.
Beruhigend hingegen war zu sehen, dass die Wissenschaft ganz klar Stellung bezieht. Um in einer sachlichen Rezension ins Persönliche zu rutschen: Mir sind durchaus Menschen begegnet, die selber akademische Grade besitzen und sich damit eigentlich am ehesten eignen, das ganze ungeheuerliche Ausmaß zu begreifen, die sich aber an dem „er hat einen guten Job gemacht“-Argument festgebissen haben und denen es völlig egal war, wie mit dieser Doktorarbeit umgegangen wird.

Natürlich muss man zwischen dem Verfasser der unumstritten fehlerhaften Arbeit und dem Minister unterscheiden, ein anderes Licht auf die Glaubwürdigkeit wirft die Sache meiner Meinung nach dennoch, weswegen ich mich ganz schwer tue mit den Aussagen, die nur abwiegeln und beschwichtigen und Herrn Guttenberg lieber heute als morgen wieder in Amt und Würden gesehen hätten.

Wobei ein anderer prominenter Fail-Kandidat da ja schon die wahrscheinlichste Entwicklung vorausgesagt hat: „In einem Jahr ist alles vergessen“. Wohl wahr und diejenigen, die sich von über Boulevardzeitungen ausposaunten Begeisterungsstürmen dann mitreißen lassen und für die alles vergeben und vergessen ist, werden vermutlich die Mehrheit darstellen.

Dennoch wäre es schön, wenn auch diese sich das Buch zu Gemüte führen würden, denn es wird mehr als deutlich, wer den Fall Guttenbergs tatsächlich verursacht hat: Er selber.

Anzumerken ist, dass sich jeder Leser eine eigene Meinung bilden und keinesfalls nur auf die Medienberichte verlassen sollte, die ohnehin die eigene Meinung zeigen. Aber das ist ohnehin immer so und betrifft nicht nur diesen Fall, wenn er auch reichlich spektakulär und wegweisend ist.

Von meiner Seite eine eingeschränkte Leseempfehlung (s.o.) für beide „Lager“ für die Fans und die Gegner, für diejenigen, die die ganze Angelegenheit verfolgt haben und für jene, die alles nur am Rande mitbekommen haben. Für Politiker als Mahnung, für Wissenschaftler ebenso, für Studenten und Professoren, für Lehrer und Schüler.

Denn das Grundthema, Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit und Selbstdarstellung eigener Leistungen betrifft uns doch irgendwie alle.

Bewertung: 5 von 5 Punkten

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