Samstag, 27. August 2011

Rezension: XY

Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt. Ganz, ganz herzlichen Dank dafür, es war auf jeden Fall eine äußerst interessante Lektüre, wenn ich mir auch etwas anderes erwartet hatte.

Informationen zum Buch:
Titel: XY
Autor: Sandro Veronesi
Seiten: 393 Seiten (Hardcover)
Verlag: Klett-Cotta (August 2011)
ISBN 10: 3608939601
ISBN 13: 978-3608939606


Rezension:
Ein abgelegenes Bergdorf wird mitten im Winter vom Grauen heimgesucht: Es werden elf Leichen gefunden, die alle auf unterschiedliche Arten, aber alle äußerst grausam  zu Tode gekommen sind. Keiner der Todesfälle passt zu den anderen und überhaupt gibt es permanent mehr Fragen als Antworten. Und so treffen der Pfarrer des Dorfes und eine junge Psychiaterin aufeinander, die versuchen, den Dorfbewohnern zu helfen und gleichzeitig auf der Suche nach der Wahrheit hinter dem Blutbad und der Wahrheit in sich selber sind.

Der Autor legt hier ein unglaublich komplexes und wortgewaltiges Werk vor. Es ist faszinierend, wie deutlich er die beiden erzählenden Figuren in Sprache und Stil voneinander abgrenzen kann und allein hierdurch schon charakterisiert. Während der Dorfpfarrer als gemäßigter, sich erinnernder Erzähler auftritt, sind die Passagen von Giovanna von hektischen Gedankensprüngen und einem deutlich größeren Teil wörtlicher Rede geprägt und darüber hinaus im Präsens gehalten. Giovanna wirkt sehr viel sprunghafter, teilweise erstrecken sich ihre Gedanken über mehrere Seiten, ohne dass man einen einzigen Punkt finden würde, gerade so, als würden die Worte nur so durch ihren Geist sprudeln.

Überhaupt sind Sprache und Stil in den jeweiligen Abschnitten so unterschiedlich, als hätten verschiedene Personen die Texte verfasst. Über das Buch hinweg bleiben sich die beiden Erzähler aber treu, so dass ich hier vor den handwerklichen Können und der Konsequenz des Autors meinen Hut ziehe.

Und so sind die Gespräche der beiden, die das Buch prägen, dann auch tiefgreifend und sehr philosophisch, werden sie doch von so unterschiedlichen Persönlichkeiten mit so unterschiedlichen Leben und Lebenseinstellungen geführt.  Diese Unterhaltungen führen den Leser tatsächlich auf Ebenen, auf denen Glaube und Wissenschaft, Leben und Überzeugung diskutiert und gleichzeitig Fragen und Antworten geliefert werden.

So interessant und erhellend diese Gespräche auch sind, die eigentliche Handlung bleibt hinter ihnen zurück. Die Morde, mit deren Rätsel so fleißig das Buch beworben wird, bieten gerade die Rahmenhandlung, den Auslöser, die Bühne, auf der sich Don Ermete und Giovanna präsentieren können, aber mehr auch nicht.
Wer also dem Klappentext entsprechend auch eine intensivere Suche nach den Hintergründen und Erklärungen erwartet, oder gar ein skurriles Ermittlerduo erhofft, wird enttäuscht werden. Die Gewalttat und ihre Aufklärung sind nur Nebendarsteller und hier liegt die große Schwierigkeit.

Das Buch ist handwerklich toll, ohne Frage. Und die aufgeworfenen Fragen und Diskussionen sind spannend und bieten viel Fläche, selber weiter zu denken.
Aber nach Klappentext und Kurzbeschreibung erwartet man mehr Spannung, mehr Aufklärung, einfach mehr Handlung. Die aber leider nicht vorhanden ist.
Ebenso bleiben am Ende dann noch einige Fäden nicht zusammengeführt, viele Fragen offen und einige Dinge ungeklärt, so dass die Lektüre unterm Strich irgendwie unbefriedigend bleibt.

Sollte das Buch neu aufgelegt werden, würde sich eine andere Werbung empfehlen, um keine falschen Erwartungen zu wecken, denn verstecken muss XY sich auf keinen Fall. Es ist nur eben kein Spannungsroman.
(Und wenn es dann so weit ist, korrigiere ich meine Bewertung mit Freuden um eins nach oben)

Bewertung: 3 von 5 Punkten mit Tendenz nach oben

Donnerstag, 25. August 2011

Rezension: Letzte Ausfahrt vor der Grenze

Dieses Buch hat mir der Haymon Verlag netterweise zur Rezension zur Verfügung gestellt. An dieser Stelle nochmals ganz herzlichen Dank!

Informationen zum Buch:
Autor: Irene Prugger
Seiten: 184 Seiten (Hardcover)
Verlag: Haymon Verlag (August 2011)
ISBN 10: 3852186994
ISBN 13: 978-3852186993

Rezension:
Frauen und Männer, Liebe, Trennung, Betrug. Freude und Schmerz, Offenbarung und Rache. Ein abgeschiedener Wald, ein Darkroom, die Küche einer anderen Frau, ein Klassenzimmer, ein Café - die ganze Vielfalt von Beziehungen.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Zumindest dann, wenn Irene Pruggers Figuren aufeinander treffen, miteinander in Interaktion treten oder sich voneinander entfernen.

Diese Erzählungen sind so skurril und gleichzeitig so möglich, dass man nach jeder einzelnen kurz innehalten und über sie nachdenken möchte. Die Lebenssituationen der Charaktere sind so möglich und so real, dass die Geschichten irgendwie berühren und nahe gehen, auch wenn die Handlung selber manchmal doch sehr abstrakt wirkt.

Vor allem aber bieten die Gedankengänge, die einem hier serviert werden, einen unglaublich klaren und nachvollziehbaren Blick auf das Innere, die Gedanken einer Frau. Ich habe selten erlebt, dass weibliche Handlungen und Entscheidungen so nachvollziehbar beschrieben werden, wo sie doch nach außen oftmals so willkürlich wirken. 
Und so gelingen der Autorin dann auch diejenigen Geschichten besser, die aus weiblicher Sicht geschrieben wurden.Jenen aus männlicher Sicht fehlt dann doch etwas die Intensität.

Auch gibt es Kapitel, die eher verwirren als erklären, die eher ein Fragezeichen über dem Kopf als ein Lächeln auf den Lippen zurück lassen.Und dennoch sind hier auf sehr spannende Weise viele Momentaufnahmen des täglichen Lebens dargestellt, ganz als würde man ein Foto eines belebten Platzes nehmen und einen Blick in die Leben der zufällig Fotografierten werfen. So unterschiedlich und doch eindringlich werden hier Menschen und Menschliches beschrieben.

Unbedingt lesenswert für jene, die gerne einen Blick hinter die Kulissen werfen, für jene, die an Beweggründen interessiert sind, für diejenigen, die gerne für einen kurzen Moment in die Psyche und die Welt anderer Menschen und den Kosmos anderer Beziehungen eintauchen. 

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Mittwoch, 24. August 2011

Gleich zwei - und so hübsch!

Ja, ich lasse mich gerne von der Optik fesseln und so bin ich wirklich ziemlich angetan von diesen beiden Awards, die Sabrina mir verliehen hat. Danke, danke, danke!!!





Die Regeln sind wie üblich:
1. Bedanke dich (in deinem Post + verlink den Blog) 
- erledigt

2. Schreibe 7 Dinge über dich selbst
  - Ich mache nicht so arg gerne Sport, aber...
  - ... mein Tanztraining ist mir sehr wichtig und das liebe ich
  - Ungleiche Belastung (beispielsweise eine Treppe immer mit dem gleichen Bein voran steigen) macht mich nervös
  - Ich mag Zahlen...
  - ... aber Graf Zahl finde ich blöd
  - After Eight-Eis ist lecker, After Eight normal nicht so sehr, finde ich
  - Ich kriegs nicht auf die Reihe, meine Bücher im Regal zu sortieren, also verschiebe ich das Vorhaben immer fröhlich
*nachzähl* Ok, sind 7 Dinge

3. Verleihe den Award (höchstens) an 15 andere Blogs
 - erledigt siehe unten

4. Informiere sie über deine Verleihung!
 - mach ich sofort

Da ich kein großer Freund von gekoppelten Verleihungen bin, gibts die Awards von mir nur einzeln weitergegeben, dafür aber nicht weniger gern.

Der bloglovin`-Award geht an:

und


Und der Greatest Blog-Award geht an:

und

Ich hoffe, ihr freut euch!

Sonntag, 21. August 2011

Rezension: Alice im Netz

Dieses Buch habe ich ebenfalls vom Verlag zur Rezension bekommen - an dieser Stelle nochmals ganz, ganz herzlichen Dank! Ebenso wie bei "Die rote Schleife" handelt es sich hier um ein Thema, für das man Jugendliche sensibilisieren sollte und das deswegen durchaus den Weg in die Schulen finden sollte. Da es sich hier noch ein wenig mehr um ein Buch als um eine Erzählung handelt, geht dieses  Mal aber auch die Bewertung des Geschriebenen an sich in die Gesamtsicht mit ein.

Informationen zum Buch:
Titel: Alice im Netz
Autor: Antje Szillat
Seiten: 155 Seiten (broschiert)
Verlag: Edition Zweihorn (Mai 2010)
ISBN 10: 3935265484
ISBN 13: 978-3935265485

Rezension:
Die 16jährige Alice verbringt wie so viele ihrer Altersgenossen viel Zeit im Internet. Sie chattet, veröffentlicht Fotos und persönliche Details in sozialen  Netzwerken und sie führt einen Schulblog, auf dem sie unter einem Pseudonym bissig und zynisch über den Schulalltag, die Lehrer und Mitschüler berichtet. Für Alice scheint alles in bester Ordnung zu sein, bis sie plötzlich beängstigende Emails von jemandem bekommt, der behauptet, alles über sie zu wissen.

Dieses Buch kann man von zwei Standpunkten aus betrachten: Vom pädagogischen und vom literarischen und man würde zu durchaus unterschiedlichen Bewertungen kommen. Aber von vorn:

Die Sprache ist sehr einfach zu lesen, dabei aber nicht übermäßig flach und anspruchslos, so dass sich die Geschichte flüssig lesen lässt, dabei aber immer zu den jugendlichen Figuren passt. Diese Charaktere sind mäßig gut ausgearbeitet, es fehlt einfach vieles, was ihnen Tiefe verliehen hätte. Die Reaktionen wirken teilweise unrealistisch und weit hergeholt. Gerade die Auflösung gegen Ende wundert dann nicht nur Alice, sondern auch den Leser und das deutet auf wenig ausgearbeitete Charaktere hin. Auch bleiben sämtliche Nebenfiguren unglaublich blass, sie werden kaum je näher beschrieben, was es schwierig macht, sie im Geschehen anzuordnen.

Die Handlung selber ist dann auch nur so lange schlüssig, wie sie nicht auf persönlichen Entscheidungen basiert, hier offenbaren sich leider viele Lücken.

Aber! Als Schullektüre, vielleicht nicht im Deutschunterricht, sondern eher in Sozialkunde, ist dieses Buch durchaus sehr, sehr angebracht. Es arbeitet eine immer aktueller und brisanter werdende Tatsache auf, nämlich die, dass viele Jugendliche und Erwachsene sich viel zu arglos im Internet bewegen und dabei jenen, die ihnen etwas Böses wollen, Tür und Tor öffnen.

Das macht diese Geschichte sehr eindringlich deutlich, wenn es auch nicht zu einer literarischen Höchstleistung reicht. Es bleibt dennoch ein aufrüttelndes Buch, das auch jungen Menschen verständlich machen sollte, wie gefährlich zu offener Umgang mit persönlichen Daten sein und werden kann.

Unterm Strich ein gutes Schulbuch, aus dem sich sicher viel herausholen lässt, als reine  Geschichte aber doch etwas zu wenig. Durch den Gedanken, der dahinter steckt und die Aufgabe, die dieses Buch damit trägt, aber immer noch sehr lesenswert.

Bewertung: 4  von 5 Punkten

Mittwoch, 17. August 2011

Rezension: Der Spielmann

Dieses Buch habe ich von der Seite BloggDeinBuch erhalten, in diesem Fall in Zusammenarbeit mit dem Dryas Verlag. An dieser Stelle ganz, ganz herzlichen Dank dafür. Das Buch stand schon viele Monate auf meiner Wunschliste, ich bin aber nie dazu gekommen, es mir tatsächlich zuzulegen, daher trifft sich das hier ganz wunderbar. Obwohl mir das Buch sehr gut gefallen hat, werde ich aber den Nachfolger nicht lesen, denn das Ende dieses Romans bietet Raum für Vorstellungen und Hoffnung und ist sehr schlüssig und passend. Und daher ist für mich diese Geschichte perfekt zuende erzählt und bedarf keiner Fortsetzung.



Informationen zum Buch:
Titel: Der Spielmann
Autor: Ingrid Ganß
Seiten: 599 Seiten (broschiert)
Verlag: Dryas (November 2009)
ISBN 10: 3940855162
ISBN 13: 978-3940855169


Rezension:
Elisabeth, die verwöhnte Tochter des Fürsten von Messelstein soll heiraten. Doch anders als üblich, erlaubt ihr Vater ihr, bei der Wahl des Ehegatten mitzusprechen, was sich als Fehler erweist, denn Elisabeth ist niemand gut genug. Bis sie eines Tages über die Stränge schlägt und die Gäste ihres Vaters aufs Übelste beleidigt. Das kann der Fürst seiner Tochter nicht durchgehen lassen und so verspricht er ihre Hand dem ersten, der darum bittet. Und das ausgerechnet ist ein junger Spielmann. Ein Musikant ohne festen Wohnsitz, ohne festes Einkommen, ohne Stand. Was für Elisabeth als reiner Albtraum beginnt, wird immer mehr zu einer Reise zu sich selbst.

Ein Roman, der ein Märchen erzählt ist nicht grundsätzlich etwas Neues. Aber ein Roman, der das Märchen so realistisch in einer passenden Zeit spielen lässt und somit mit Details und Leben füllt, das ist schon besonders.
Auch wenn mir persönlich das historische Hintergrundwissen fehlt, wirken die Schauplätze und Handlungen sehr fundiert und wahrscheinlich. Überhaupt scheint die Autorin sich einige Zeit mit dem damaligen Leben beschäftigt zu haben, so eindringlich, wie sie es zu beschreiben vermag.

Die Sprache ist dem teilweise angepasst, teilweise doch sehr modern geraten, bis auf die Unterhaltungen der Adligen untereinander allerdings sehr gut verständlich und angenehm zu lesen.
Diese gewissen Unterhaltungen streuen in deutschen Sätzen immer wieder französische, eingedeutschte Wörter und Formulierungen ein. Das mag damals so Mode gewesen sein, aber es liest sich sehr aufgebläht und teilweise albern. Beispiele hierfür sind unter anderem:  „Ich habe mich längst daran habituiert, da seit der Renovierung meiner Gemächer bereits zwei Jahre vergangen sind.“ (Seite 29) „Er lässt Euch nach all der Zeit noch immer choissieren?“ (Seite 33).

Die Figuren sind gut ausgearbeitet, wobei Elisabeth in sich teilweise etwas widersprüchlich ist. Im Grunde wird sie erst mit zunehmender Anpassung an das einfache Leben liebenswert. Zum Ende hin jedoch macht ihre Entwicklung nochmal einen richtigen Sprung, eine ganz enorme Wandlung hin zum Positiven. Ihre innere Zerrissenheit zwischen Erziehung, Moral und dem, was sie wollen würde, ihre Unsicherheit bezüglich allem Körperlichen ist sehr gut dargestellt und vor dem Hintergrund damaliger Verhältnisse wohl auch sehr nachvollziehbar. Aus heutiger Sicht wirkt ihr Zieren manchmal sehr anstrengend, zumal sie in jeder anderen Ehe kaum eine Wahl gehabt hätte, aber das ist alles vertretbar. Jakob selber ist von Beginn an sehr sympathisch, seine Handlungen nachvollziehbar. Seine Beweggründe erklärt er im Grunde selber und ja, auch die kann man sehr gut verstehen.

Die Handlung selber ließe sich im Mittelteil mit sehr wenigen Seiten zusammenfassen, so dass man behaupten könnte, dort würden viele Seiten wenig beschreiben. Allerdings nutzt die Autorin diesen Text, um das damalige Leben in all seinen Facetten darzustellen, weswegen man die lange nicht-Handlung nicht wirklich kritisieren kann.

Wirklich gestört hat mich einzig die Aufteilung des Buches. Es gibt keine Kapitel, nur zu Beginn und am Ende einige optisch abgegrenzte Einschübe. Der allergrößte Teil des Buches ist ein Text, der lediglich durch Absätze unterbrochen wird. Da hätten Kapitel eine deutliche Auflockerung gebracht und das Buch etwas lesefreundlicher gestaltet.

Das von vielen kritisierte Ende ist aus meiner Sicht ein absoluter Pluspunkt dieses Buches. Ich empfinde dieses Ende als einzige passende Möglichkeit. Jeder andere Schluss, jede andere Entscheidung hätte irgendwie einen faden Nachgeschmack gehabt, wäre erzwungen gewesen. So, wie das Buch endet, passt es zu beiden Charakteren und bringt die eben nicht rosarote Realität mit der Hoffnung in Einklang.

Unterm Strich ein Buch, in das man sich zwar erst einfinden muss und in dem über einen langen Zeitraum nicht besonders viel passiert, das aber ein wunderbares Bild der Vergangenheit zeichnet,, interessante Figuren aufzeigt und einfach eine schöne Geschichte in lesbarer Sprache bietet.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Dienstag, 16. August 2011

Rezension: Die rote Schleife

Dieses Buch habe ich zur Rezension vom Verlag Edition Zweihorn bekommen. An dieser Stelle nochmals ganz, ganz herzlichen Dank! Ich finde das Thema unheimlich wichtig, denn HIV ist nicht verschwunden oder weniger gefährlich geworden, nur weil die üblichen Warnungen zu langweilen beginnen und heute kaum noch ernst genommen werden. Und daher hat mich dieses Buch sehr interessiert, da es von einer anderen Seite an das Thema heran geht.

Informationen zum Buch:
Titel: Die rote Schleife
Autor: Wartan Bekeredjian
Seiten: 94 Seiten (broschiert)
Verlag: Edition Zweihorn (Oktober 2010)
ISBN 10: 3935265557
ISBN 13: 978-3935265553

Rezension:
Max kann es nicht fassen: Er soll HIV-positiv sein? Das kann nicht sein, so etwas passiert nur anderen, doch nicht ihm?! Er ist jung, er fühlt sich gesund, er hat doch sein ganzes Leben noch vor sich. Und doch ist es so. Er hat sich infiziert und muss nun beginnen, mit dieser grausamen Wahrheit zu leben.

Das Anliegen dieses Buches ist es, junge Menschen für die Gefahr HIV zu sensibilisieren, weswegen es mehr als nebensächlich ist, ob die Figuren gut ausgearbeitet und sympathisch sind, ob der Schreibstil mitreißend ist oder was man sonst handwerklich noch anmerken könnte.
Gut lesen lässt es sich, auch junge Menschen dürften keine Verständnisprobleme haben und das ist das Wichtigste.

In diesem Fall ist der Inhalt das, was zählt. Und der schafft es, ganz sensibel und feinfühlig und dennoch eindringlich dieses wichtige Thema anzufassen. Dabei wirkt das Geschehen nie voyeuristisch oder plakativ, sondern realistisch und lebensnah.
Die Gefühle und Ängste, die Max fest im Griff haben, sowie die Reaktionen seiner Umgebung sind nur allzu verständlich und wahrscheinlich, hier gelingt ein Blick in das Innere eines Menschen, der nicht befremdlich ist, sondern viel mehr beklemmend.

Als Schullektüre ist das Buch meiner Meinung nach in jedem Fall zu empfehlen, weil es das so wichtige Thema HIV behutsam aufgreift, in eine Geschichte verpackt und doch das Allerwichtigste ganz deutlich macht: Es kann jeden treffen. HIV ist kein Schreckgespenst der 90er, sondern nach wie vor gefährlich.

Gerade deswegen muss für dieses Thema sensibilisiert werden, wobei die üblichen Erklärungen und Warnungen von den meisten Jugendlichen inzwischen vielleicht einfach abgetan werden. Eben so, wie Max denkt: „Ich bin jung, mich trifft das doch nicht“ 

Und daher ist dieses Buch uneingeschränkt empfehlenswert nicht nur, aber gerade auch für den Deutschunterricht.

Bewertung: 5 von 5 Punkten

Montag, 15. August 2011

Rezension: Sirenenfluch

Das Buch habe ich im Rahmen einer Leserunde auf der Leser-Welt gewonnen. Nochmals herzlichen Dank an die Glücksfee! Ich muss sagen, ich habe mir davon mehr versprochen und am Ende war ich wirklich ziemlich enttäuscht.

Informationen zum Buch:
Titel: Sirenenfluch
Autor: Lisa Papademetriou
Seiten: 317 Seiten (broschiert)
Verlag: Loewe (August 2011)
ISBN 10: 3785570481
ISBN 13: 978-3785570487

Rezension:
Will lebt in Shelter Bay, einem kleinen Küstenstädtchen, das jeden Sommer von Touristen bevölkert wird, so auch von seiner besten Freundin Zoe. Das Leben könnte schön sein, wäre nicht im letzten Jahr ein schrecklicher Unfall geschehen, bei dem Wills Bruder Tim ums Leben gekommen ist. Will selber war dabei, erinnert sich aber an nichts und so schwebt der Tod seines Bruders permanent wie eine dunkle Wolke über ihm. Davon kann auch die geheimnisvolle Asia nicht ablenken, der Will unter seltsamen Umständen begegnet und die er nicht vergessen kann. 

Die Autorin legt hier einen Jugendroman vor, der zu Beginn sprachlich noch recht holprig daher kommt, sich aber relativ bald fängt und dann mit relativ guter Lesbarkeit und einem angenehmen und passenden Erzählstil punkten kann. Jedes Kapitel wird durch ein Gedicht oder einen Zeitungsausschnitt eingeleitet, was dem Leser viel über das Drumherum der Geschichte, die Hintergründe des Lebens in Shelter Bay oder einfach die Stimmung des jeweiligen Kapitels verrät und somit viel Positives beiträgt.

Der Sprachstil des Buches ist der jugendlichen Zielgruppe angemessen und auch die Unterhaltungen der Protagonisten untereinander sind sprachlich gut ausgearbeitet. Dass Asia anders redet, fällt auf, allerdings in einem Maße, dass es angenehm und realistisch bleibt.

Die Personen sind recht sympathisch, auch wenn man mit Zoe erst nach vielen  Seiten warm wird. Will hingegen wirkt sofort irgendwie nett und interessant. Die anderen Figuren sind relativ stereotyp, der geschäftstüchtige Vater, die überbesorgte Mutter, der seltsame Junge, der gemeine Exfreund, die taffe Kellnerin. Hat man alles schon mehrfach gelesen und entsprechend oberflächig ausgearbeitet sind die Figuren dann auch. Sie spielen die ihnen zugedachte Rolle, die jeder einordnen kann und viel mehr Aufmerksamkeit wird ihnen nicht gewidmet.

 Auch bei der Handlung an sich gibt es leider leichte Schwierigkeiten.  Meistens plätschert das Geschehen mehr vor sich hin, um dann immer wieder sehr kurz interessante, spannende Abschnitte zu bieten, nur um danach wieder eher vom Leben der Protagonisten im Allgemeinen zu berichten. Sicher ist das wichtig auch für die Entwicklung der Figuren, aber dennoch geht das eigentlich Thema im größten Teil des Buches irgendwie unter, nur um dann am Ende mit aller Gewalt nochmal an die Oberfläche gezerrt zu werden.
Und so bleiben dann auch viele interessante, angerissene Handlungsstränge und Figuren wenig beachtet, man fragt sich unweigerlich, warum so viel Text auf Personen und Dinge verwendet wurde, die dann doch in der Versenkung verschwinden.

Das ist einfach schade und als Leser bleibt man mit vielen großen Fragezeichen über dem Kopf zurück. Ich hoffe, dass wenigstens der Hintergrund der Geschichte, das eigentliche „Warum“ der Handlung in einem Folgeband näher erklärt wird, denn sonst wäre Sirenenfluch leider wieder nur ein Fall von toller Idee, aber mieser Umsetzung.

Zusammengefasst kann das Buch durchaus unterhalten mit einem nach kurzer Eingewöhnung unterhaltsamen Stil, letztendlich gibt es aber zu viele vergessene Baustellen und offene Fragen, um wirklich ein befriedigendes Leseerlebnis abgeben zu können.

Bewertung 2 von 5 Punkten

So ein schöner Award!

Heute habe ich einen neuen Award bekommen und zwar von Sabrina und von 1000Worte (nein, du kennst nicht zu wenige Blogs ;) )
Ganz, ganz herzlichen Dank, Mädels!!

Und hier ist er (ist er nicht toll?) Ok, das Bild ist ein Platzhalter, den sich Booktherapie hat einfallen lassen, weil der Award selber vorher noch bilderlos war. Aber hübsch ist er so oder so.


Dieses Mal gibt es wieder ganz offzielle Anforderungen:

1. Bedanke dich (in deinem Post + Verlink des Blogs) (hab ich)
2. Schreibe 7 Dinge über dich selbst! (siehe unten)
3. Verleihe den Award (höchstens) an 15 andere Blogs (siehe unten)
4. Informiere sie über deine Verleihung! (mach ich sofort)

7 Dinge über mich, die ihr vielleicht noch nicht wusstet.

1. Es gibt Leute, die behaupten, an meiner Art, morgens die Tür zum Büro zuzumachen, könnte man meine Stimmung abhören. Ich glaubs ja nicht *g*
2. Ich lese manchmal gefühlte Ewigkeiten bei Wiki quer, nur weil ich vom Hundertsten ins Tausendste komme
3. Ich kann mir merken, wann der 30jährige Krieg war, obwohl ich keine Ahnung habe, ob wir den jemals in Geschichte behandelt haben (und ich weiß auch nicht, woher ich die Daten kenne, aber sie stimmen)
4. Ich war echt desinteressiert in der Schule und würds heute anders machen
5. Wenn ich aufgeregt bin, purzeln die Worte aus mir heraus, als würden sie auch zittern
6. Ich kann mich über Ungerechtigkeit wahnsinnig aufregen
7. Ich kann selbst in Trickfilmen kein Tier leiden sehen

Und dann gebe ich den Award weiter an:

Damaris (weil sie mich zu dieser Serie "zwingt" ;))
Bibliofila (weil ich immer gern bei ihr lese und sie so... begeistert schreibt)
Marie (weil ihre Schreibweise und ihre Sichtweise mir immer sehr, keine Ahnung, familiär vorkommen. Sehr angenehm)

Samstag, 13. August 2011

Rezension: Vampire Academy 3: Schattenträume

Manchmal ist es so, dass kleine Dinge einem auffallen und wenn sie einem erstmal ins Auge gesprungen sind, bleiben sie auch da. Und so stört man sich mit jeder Seite mehr daran. So leider auch hier.

Informationen zum Buch:
Titel: Vampire Academy 3: Schattenträume
Autor: Richelle Mead
Seiten: 384 Seiten (broschiert)
Verlag: Egmont Lyx (September 2009)
ISBN 10: 3802582039
ISBN 13: 978-3802582035

Rezension:
Für die Wächternovizen steht das finale Praktikum an, während dessen sie ihre Fähigkeiten im Kampf und ihre Reaktionsschnelligkeit unter Beweis stellen müssen.  Eigentlich eine einfache Übung, haben Rose und ihre Freunde doch sogar schon echten Strigoi gegenüber gestanden. Nur, dass Rose aus dieser Begegnung noch etwas mitgenommen hat, was sie nicht nur beschäftigt, sondern geistig und körperlich beeinflusst. Und so ist wieder nichts so einfach und gradlinig, wie es sein könnte in St. Vladimir und auf Rose und Lissa wartet eine viel größere Bedrohung, als sie es sich in ihren dunkelsten Träumen ausmalen könnten.

Der dritte Band der Reihe fügt sich sprachlich nahtlos an die anderen an. Der Stil ist weiterhin flüssig und gut lesbar, der Wortwitz heitert so einige Situationen deutlich auf und es macht einfach Spaß, sich durch die Seiten zu graben.

Die Figuren haben sich abermals weiter entwickelt, man glaubt fast schon, sie zu kennen und die zwischenmensch(haha)lichen Beziehungen haben eine ganz neue Tiefe erreicht. Konfliktpotential wird hier nicht, wie in so vielen anderen Büchern, einfach verschenkt, nein die Protagonisten geraten immer wieder in unangenehme Situationen, die teilweise so direkt und eindringlich beschrieben sind, dass sie sogar dem Leser unangenehm werden können.

Und auch wenn die Figuren irgendwie erwachsener geworden sind, gleichzeitig aber Rose und Lissa mit ihren ureigensten Problemen zu kämpfen haben und man stellenweise gerade um Rose Angst haben kann, so ist die Handlung doch weniger klar in einer Linie aufgebaut wie in den letzten Büchern. Es geht nicht mehr um Umfeld-Problem-Lösung, nicht mehr um eine Handlung, deren Grundzüge schon relativ bald erkennbar sind.
Viel mehr nutzt die Autorin hier die Vorteile einer längeren Reihe und geht alles mit einem anderen Tempo an. Vielen scheinbar nebensächlichen Handlungssträngen wird Aufmerksamkeit gewidmet, ohne sie in diesem Buch zusammen zu führen, so dass man auf die nächsten Bücher gespannt sein darf. Gleichzeitig gibt es in der Story Wendungen und durchaus Unerwartetes, so dass man es hier irgendwie mit einem reiferen Buch zu tun hat.

Nichts desto trotz gibt es dieses Mal große Abzüge. Es handelt sich um den dritten Teil einer Reihe.  Jeder, der beginnt, dieses Buch zu lesen, wird das schnell merken. Und normalerweise sollte man Reihen, die so stark aufeinander aufbauen, von vorne beginnen, so dass ich stark hoffe, dass das auch jeder tun wird. Wer darauf verzichtet, dem entgeht ohnehin etwas.
Also gehen wir davon aus, dass die meisten Leser die ersten Bände kennen, oder aber beim Anlesen von Teil 3 feststellen, dass davor noch mehr war und die Vorgänger einschieben, bevor sie weiterlesen.

Warum also muss auf so vielen Seiten jedes Fitzelchen Handlung der letzten Bände nochmal durchgekaut werden? Eine kurze Einleitung, Auffrischung der Erinnerung ist das Eine. Aber eine ermüdende Wiederholung wirklich jeden Ereignisses ist unnötig. Und es ist nichtmal so, dass (auf Grund oben getroffener Annahme unnötige) Erklärungen platziert werden und die Handlung dann beginnt. Nein, immer wieder werden Dinge erklärt. Selbst kurz vor Schluss darf man nochmal etwas Bekanntes über die Beziehung zwischen Rose und ihrer Mutter nachlesen. Und falls jemand vergessen hat, wie Strigoi entstehen – keine Sorge, auch das wird schon wieder erklärt.

Ich persönlich denke, dass den meisten Menschen etwas mehr Gedächtnisleistung zuzutrauen ist, weswegen mich dieses Vorgehen wirklich sehr genervt hat. 

Ich hoffe sehr, dass dieses Problem in den weiteren Bänden nicht noch schlimmer wird.
Unterm Strich ein sprachlich ansprechendes Buch mit sehr interessanten Charakteren und einer tollen Story, aber leider mit zu vielen zu detailgenauen Wiederholungen aus den letzten Bänden.

Bewertung: 3 von 5 Punkten