Dienstag, 8. November 2011

Rezension: Dornenkuss

Endlich, endlich ist der heißersehnte letzte Teil der Reihe erschienen und wie ich euch berichtet habe, habe ich ihn als Vorabexemplar auf der Buchmesse ergattern können.
Und nachdem ich mich aus der Sprachlosigkeit befreien konnte und das Buch mittlerweile erschienen ist, kommt hier die Rezension.
Ich weise darauf hin, dass ich in der Rezension auch das Ende des Buches anspreche. Nicht das, was  passiert, aber die Wirkung, die das Finale hat. Wer das nicht wissen möchte, sollte vielleicht nicht weiterlesen ;)

Informationen zum Buch:
Titel: Dornenkuss
Autor: Bettina Belitz
Seiten: 812 Seiten (Hardcover)
Verlag: script5 (November 2011)
ISBN 10: 3839001234
ISBN 13: 978-3839001233

Rezension:
Ellies Welt ist ins Schwanken geraten. Gerade konnte sie ihren Bruder Paul von einem Befall durch einen Mahr bewahren, doch sie musste einen hohen Preis zahlen. Bevor sie ihr Leben jedoch ordnen und selber zur Ruhe kommen kann, muss sie noch eine wichtige, vielleicht die wichtigste, Aufgabe erledigen: Sie muss Tessa finden und ausschalten. Tessa, in der sie Grund und Ursprung allen Unglücks und aller Verzweiflung sieht, die sie so fest im Griff haben. Tessa, die jedoch unglaublich stark und schier unbesiegbar ist. Und so begibt Ellie sich erneut in Gefahr, um ihre Lieben und ihre Liebe zu retten.

Nachdem Splitterherz so voller Zauber und Scherbenmond eine so arge Enttäuschung war, spielt Dornenkuss auf einer ganz anderen Ebene.
Man merkt der Sprache an, dass seit dem ersten Band einige Zeit vergangen ist, und die Autorin in diesem Fall nicht „einfach nur“ eine Geschichte erzählt hat, sondern dass mehr dahinter steckt, vielleicht auch mehr Druck und Arbeit. 

Flüssig und eingängig ist der Stil der Autorin nach wie vor, so dass man das Buch gut lesen kann und sich 800 Seiten nach viel weniger anfühlen. Aber die Sprache ist erwachsener, dunkler, abgeklärter geworden, man fühlt sich nicht länger in einem Sommermärchen, sondern in einem dunklen Alptraum gefangen.
Manchmal kommt man den Figuren so nah, dass man ihre Emotionen förmlich aufnimmt, um sich herum spürt, was zu einem recht interessanten Leseerlebnis führt.

Weniger hilfreich ist dies, wenn man sich die Personen näher anschaut. Sicher ist vieles der Entwicklung geschuldet, die jeweils durchgemacht wird, aber Ellie konnte unglaublicherweise sogar NOCH unsympathischer, egozentrischer, zickiger und nerviger werden. Wo ist das nette Mädchen hin? Wo die junge Frau, der man mit einem Lächeln im Gesichte in ihre Abenteuer gefolgt ist und der man so vieles verzeihen wollte? Geblieben ist eine enttäuschte, verängstige, desillusionierte Frau, die neben diesen durchaus verständlichen Antriebgründen eben auch labil, albern und stellenweise unglaublich unreif wirkt. Und das verfolge ich als Leser dann nicht mehr so gerne.

Die anderen Figuren zeigen sich in Anbetracht einer angespannten Situation von ihren besten und ihren schlechtesten Seiten, wirken aber, bis auf Tillmann, seltsam farblos, obwohl sie doch im zweiten Band erst die Bühne betreten haben und sich eigentlich viel deutlicher hätten präsentieren können. Tillmann jedoch, der heimliche Star der Reihe, mausert sich zu einem äußerst interessanten jungen Mann, der, obwohl er hier mehr im Hintergrund agiert, doch eine bedeutende Stütze der Handlung ist.

Colin, tja, Colin. Im ersten Band der geheimnisvolle Fremde, im zweiten Band der gefährliche Fremde, in diesem Band der abwesende, hilflose Fremde. Auch er konnte sich leider nicht zum Positiven entwickeln, was sehr schade ist, war er doch einer der Hauptgründe, aus denen der erste Band so zauberhaft war.
Insgesamt also Protagonisten, die nicht wirklich überzeugen konnten und auch die neu eingeführten Personen wirken eher blass. Die Existenzberechtigung von Dr. Sandmann als so umständlich eingeführte Person möchte ich sogar in Frage stellen, denn mir ergründet sich auch, oder sogar erst recht jetzt noch nicht, warum man so viel Wirbel um eine letztendlich so unwichtige Figur machen musste.

Die Handlung ist dann wieder der große Pluspunkt des Buches. Der Beginn wirkt lange nicht so gezwungen wie bei Scherbenmond und im ganzen Buch finden sich immer wieder sehr gute, sehr intensive Szenen. Schade ist es, dass die Autorin sich im – zugegebenermaßen etwas  zu langen – Mittelteil manchmal verrannt zu haben scheint, denn stellenweise gleitet sie in unwichtiges, nicht besonders spannendes Geschwafel ab, so dass sich Kapitel ergeben, die man durchaus stark hätte kürzen oder sogar ganz streichen können.

Jedoch strebt man in diesem Buch einem definitiven Ende entgegen, das durchdacht aufgebaut und tatsächlich sehr gut umgesetzt wurde. Einiges eröffnet sich dem Leser erst ganz am Schluss und solche Finale stechen meistens sehr positiv aus der Masse heraus.

Und ja, ich mag Enden, die eben nicht „happy“ sind. Diese sind meistens doch dramatischer, lebensnäher, beeindruckender.
In diesem Fall ließ das Buch mich erstmal sprachlos zurück und das geschieht nun wirklich nicht oft. Es war beeindruckend, ergreifend, mitreißend, dramatisch, greifbar, faszinierend.
Auch wenn der Spannungsbogen zu wünschen übrig lässt, schöpft die Autorin am Schluss nochmal aus den Vollen und das macht den langatmigen Mittelteil mehr als wett.

Und von dieser Seite her verdankt das Buch dem grandiosen Schlussspurt eine deutliche Aufwertung in der Gesamtbewertung. Insgesamt ein wunderschön gestaltetes, sehr gut lesbares Buch, das durch seine Dunkelheit und seine teilweise enorm anstrengenden Charaktere definitiv nicht an Splitterherz heran reichen kann. Aber auch ein Buch, das durch eine intelligente, gut ausgearbeitete Auflösung, durch gute Lesbarkeit und stellenweise außerordentliche Intensität einen sehr versöhnlichen Abschluss der Trilogie bildet.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Kommentare:

  1. Huhu,

    also deine Rezi macht mich jetzt auch echt sprachlos. Lang, ausführlich und einfach nur genial! Und du verräts überhaupt nicht zuviel. Also ich fühlte mich keine Sekunde gespoilert. Ich will jetzt erst noch "Scherbenmond" weiterlesen, weil "Dornenkuss" bereits auf dem SuB liegt. Allerdings muss ich mich dazu erst noch aufraffen (du erinnerst dich an meine Hot oder Schrott-Umfrage?). Ich bin schon echt gespannt, ob das Ende mich genauso schocken und beeindrucken wird. Meine Schwester liest es gerade und hat ständig ein ? im Kopf (sie ist im letzten Drittel). Hach, echt toll geschrieben!

    LG Reni

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  2. Oh, danke für das Lob, da bekomme ich gleich ganz rote Ohren.

    Und natürlich erinnere ich mich an die Umfrage :D
    Lg

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