Montag, 24. Oktober 2011

Rezension: Lucian

Das ist auch eines der Bücher, auf die ich lange gewartet habe, bevor ich sie endlich in den Händen hielt.

Informationen zum Buch:
Titel: Lucian
Autor: Isabel Abedi
Seiten: 553 Seiten (Hardcover)
Verlag: Arena (September 2009)
ISBN 10: 3401062034
ISBN 13: 978-3401062037

Rezension:
Rebecca lebt ein ganz normales Teenagerleben mitten in Hamburg, erfüllt mit Schule, Freunden, Parties und einer liebenden, wenn auch etwas ungewöhnlichen Familie. Bis sie plötzlich beginnt, sich seltsam zu fühlen und erst zur Ruhe kommt, wenn dieser seltsame Junge in ihrer Nähe ist. Dieser Junge, der eine unglaubliche Faszination auf sie ausübt und ihr immer und immer wieder über den Weg zu laufen scheint.

Ehrlich gesagt habe ich große Schwierigkeiten, dieses Buch objektiv und fair zu beurteilen, denn meine Emotionen beim Lesen waren total konfus und ich fühlte mich permanent hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und Kopfschütteln. Aber von vorne.

Die Sprache der Protagonisten ist durchaus authentisch und Alter und Situationen angemessen und der Anteil an wörtlicher Rede ist angenehm gewählt, so dass sich ein stimmiges Bild ergibt. Die Erzählsprache ist schnörkellos, aber nicht platt, man kann der Geschichte gut folgen, ohne sich in endlosen Landschaftsbeschreibungen zu verlieren. An einigen Stellen wird im Gegenteil sogar fast schon hektisch berichtet, hier findet die Autorin einen guten Weg, Stimmung in Sprache zu verwandeln. Gestört hat mich lediglich die permanente Erwähnung von Liedtiteln, Textzeilen oder Interpreten. Das war zu viel, um in den Fluss des Buches zu passen, zu wenig, um wirklich als Stilmittel des Buches oder Erkennungsmerkmal durchgehen zu können. Dennoch kann man das Buch sehr gut und flüssig lesen, was ein großer Vorteil ist.

Die Handlung spielt größtenteils in der Erinnerung Rebeccas ab. Diese Erzählperspektive birgt immer das Risiko, dass andere Figuren farblos bleiben, weil man in deren Köpfe nicht so einfach eindringen kann und genau das ist hier geschehen. Rebeccas Gedanken dominieren das Buch und den Rest der Personen lernt man nur durch ihre Augen kennen, was dann ein emotional sehr eingefärbter Blick ist. Natürlich ist es normal, dass man Menschen, je nachdem, wie man zu ihnen steht, in einem anderen Licht sieht. Rebecca allerdings kreiselt so sehr um sich selber, dass sie wirklich nur von oberflächlichen Emotionen geleitet zu sein scheint, wenn sie ihre Mitmenschen betrachtet. Der Versuch, die Hintergründe der Handlungen zu erkennen, zu verstehen, warum jemand sich so oder so verhalten hat, fehlt völlig und dabei ist dies bei einem Menschen in Rebeccas Alter durchaus zu erwarten. Normalerweise geht man nicht durchs Leben und hasst jeden leidenschaftlich, der grad mal anders gehandelt hat, als man es selber gewollt hätte, normalerweise denkt man auch kurz darüber nach, warum derjenige diese Entscheidungen getroffen hat.

Nicht so Rebecca. Wer nicht nach ihrer Pfeife tanzt, ist blöd. Ende der Diskussion. Und das ist mit der Zeit wirklich anstrengend. Den anderen Figuren wird hier die Möglichkeit genommen, sich zu entfalten und zu entwickeln und wirkliche Stützen der Handlung zu werden. Sie sind einfach Beiwerk zu einer Geschichte, die um eine einzige Person herum gestrickt ist. Und das ist, anders als der Titel vermuten lässt, nicht Lucian. Dieser verhält sich im Übrigen so schizophren, dass man als Leser manchmal genervt den Kopf schütteln muss. Auch die Erklärung, die am Ende des Buches geliefert wird, ist für einige seiner Eskapaden unbefriedigend, so dass ein seltsamer Geschmack zurück bleibt.

Die Nebenfiguren, die im hinteren Teil des Buches ihren Auftritt haben, sind schließlich so plakativ und klischeehaft gezeichnet, dass sich mir stellenweise die Zehennägel hochrollen wollten. Ich erwarte wirklich keine großen Zaubertricks, aber Figuren, zu denen man nicht schon nach dem ersten Satz alle weiteren Eigenschaften und Charakterzüge herunterbeten kann, wären schon nett.

Die Handlung selbst… nunja. Erstmal finde ich die Idee grundsätzlich sehr gut. Endlich wieder ein Buch, das sich abseits ausgetretener Pfade bewegt. Und tatsächlich ist die Auflösung sogar recht überraschend, trotz dessen, was man im Buch bis dahin herausgefunden hat. Aber das WIE führt dann wieder zum Punktabzug.
Liebe Autoren. Es ist sehr löblich, wenn für den Leser wenig offene Fragen zurück bleiben, wenn man das Gefühl haben darf, das Buch verstanden zu haben.

Aber BITTE. Es macht einfach mehr Spaß, wenn die Lösung häppchenweise serviert wird, man etwas mitdenken darf und man sie nicht so vorgekaut bekommt. Mal ganz davon abgesehen, dass ich auch das Ende nach dem ganzen Hin und Her auch eher unglaubwürdig fand und im hinten Teil ohnehin vieles wie an den Haaren herbeigezogen wirkte,  war diese Aufklärungsszene echt unbefriedigend.
Gut wiederum war der Beginn des zweiten Teiles, der wirklich kurzweilig und eindringlich war. Danach allerdings ging es dann auch mit der Handlung bergab.

Insgesamt ein Buch, das durchaus Lesefreude gemacht hat, einfach auf Grund des eingängigen Schreibstiles, das aber in Figuren und Auflösung der Handlung so viele Schwachstellen hat, dass unterm Strich zu viel Frust und zu wenig Zufriedenheit zurück bleibt.

Bewertung: 2 von 5 Punkten

Kommentare:

  1. Oh Gott! Mein Lieblingsbuch!!! Das ist wirklich witzig wie unterschiedlich man ein Buch doch empfinden kann. Die Thematik hat mich damals schwer mitgenommen u. restlos begeistert. Kann aber nachvollziehen, was dich an Rebecca u. auch Lucian genervt hat. Wahrscheinlich fand ich beide toll, weil mir die Geschichte einfach so gut gefallen hat. Sie ist auch nicht ganz einfach, musste den Schluss u. die ganze Handlung auch erstmal sacken u. Revue passieren lassen.
    Sehr gut geschrieben, Claudia!
    LG,
    Damaris

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  2. Danke :)
    Solange man nachvollziehen kann, warum es mir nicht gut gefallen ist, ist ja alles im grünen Bereich

    Lg

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  3. Hi Claudia!

    "Lucian" liegt auch noch auf meinem SuB und es wird mein übernächstes Buch sein. Deshalb habe ich deine Rezi noch nicht gelesen, nur das Fazit. Damit hatte ich gar nicht gerechnet, nachdem ich soooo viel positives über das Buch gehört habe. Nun muss ich mir selbst ein Urteil bilden und bin noch gespannter. Danach werde ich mir deine Rezi genauer durchlesen.

    Liebe Grüße
    Anka

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  4. Anka, sehr vielen Leuten hat das Buch sehr gut gefallen, auch welchen, mit denen ich eigentlich den Lesegeschmack teile ;) Also keine Panik, vielleicht gefällt es dir total gut

    Lg

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  5. Toller Blog, bin gleich mal Leser geworden :) Vllt guckst du auch bei mir vorbei, bin neu und regelmäßige Leser sind immer willkommen ^^ www.un-bon-livre.blogspot.com

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