Samstag, 27. August 2011

Rezension: XY

Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt. Ganz, ganz herzlichen Dank dafür, es war auf jeden Fall eine äußerst interessante Lektüre, wenn ich mir auch etwas anderes erwartet hatte.

Informationen zum Buch:
Titel: XY
Autor: Sandro Veronesi
Seiten: 393 Seiten (Hardcover)
Verlag: Klett-Cotta (August 2011)
ISBN 10: 3608939601
ISBN 13: 978-3608939606


Rezension:
Ein abgelegenes Bergdorf wird mitten im Winter vom Grauen heimgesucht: Es werden elf Leichen gefunden, die alle auf unterschiedliche Arten, aber alle äußerst grausam  zu Tode gekommen sind. Keiner der Todesfälle passt zu den anderen und überhaupt gibt es permanent mehr Fragen als Antworten. Und so treffen der Pfarrer des Dorfes und eine junge Psychiaterin aufeinander, die versuchen, den Dorfbewohnern zu helfen und gleichzeitig auf der Suche nach der Wahrheit hinter dem Blutbad und der Wahrheit in sich selber sind.

Der Autor legt hier ein unglaublich komplexes und wortgewaltiges Werk vor. Es ist faszinierend, wie deutlich er die beiden erzählenden Figuren in Sprache und Stil voneinander abgrenzen kann und allein hierdurch schon charakterisiert. Während der Dorfpfarrer als gemäßigter, sich erinnernder Erzähler auftritt, sind die Passagen von Giovanna von hektischen Gedankensprüngen und einem deutlich größeren Teil wörtlicher Rede geprägt und darüber hinaus im Präsens gehalten. Giovanna wirkt sehr viel sprunghafter, teilweise erstrecken sich ihre Gedanken über mehrere Seiten, ohne dass man einen einzigen Punkt finden würde, gerade so, als würden die Worte nur so durch ihren Geist sprudeln.

Überhaupt sind Sprache und Stil in den jeweiligen Abschnitten so unterschiedlich, als hätten verschiedene Personen die Texte verfasst. Über das Buch hinweg bleiben sich die beiden Erzähler aber treu, so dass ich hier vor den handwerklichen Können und der Konsequenz des Autors meinen Hut ziehe.

Und so sind die Gespräche der beiden, die das Buch prägen, dann auch tiefgreifend und sehr philosophisch, werden sie doch von so unterschiedlichen Persönlichkeiten mit so unterschiedlichen Leben und Lebenseinstellungen geführt.  Diese Unterhaltungen führen den Leser tatsächlich auf Ebenen, auf denen Glaube und Wissenschaft, Leben und Überzeugung diskutiert und gleichzeitig Fragen und Antworten geliefert werden.

So interessant und erhellend diese Gespräche auch sind, die eigentliche Handlung bleibt hinter ihnen zurück. Die Morde, mit deren Rätsel so fleißig das Buch beworben wird, bieten gerade die Rahmenhandlung, den Auslöser, die Bühne, auf der sich Don Ermete und Giovanna präsentieren können, aber mehr auch nicht.
Wer also dem Klappentext entsprechend auch eine intensivere Suche nach den Hintergründen und Erklärungen erwartet, oder gar ein skurriles Ermittlerduo erhofft, wird enttäuscht werden. Die Gewalttat und ihre Aufklärung sind nur Nebendarsteller und hier liegt die große Schwierigkeit.

Das Buch ist handwerklich toll, ohne Frage. Und die aufgeworfenen Fragen und Diskussionen sind spannend und bieten viel Fläche, selber weiter zu denken.
Aber nach Klappentext und Kurzbeschreibung erwartet man mehr Spannung, mehr Aufklärung, einfach mehr Handlung. Die aber leider nicht vorhanden ist.
Ebenso bleiben am Ende dann noch einige Fäden nicht zusammengeführt, viele Fragen offen und einige Dinge ungeklärt, so dass die Lektüre unterm Strich irgendwie unbefriedigend bleibt.

Sollte das Buch neu aufgelegt werden, würde sich eine andere Werbung empfehlen, um keine falschen Erwartungen zu wecken, denn verstecken muss XY sich auf keinen Fall. Es ist nur eben kein Spannungsroman.
(Und wenn es dann so weit ist, korrigiere ich meine Bewertung mit Freuden um eins nach oben)

Bewertung: 3 von 5 Punkten mit Tendenz nach oben

1 Kommentar:

  1. http://feuerfluegel.blogspot.com/2011/08/der-fantastic-award-wunderschon.html

    Wie immer! Weils so schön ist.

    AntwortenLöschen