Mittwoch, 17. August 2011

Rezension: Der Spielmann

Dieses Buch habe ich von der Seite BloggDeinBuch erhalten, in diesem Fall in Zusammenarbeit mit dem Dryas Verlag. An dieser Stelle ganz, ganz herzlichen Dank dafür. Das Buch stand schon viele Monate auf meiner Wunschliste, ich bin aber nie dazu gekommen, es mir tatsächlich zuzulegen, daher trifft sich das hier ganz wunderbar. Obwohl mir das Buch sehr gut gefallen hat, werde ich aber den Nachfolger nicht lesen, denn das Ende dieses Romans bietet Raum für Vorstellungen und Hoffnung und ist sehr schlüssig und passend. Und daher ist für mich diese Geschichte perfekt zuende erzählt und bedarf keiner Fortsetzung.



Informationen zum Buch:
Titel: Der Spielmann
Autor: Ingrid Ganß
Seiten: 599 Seiten (broschiert)
Verlag: Dryas (November 2009)
ISBN 10: 3940855162
ISBN 13: 978-3940855169


Rezension:
Elisabeth, die verwöhnte Tochter des Fürsten von Messelstein soll heiraten. Doch anders als üblich, erlaubt ihr Vater ihr, bei der Wahl des Ehegatten mitzusprechen, was sich als Fehler erweist, denn Elisabeth ist niemand gut genug. Bis sie eines Tages über die Stränge schlägt und die Gäste ihres Vaters aufs Übelste beleidigt. Das kann der Fürst seiner Tochter nicht durchgehen lassen und so verspricht er ihre Hand dem ersten, der darum bittet. Und das ausgerechnet ist ein junger Spielmann. Ein Musikant ohne festen Wohnsitz, ohne festes Einkommen, ohne Stand. Was für Elisabeth als reiner Albtraum beginnt, wird immer mehr zu einer Reise zu sich selbst.

Ein Roman, der ein Märchen erzählt ist nicht grundsätzlich etwas Neues. Aber ein Roman, der das Märchen so realistisch in einer passenden Zeit spielen lässt und somit mit Details und Leben füllt, das ist schon besonders.
Auch wenn mir persönlich das historische Hintergrundwissen fehlt, wirken die Schauplätze und Handlungen sehr fundiert und wahrscheinlich. Überhaupt scheint die Autorin sich einige Zeit mit dem damaligen Leben beschäftigt zu haben, so eindringlich, wie sie es zu beschreiben vermag.

Die Sprache ist dem teilweise angepasst, teilweise doch sehr modern geraten, bis auf die Unterhaltungen der Adligen untereinander allerdings sehr gut verständlich und angenehm zu lesen.
Diese gewissen Unterhaltungen streuen in deutschen Sätzen immer wieder französische, eingedeutschte Wörter und Formulierungen ein. Das mag damals so Mode gewesen sein, aber es liest sich sehr aufgebläht und teilweise albern. Beispiele hierfür sind unter anderem:  „Ich habe mich längst daran habituiert, da seit der Renovierung meiner Gemächer bereits zwei Jahre vergangen sind.“ (Seite 29) „Er lässt Euch nach all der Zeit noch immer choissieren?“ (Seite 33).

Die Figuren sind gut ausgearbeitet, wobei Elisabeth in sich teilweise etwas widersprüchlich ist. Im Grunde wird sie erst mit zunehmender Anpassung an das einfache Leben liebenswert. Zum Ende hin jedoch macht ihre Entwicklung nochmal einen richtigen Sprung, eine ganz enorme Wandlung hin zum Positiven. Ihre innere Zerrissenheit zwischen Erziehung, Moral und dem, was sie wollen würde, ihre Unsicherheit bezüglich allem Körperlichen ist sehr gut dargestellt und vor dem Hintergrund damaliger Verhältnisse wohl auch sehr nachvollziehbar. Aus heutiger Sicht wirkt ihr Zieren manchmal sehr anstrengend, zumal sie in jeder anderen Ehe kaum eine Wahl gehabt hätte, aber das ist alles vertretbar. Jakob selber ist von Beginn an sehr sympathisch, seine Handlungen nachvollziehbar. Seine Beweggründe erklärt er im Grunde selber und ja, auch die kann man sehr gut verstehen.

Die Handlung selber ließe sich im Mittelteil mit sehr wenigen Seiten zusammenfassen, so dass man behaupten könnte, dort würden viele Seiten wenig beschreiben. Allerdings nutzt die Autorin diesen Text, um das damalige Leben in all seinen Facetten darzustellen, weswegen man die lange nicht-Handlung nicht wirklich kritisieren kann.

Wirklich gestört hat mich einzig die Aufteilung des Buches. Es gibt keine Kapitel, nur zu Beginn und am Ende einige optisch abgegrenzte Einschübe. Der allergrößte Teil des Buches ist ein Text, der lediglich durch Absätze unterbrochen wird. Da hätten Kapitel eine deutliche Auflockerung gebracht und das Buch etwas lesefreundlicher gestaltet.

Das von vielen kritisierte Ende ist aus meiner Sicht ein absoluter Pluspunkt dieses Buches. Ich empfinde dieses Ende als einzige passende Möglichkeit. Jeder andere Schluss, jede andere Entscheidung hätte irgendwie einen faden Nachgeschmack gehabt, wäre erzwungen gewesen. So, wie das Buch endet, passt es zu beiden Charakteren und bringt die eben nicht rosarote Realität mit der Hoffnung in Einklang.

Unterm Strich ein Buch, in das man sich zwar erst einfinden muss und in dem über einen langen Zeitraum nicht besonders viel passiert, das aber ein wunderbares Bild der Vergangenheit zeichnet,, interessante Figuren aufzeigt und einfach eine schöne Geschichte in lesbarer Sprache bietet.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Kommentare:

  1. Der erste Absatz deiner Rezi lässt mich sehr an das Märchen "König Drosselbart" denken...findest du nicht auch? Aber wieder einmal eine in sich schlüssige unt tolle Rezension ;-) LOB

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  2. Hey das Buch habe ich auch bekommen :) muss auch mal damit fertig werden ;)

    Lg Rena

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  3. Sabrina, der Vollständigkeit halber: Es IST König Drosselbart, nur eben als Roman. Damit wird aber auch auf dem Buchrücken ganz offen umgegangen.

    Rena, ich fand es wurd nach hinten hin immer besser :)
    Lg

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