Montag, 1. August 2011

Rezension: Beutewelt I

Nachdem ich heute beinahe diejenige ohne Zugang zum Internet gewesen wäre, arbeitet jetzt im Hintergrund ein niegelnagelneuer Router, so dass Sabrina und ich  - besser spät als nie - unsere Rezensionen online stellen können.
Bevor ich es vergesse, nochmals ganz herzlichen Dank für die Bereitstellung des Buches, Alexander!

Informationen zum Buch:
Titel: Beutewelt I - Bürger 1-564398B-278843
Autor: Alexander Merow
Seiten: 250 Seiten (Taschenbuch) - gelesen als eBook
Verlag: Engelsdorfer Verlag (April 2010)
ISBN 10: 3869018399
ISBN 13: 978-3869018393

Rezension:
Frank Kohlhaas ist ein gesetzestreuer Bürger der One World, obwohl er mit dem System, der Überwachung und Kontrolle nicht einverstanden ist. Dann jedoch eskaliert eine eigentlich harmlose Situation und Frank wird angeklagt und verurteilt. Einmal in den Fängen des Systems angelangt, erlebt Frank seinen persönlichen Alptraum, aus dem er mehr zufällig heraus gerissen wird, nur um an eine Gruppe von Regimegegnern zu gelangen. Eine Begegnung, die nicht nur Franks Leben verändert.

Alexander Merow legt hier eine Dystopie vor, die so dunkel und beklemmend und doch so glaubhaft ist, dass es einem Angst und Bange werden kann.
Die Sprache ist eingängig und den Situationen und Personen angepasst, einfach stimmig. Der Erzählstil passt zum Geschehen und reißt den Leser in Franks Welt hinein. So, wie Dinge und Situationen beschrieben werden, ist man hautnah dabei und das ist gerade in Anbetracht der Tatsache, dass wir uns tatsächlich in diese Richtung entwickeln, sehr erschreckend.

Überhaupt ist die Idee so durchdacht, dass man keine Ansatzpunkte findet, an denen man abwiegeln und alles in das Reich der Phantasie verbannen kann. Nein, die beschriebene Entwicklung der Weltgeschichte, die zur One World führte, hat eigentlich in der Realität schon begonnen. Und das macht das Buch fast schon zu einer auf einer wahren Begebenheit beruhenden Horrorgeschichte.

Die Protagonisten sind gut ausgearbeitet, man kann, auch wenn Frank einem zu Beginn recht seltsam vorkommt, durchaus nachvollziehen, wieso er sich so entwickelt, wie er es tut. Auch die Konflikte der Menschen mit sich selber und ihrem Umfeld, der Spagat zwischen „etwas verändern wollen“ und „endlich in Ruhe leben können“ ist nur allzu verständlich.

Und dennoch wirkt das Geschriebene teilweise etwas bemüht, die Personen etwas verwirrt. Den Durchmarsch von Alf und Frank in Paris empfand ich persönlich als ZU einfach und damit nicht mehr realistisch und auch leider nicht mehr dem der One World zugesprochen Informationsstand, der Allwissenheit angemessen.

Und so ist es weniger ein Roman über irgendjemanden mit einem sehr, sehr passenden Namen, als viel mehr ein Blick in eine durchaus mögliche, vielleicht sogar wahrscheinliche Zukunft. Ein handwerklich gut gearbeitetes Buch, das auch inhaltlich überzeugen kann. Kleine Schwächen lassen hier für die Nachfolger noch Luft nach oben.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

In der nächsten Woche geht unsere Aktion dann unweigerlich in die letzte Runde, hier könnt ihr euch aber noch auf ein wirklich interessantes Interview mit dem Autor freuen.

Kommentare:

  1. Sehr sehr schön meine Liebe ;-)

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  2. Eine besonders sprachlich tolle Rezension =)
    Und damit wird meine Leseliste wieder länger *seuftz*
    Kannst du sagen, in wie weit auf literarische Vorgänger wie Orwell, Asimov etc. eingegangen angespielt wird?

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  3. Vielen lieben Dank für das Lob!
    Deine Frage kann ich dir allerdings nicht beantworten, weil ich die angesprochenen Vorgänger nicht gelesen habe. 1984 liegt hier zwar herum, aber näher bin ich der Sache noch nicht gekommen, daher kann ich da keine qualifizierte Auskunft geben, entschuldige.
    Lg

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