Sonntag, 21. August 2011

Rezension: Alice im Netz

Dieses Buch habe ich ebenfalls vom Verlag zur Rezension bekommen - an dieser Stelle nochmals ganz, ganz herzlichen Dank! Ebenso wie bei "Die rote Schleife" handelt es sich hier um ein Thema, für das man Jugendliche sensibilisieren sollte und das deswegen durchaus den Weg in die Schulen finden sollte. Da es sich hier noch ein wenig mehr um ein Buch als um eine Erzählung handelt, geht dieses  Mal aber auch die Bewertung des Geschriebenen an sich in die Gesamtsicht mit ein.

Informationen zum Buch:
Titel: Alice im Netz
Autor: Antje Szillat
Seiten: 155 Seiten (broschiert)
Verlag: Edition Zweihorn (Mai 2010)
ISBN 10: 3935265484
ISBN 13: 978-3935265485

Rezension:
Die 16jährige Alice verbringt wie so viele ihrer Altersgenossen viel Zeit im Internet. Sie chattet, veröffentlicht Fotos und persönliche Details in sozialen  Netzwerken und sie führt einen Schulblog, auf dem sie unter einem Pseudonym bissig und zynisch über den Schulalltag, die Lehrer und Mitschüler berichtet. Für Alice scheint alles in bester Ordnung zu sein, bis sie plötzlich beängstigende Emails von jemandem bekommt, der behauptet, alles über sie zu wissen.

Dieses Buch kann man von zwei Standpunkten aus betrachten: Vom pädagogischen und vom literarischen und man würde zu durchaus unterschiedlichen Bewertungen kommen. Aber von vorn:

Die Sprache ist sehr einfach zu lesen, dabei aber nicht übermäßig flach und anspruchslos, so dass sich die Geschichte flüssig lesen lässt, dabei aber immer zu den jugendlichen Figuren passt. Diese Charaktere sind mäßig gut ausgearbeitet, es fehlt einfach vieles, was ihnen Tiefe verliehen hätte. Die Reaktionen wirken teilweise unrealistisch und weit hergeholt. Gerade die Auflösung gegen Ende wundert dann nicht nur Alice, sondern auch den Leser und das deutet auf wenig ausgearbeitete Charaktere hin. Auch bleiben sämtliche Nebenfiguren unglaublich blass, sie werden kaum je näher beschrieben, was es schwierig macht, sie im Geschehen anzuordnen.

Die Handlung selber ist dann auch nur so lange schlüssig, wie sie nicht auf persönlichen Entscheidungen basiert, hier offenbaren sich leider viele Lücken.

Aber! Als Schullektüre, vielleicht nicht im Deutschunterricht, sondern eher in Sozialkunde, ist dieses Buch durchaus sehr, sehr angebracht. Es arbeitet eine immer aktueller und brisanter werdende Tatsache auf, nämlich die, dass viele Jugendliche und Erwachsene sich viel zu arglos im Internet bewegen und dabei jenen, die ihnen etwas Böses wollen, Tür und Tor öffnen.

Das macht diese Geschichte sehr eindringlich deutlich, wenn es auch nicht zu einer literarischen Höchstleistung reicht. Es bleibt dennoch ein aufrüttelndes Buch, das auch jungen Menschen verständlich machen sollte, wie gefährlich zu offener Umgang mit persönlichen Daten sein und werden kann.

Unterm Strich ein gutes Schulbuch, aus dem sich sicher viel herausholen lässt, als reine  Geschichte aber doch etwas zu wenig. Durch den Gedanken, der dahinter steckt und die Aufgabe, die dieses Buch damit trägt, aber immer noch sehr lesenswert.

Bewertung: 4  von 5 Punkten

Kommentare:

  1. Ich habe da was für dich ;-)
    http://sabrinas-buchwelt.blogspot.com/2011/08/und-wieder-gab-es-ein-paar-awards-fur.html

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  2. HI Claudia, schöne Rezension! Ich denke das Buch wurde so dünn und oberflächlich gehalten, eben weil es in der Schule vorrangig von jüngeren gelesen werden soll. Und da ist es eher vom Vorteil wenn es nicht ganz so dick ist, denn da ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass es dann auch gelesen wird :) Oder kannst du dich an ne richtige Schwarte erinnern, die in der Schule gelesen wurde? Ich nicht :D
    Werner Hold war dicker und das habe ich abgebrochen, weil ich es sooooo langweilig fand :D

    LG

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  3. Huhu Ayena! Ich finds immer schön, wenn sich jemand mit den Rezis auseinander setzt, also erstmal danke dafür :)
    Mir geht es nicht um Seitenzahl sondern darum, wie oberflächlich die Figuren sind. Ich habe damals in der Schule (Mittelstufe!) so Nettigkeiten gelesen wie "Das Parfum", "Es geschah am hellichten Tag/Das Versprechen", "Der Hauptmann von Köpenick", "Der Schimmelreiter". Und die waren alle nicht besonders dick, aber eben doch etwas komplexer.
    Und ja, als Unterrichtslektüre finde ich das Buch ja auch gut, sonst hätte es keine 4 Punkte bekommen.
    Aber in der Betrachtung als Buch ist es mir einfach zu wenig.
    Lg

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  4. Das Buch steht in meinem SUB, bin schon sehr gespannt darauf!

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