Donnerstag, 7. Juli 2011

Rezension: Ich, Adeline, Landhebamme

Nachdem ich schon ein anderes Landhebammenbuch gelesen habe, nun dieses.

Informationen zum Buch:
Titel: Ich, Adeline, Landhebamme
Autor: Adelline Favre
Seiten: 188 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Rowohlt (2004)
ISBN 10: 3499235110
ISBN 13: 978-3499235115

Rezension:
Adeline Favre sieht ihre Zukunft nicht als Bauersfrau, die zwischen endlosen Schwangerschaften und Geburten einen Hof versorgen muss, sondern auf der anderen Seite: Sie will Hebamme werden und kann ihren Traum auch gegen alle äußeren Widerstände durchsetzen.
In diesem Buch beschreibt sie nicht nur ihren Werdegang, sondern auch, was sie in über 50 Jahren im Dienste neuen Lebens gesehen, erlebt und erlitten hat.

Das vorliegende Buch basiert auf Schriften von und Gesprächen mit der Landhebamme Adeline Favre, auf ihren Erlebnissen, ihrem Leben. Dabei steht vor allem immer die Berufung Adelines im Vordergrund, es wird mit jedem Wort deutlich, dass sie für ihren Beruf gelebt hat.
Diese Eindringlichkeit lässt einen auch bei Passagen, die stark vom katholischen Glauben geprägt sind, verstehen, sie lässt einen sogar begreifen, warum am Ende so eine energische Rede für die natürliche Geburt gehalten wird.

Dieses Buch ist eine Herzensangelegenheit, berichtet es doch von einem Leben für das Leben und all jenem, was man darin Schönes und Schlimmes erlebt oder erleben muss.
Aber es ist auch ein Stück lebendige Geschichte. Es wird einem immer wieder kurz deutlich gemacht, in was für einem Umfeld, in was für einer Umwelt die Geschehnisse sich abspielen, man entwickelt als Leser ein Gespür für die damalige Zeit und das sehr viel deutlicher, als es Geschichtsbücher darstellen können. Einfach, weil man lebendigen Erinnerungen beiwohnen darf und diese und ihre Umstände erklärt bekommt.

Schade finde ich es, dass es zu Beginn des Buches noch eine Geschichte, nämlich die Lebensgeschichte von Adeline Favre ist, die man liest, wohingegen sich das Buch zum Ende hin immer mehr in eine Aneinanderreihung von Episoden verwandelt, die kaum noch miteinander verknüpft sind. Grundsätzlich fände ich es angenehmer und auch emotional leichter nachvollziehbar, wenn man hier bei einer sich entwickelnden Geschichte geblieben wäre, anstatt wie im späteren Verlauf, nur noch kurze Abrisse wahllos hinter einander zu stellen. Abrisse, die zwar zum Thema des Buches passen, aber keinesfalls mehr wirklich in die Tiefe gehen und auf Schicksale oder Erlebnisse eingehen, Abrisse, die mehr nur mechanisch abgespult, nicht mehr lebendig erzählt wirken.

Insgesamt ein durchaus interessanter Einblick in den Beruf und die Berufung einer Landhebamme im letzten Jahrhundert. Gut zu lesen, zum Ende hin aber leider etwas zu distanziert und abgehackt.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Kommentare:

  1. Hallo Claudia!
    Dennoch müssen Dich diese Lebensgeschichten begeistert haben. Mir ist es aber auch lieber, wenn man bei einer Person bleibt, anstatt wahllos hin und her zu switchen. Es kommt darauf an. Wenn die Charaktere so gezeichnet sind, dass man sich in ihnen hinein versetzen kann, dann ist mir das egal.
    Viele liebe Grüße, Tanja

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  2. Naja, es ändert sich hauptsächlich die Struktur, das stört beim Lesen leider etwas. Aber sonst gut :)
    Lg

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