Mittwoch, 22. Juni 2011

Rezension: Das Lied der Träumerin

Dieses Buch habe ich über die Leserunde mit Autorenbegleitung auf lovelybooks bekommen und bin wirklich sehr froh darum! Das hier ist tatsächlich das erste Buch überhaupt, bei dem ich mir ernsthaft wünsche, auch das Hörbuch zu besitzen (und ich höre sonst keine Hörbücher). Nur, um die Musik auch wirklich hautnah erleben zu können.
Insgesamt ist es wirklich ein ganz wundervolles Buch, ich habe aber natürlich wie immer etwas zu meckern gefunden und daher sehr lange überlegt, ob es am Ende 4 oder 5 Sterne werden.
Da aber die Autorin in der Leserunde eine so souveräne Persönlichkeit an den Tag gelegt hat und so bewundernswert mit Kritik umgegangen ist - nämlich sie angenommen hat und dabei absolut freundlich und aufmunternd geblieben ist - habe ich mich dann guten Gewissens für die Höchstwertung entschieden.

Informationen zum Buch:
Titel: Das Lied der Träumerin
Autor: Tanya Stewner
Seiten: 388 Seiten (Hardcover)
Verlag: Fischer FjB (März 2011)
ISBN 10: 3841421164
ISBN 13: 978-3841421166

Rezension:

Angelias Leben gerät aus seinen wohlgeordneten Fugen, als ihr Vater stirbt. Kurz darauf löst ein Streit mit ihrer Mutter aus, dass Angelia ihren Lebenstraum erfüllt: Sie geht nach London, in die Stadt ihres Vaters, die Stadt der Träume und der Musik, um ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen. Angelias Leidenschaft ist die Musik und sie findet sich schnell in einer WG mit dem Tänzer Josh und dem geheimnisvollen Jeremy wieder, die beide auf ihre eigene Art so intensiv sind, wie Angelias Träume es immer waren.

Mit diesem Buch schlägt die Autorin sehr nachdenkliche, aber gleichzeitig auch lebensfrohe und lebensbejahende Töne an, so dass es noch lange nachdem man die Buchdeckel geschlossen hat, im Herzen nachklingt.
Angelias Weg ist gesäumt von interessanten Charakteren, von Menschen, die teilweise durch ihre bloße Präsenz wirken, wie Jeremy und Josh, denen zwar viel Raum gegeben wird, die ihn aber eigentlich nicht benötigen, um auf sich aufmerksam zu machen. Beide jungen Männer sind so intensiv beschrieben, dass man sie fast fühlen kann.
Dann wieder gibt es ganz sanfte Gestalten, wenn sich dies auch teilweise erst auf den zweiten Blick offenbart, so Alice und Layla, die im Prinzip den weiblichen Gegenpol zu den beiden Brüdern bilden. Jede auf ihre Weise, jede mit ihren eigenem Auftreten, welches durch die Autorin teilweise sehr subtil dargestellt wird und so dem Leser eher unterbewusst berührt. 

Einzig Angelia bleibt als Figur etwas unnahbar. Ob das gewollt ist, um mehr Distanz zum Beobachter zu schaffen, oder ob es doch Zufall ist, mag ich nicht zu sagen. Insgesamt erlebt der Leser zwar alles aus Angelias Perspektive, dennoch ist sie der einzige Charakter, der, obwohl von den eigenen Träumen begeistert und beflügelt, insgesamt nicht heraus ragt. Da sind die ihr zur Seite gestellten Persönlichkeiten das kleine Bisschen bunter, das kleine Bisschen lebendiger und in sich stimmiger, das kleine Bisschen intensiver.
Einen besonderen Platz nimmt in diesem Buch die Musik ein. Jede Person hat auf ihre Weise mit Musik zu tun. Größtenteils mit „echter“, zum Teil aber auch mit der Musik der Worte. Und so beschäftigt man sich unweigerlich die ganze Zeit intensiv mit Musik, ihrer Wirkung auf Menschen, mit der Sprache und ihren kleinen Wundern und der Kunst und dem Künstlerischen im Allgemeinen. Auch das ist eine der Seiten des Buches, die dieses bewusste Stück weiter gehen, als es andere tun. Die den Leser tiefer berühren,  ihn einfach anders in ihren Bann ziehen und etwas Besonderes ausmachen.

Die Sprache des Buches ist wundervoll.  Sehr direkt und eingängig und doch voller kleiner Besonderheiten, die sich teilweise sofort, teilweise erst beim wiederholten Lesen offenbaren. Insgesamt sind in diesem Buch viele Momente eingearbeitet, die ganz viel über die Personen und ihre Beziehung zueinander aussagen, die man aber ganz leicht überliest, wenn man zu oberflächlich oder zu schnell unterwegs ist. Ich glaube, dass diese Besonderheiten dennoch unterbewusst nachwirken, dennoch tut man sich als Leser unbedingt einen Gefallen, wenn man sich für die Lektüre Zeit nimmt und sie auf sich wirken lässt.

Leider gibt es auch zwei Szenen, die mir persönlich sauer aufgestoßen sind. Beide sind unbestritten enorm wichtig für Angelias persönliche Entwicklung dafür, deutlich zu machen, was in ihre vor sich geht. Und dennoch kann ich nur sagen: In einem Buch, das unweigerlich auch Jugendliche lesen werden, wäre mir persönlich etwas mehr Vorsicht lieber gewesen.

So kann ich insgesamt das Buch leider nicht mehr jedem Leser, aber durchaus jedem erwachsenen Leser ans Herz legen. Hier handelt es sich um ein kleines Schmuckstück das aus Wörtern Melodien erzeugt, die den Leser berühren  und einem so viel über das Leben und das Träumen erzählen, wie man sich überhaupt nur von einem so leicht lesbaren Roman erhoffen kann.

Bewertung: 5 von 5 Punkten

Kommentare:

  1. Wunderschöne Rezension ;-) Da hast du dir mal wieder Mühe gegeben!
    LG

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  2. Sehr schöne Rezension. Das Buch will ich auch umbedingt kaufen. Hört sich echt super an. Lg Diti

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