Sonntag, 15. Mai 2011

Rezension: Nachtgeboren

Hier handelt es sich um ein Rezensionsexemplar vom Verlag Egmont Lyx, wofür ich mich an dieser Stelle nochmals herzlich bedanken möchte!
Ich habe sehr lange an diesem Buch gelesen, was nicht zuletzt dem Umstand zu schulden ist, dass es sich um High Fantasy handelt, also um eine ganz andere Welt, eine andere Sprache, andere Kultur. Das kann ich (ich persönlich) nicht so schnell und flüssig herunterlesen wie andere Bücher, interessant ist es aber dennoch sehr. Es handelt sich bei Nachtgeboren um den ersten Teil einer Trilogie, Cover und Titel des zweiten Bandes sind schon bekannt und machen wirklich Lust auf mehr. Aber zunächst diese Rezension.

Informationen zum Buch:
Titel: Nachtgeboren
Autor: Alison Sinclair
Seiten: 406 Seiten (broschiert)
Verlag: Egmont Lyx (März2011)
ISBN 10: 9783802583353
ISBN 13: 978-3802583353

Rezension:
Die Stadt Minhorne wurde vor vielen Jahren durch einen magischen Fluch gespalten: Es gibt Nachtgeborene, deren Verderben das Licht ist, sowie Lichtgeborene, die ohne dieses nicht existieren können. Ein Zusammenleben ist schwer, gerade innerhalb der nachtgeborenen Gesellschaft, die enge Kontakte zu Lichtgeborenen noch nicht lange toleriert, andere Fähigkeiten wie Magie sogar grundweg ablehnt. In dieser Gesellschaft stellt es ein großes Problem dar, dass eines Morgens eine junge Frau vor der Tür des Arztes Balthasar steht. Eine Frau, die nicht mit ihm verheiratet ist, die aber in seinem Haus Zwillinge zur Welt bringt, die eine besondere Eigenschaft haben. Diese Kinder entfesseln einen Sturm aus Intrigen, Gewalt, Furcht, aber auch Vertrauen, Überraschung und Zuversicht, welcher um die Familie Balthasars wütet.


Zu allererst möchte ich der Autorin ein Lob aussprechen. In diesem Roman sind die Protagonisten blind, sie orientieren sich über Schall und Ultraschall, nehmen darüber sogar feinste Mimiken wahr. Das ist etwas, was man sich nur schwer vorstellen kann und doch wirkt es innerhalb dieses Buches natürlich, es gehört einfach so und irritiert, wenn überhaupt, nur zu Beginn. Das ist, wie ich finde, eine gute schriftstellerische Leistung, wenn es dem Leser so leicht gemacht wird, sich in etwas für ihn so Ungewöhnliches einzufinden.

Auch sind die gesellschaftlichen Zwänge und Anforderungen auf eine Art erklärt, die sich aus der Handlung ergibt, was sehr viel angenehmer und passender ist, als wenn sie explizit dargelegt werden würden.
Die Sprache ist schön, meistens präzise und nur an den richtigen Stellen blumig, allerdings auch recht altertümlich. Dies ist nun etwas, was bei High Fantasy durchaus vorkommt, allerdings erschwert es ein flüssiges Lesen an vielen Stellen.

Die Idee der Licht- und Nachtgeborenen finde ich sehr gut, die Umsetzung ist gut gelungen und zumindest von Seiten der Nachtgeborenen sehr nachvollziehbar. Ob und in wiefern der Fluch die Lichtgeborenen in gleicher Weise beschränkt, wie genau Dunkelheit für sie tödlich ist, dies wird sicherlich im nächsten Band erklärt und ich bin schon reichlich gespannt darauf.

Insgesamt entwickelt die Autorin hier ein wunderschönes Bild einer zerrissenen Gesellschaft. Das Bild von Menschen, die Fähigkeiten haben, die wir uns kaum vorstellen können, die gleichzeitig aber auch starken Zwängen unterworfen sind und sich kaum so frei bewegen können, wie unsereins es gewohnt ist. Dies und eine der heutigen Zeit nicht angemessene Sprache verbindet die Autorin so geschickt miteinander, dass man trotzdem das Gefühl hat, ein stimmiges Ganzes vor sich zu haben.

Ein Buch, für das man sich mit dem Lesen Zeit nehmen muss, das für die Mühen aber durchaus entschuldigt.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

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