Donnerstag, 28. April 2011

Rezension: Und wenn du schon mit 20 stirbst?

Eines der Bücher, die man sich kauft, weil man etwas von ihnen erwartet und von denen man dann sehr enttäuscht wird.

Informationen zum Buch:
Titel: Und wenn du schon mit 20 stirbst? Die Lebensgeschichte der Lindtraud Beck
Autor: Gotthold Beck
Seiten: 143 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: clv (1996)
ISBN 10: 9783893977864
ISBN 13: 978-3893977864

Rezension:

Lindtraud Beck ist gerade 20, als sie stirbt. Und dennoch ist ihr Leben erfüllt und sie selber glücklich, denn sie vertraut auf Jesus und freut sich darauf, ihm bald gegenüber stehen zu dürfen. So ist ihr Tod dann auch Anlass für ihr Eltern, Missionare in Japan, ein Buch über die Lebensgeschichte ihrer Tochter zu veröffentlichen.

Wer hier tatsächlich die Lebensgeschichte einer beeindruckenden jungen Frau erwartet, wird leider enttäuscht werden. Viel mehr handelt es sich um ein Buch, dem man die missionarischen Ansichten sehr deutlich schon auf den ersten Seiten anmerkt. Die Geschichte Lindtrauds, ihr Umgang mit ihrem Sterben ist sicherlich untrennbar mit ihrem Glauben verknüpft, so dass das Buch auf religösem Hintergrund basiert und sich zwangsläufig damit auseinander setzen muss. Allerdings ist hier weit übers Ziel hinaus geschossen worden.

Nicht nur, dass Lindtrauds Geschichte kaum ein Dritte des Buches ausmacht, die Anmerkungen, die sie selber in ihre Bibel und die Andachten, die sie ausgearbeitet hat, sogar mehr Platz erhalten, nein es werden beständig die Texte der religiösen Lieder abgedruckt, die bestimmte Personen zu bestimmten Anlässen gesungen haben.
Und zuletzt lässt sich der Autor noch darauf ein, im Buch über die Geschichte seiner Tochter  seine eigenen Ansichten zu verkünden. Der letzte Teil des Buches beschäftigt sich damit, warum Herr Beck selber das Zungenreden als gefährlich und durch einen irreführenden Geist verursacht empfindet und verdeutlicht, warum er vor Religion als Solcher und dem Christentum im Speziellen warnt und nur die reinen Lehren Gottes und die Bibel als Glaubensgrundlage empfiehlt.
Dieser Teil des Buches ist so stark missionarisch und gleichzeitig so stark eingeschränkt in seiner Sichtweise, dass man ihn als Leser kaum noch ernst nehmen kann. Als glaubender Mensch vielleicht, als Leser nicht.

Ich muss sagen, als ich das Buch gekauft habe, habe ich etwas anderes erwartet. Mir war klar, dass der Inhalt sich mit dem Glauben auseinander setzen würde, was ja durchaus sehr interessant und beeindruckend sein kann. Nicht erwartet hätte ich eine missionarische Schrift, wie sie hier vorliegt, bei der die titelgebende Geschichte, das Leben eines Menschen, so stark in den Hintergrund rückt.
Sicherlich ist es kein Anliegen der Familie Beck, Lindtraud und ihre Persönlichkeit nach vorn zu stellen, sondern viel mehr ihren Glauben zu erklären und Menschen zu erreichen. Doch ich denke, das hätte auch erreicht werden können, wenn man empfindsamer auf das Leben des Mädchens und ihre Überzeugungen eingegangen wäre, statt eine Bibelstunde als Buch heraus zu geben.

Am stärksten beeindruckt hat mich dann auch nicht der Text, sondern die im Mittelteil abgedruckten Fotos, auf denen man ein glückliches, sterbendes Mädchen sieht.

Bewertung: 2 von 5 Punkten

Kommentare:

  1. Ich glaub das Buch hätte mir auch nicht gefallen. Hast du es denn gekauft, weil du was religiöses lesen wolltest? LG :)

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  2. Jein. Ich dachte, ich bekomme eine Schicksalsgeschichte, die zeigt, wie jemand mit und durch seinen Glauben dem Tod lächelnd entgegen gehen kann.

    Und das war völlig im Hintergrund - leider. Wie gesagt, die Fotos waren da schon das, was meiner Vorstellung am nächsten kam

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