Dienstag, 26. April 2011

Rezension: Seelen

Um dieses Buch bin ich so lange herum geschlichen, zu Weihnachten dann habe ich es endlich in den Händen halten dürfen. Mal ganz abgesehen vom Inhalt, ist es wirklich ein Schmuckstück im Regal - ob da das im Sommer erscheinende Taschenbuch mithalten kann?

Informationen zum Buch:
Titel: Seelen
Autor: Stephenie Meyer
Seiten: 864 Seiten (Hardcover)
Verlag: Carlsen (August 2008)
ISBN 10: 3551581908
ISBN 13: 978-3551581907 

Rezension:
Die Seelen haben die Herrschaft auf der Erde übernommen. Sie haben sich der Körper der Menschen bemächtigt, deren Bewusstsein unterdrückt und ihre eigene Kultur und Zivilisation auf unseren Planeten gebracht. Und damit auch den Frieden, das Vertrauen, ein Miteinander, in dem jeder seine Aufgabe erfüllt und hierdurch zu einem Teil einer Gesellschaft wird, in der jeder geachtet wird, jeder bekommt, was er braucht ohne dafür zahlen zu müssen, in der es kein arm und reich, keine bösen Taten mehr gibt.
Eine wundervolle Welt, würde dafür nicht das Bewusstsein der Menschen fast ausgelöscht werden. Nur einige mutige Widerständler gibt es noch. Sie verstecken sich in unwegsamen Gelände, dort, wo die Sucher der Seelen sie nicht erreichen können.
Dann jedoch geschieht etwas seltsames: Melanie, eine derjenigen, die sich so lange vor einer Übernahme schützen konnten, wird gefangen und von einer Seele besetzt. Doch Melanies Geist ist zu stark und so muss die Seele ihr den Platz einräumen, den Melanie nach wie vor beansprucht: Ihr eigenes Denken, ihre eigenen Wünsche.... ihre Flucht.

Man muss der Autorin Respekt zollen. Sie schafft es, endlose Seiten mit wenig Handlung zu füllen und dem Leser doch das Gefühl zu geben, nur eine Kurzgeschichte zu lesen und trotz aller Mängel ein wirklich lesenswertes Buch abzuliefern.

Mängel? Ja, Mängel.
Man braucht lange, um in die Handlung wirklich einzutauchen. Nach 100 bis 200 Seiten endlich legt sich der Schalter um und man fängt an, das Buch zu inhalieren. Aber 100 bis 200 Seiten sind viel Papier. Zuviel für einen so zähen Einstieg. Andere Bücher wären ungelesen weggelegt worden, diesem habe ich doch noch eine und noch eine Chance gegeben.
Und es hat sich am Ende doch gelohnt.
Die Figuren sind, wie bei der Autorin üblich, irgendwie farblos. Nett, ja. Und die Protagonistin ist auch charakterlich recht gut ausgearbeitet, aber das war es dann auch schon. Alle anderen Figuren  haben ihre Auftritte und ja, auch ihre Probleme und Eigenarten, aber wirklich beeindruckende Persönlichkeiten, greifbare Charakterzüge, die gibt es nicht.
Mal ganz davon abgesehen, dass seltsamerweise auch hier wieder mehrere der Hauptpersonen Namen mit dem gleichen Anfangsbuchstaben haben, was vielleicht Zufall, vielleicht eine seltsame Marotte ist.
Aber, betrachtet man dieses Buch objektiv, ist es gar nicht so toll: Ein langatmiger Einstieg, fade Protagonisten, in den letzten Kapiteln eine neue Figur, vor der es einem gruseln könnte.

Und doch: Hat man sich erst mal in die Geschichte eingefunden, liest das Buch sich von allein. Die Autorin schafft es, wenig Handlung auf vielen Seiten so zu schreiben, dass man ewig weiterlesen könnte. Dass man am Ende enttäuscht ist, das Buch zuzuklappen. Dass man sich fragt „Wow, und das waren fast 900 Seiten? Ging ja schnell“. Dass man trotz allem mitfiebert, hofft, verzweifelt, innerlich kämpft mit den Protagonisten. Dass man mehr aus ihrem Alltag wissen möchte, egal, wie langweilig dieser erscheinen mag. Dass man sich sehnt nach mehr.
Das alles bietet dieses Buch, man muss ihm nur die ersten 200 Seiten lang die Chance dazu geben.

Alles in allem ein wundervolles, absolut lesbares, mitreißendes Buch – trotz aller Schwächen. 

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Kommentare:

  1. schöner Blog und schöne Rezi ;) das buch habe ich letztes Jahr gelesen und fand es echt gut.
    Liebe Grüße Lina

    AntwortenLöschen
  2. Mir ging es genua so ! Einstieg hat total lang gedauert aber am Ende war ich froh, dass ich es zuende gelesen habe =)

    AntwortenLöschen