Donnerstag, 3. März 2011

Rezension: Teufelskuss

Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Penhaligon-Verlag zur Verfügung gestellt, nochmals herzlichen Dank!

Informationen zum Buch:
Titel: Teufelskuss
Autor: Sarwat Chadda
Seiten: 320 Seiten (broschiert)
Verlag: Penhaligon (Januar 2010)
ISBN 10: 3764530316
ISBN 13: 978-3764530310


Rezension:

Billi ist am Ende ihrer Kräfte. Ihr Vater ist Meister der Templer und sie befindet sich in ihrer Ausbildung, um dem Orden beizutreten, ob sie will oder nicht. Dies bedeutet aber auch, dass sie ihre Nächte mit Kampfausbildung und Dämonenjagd verbringen und ihre Tage mehr oder weniger wie ein normaler Teenager verbringen soll. Dieser Drahtseilakt geht aber nicht lange gut und so ist Billi nur allzu bereit, sich Michael zu öffnen, dem ersten außerhalb des Ordens, der sie versteht.
Der sie besser versteht, als jeder andere. Der alles über sie weiß. Denn Michael ist nicht, wer zu sein er vorgibt….

Sarwat Chadda legt hier mit seinem Debüt einen Roman vor, der sich sehr schnell lesen lässt, was zum einen an der schnörkellosen, direkten Sprache und der guten Lesbarkeit liegt, zum anderen daran, dass die Geschichte einen nahezu einsaugt.
Allerdings ist es auch so, dass das Buch wahnsinnig viel Tempo aufnimmt, dabei aber zu wenig Substanz aufweist, so dass die Handlung am Leser vorbeirauscht wie die Landschaft am Fenster eines Expresszuges und man Mühe hat, noch Einzelheiten wahrzunehmen.


Positiv herauszustellen ist die Sprache, die die Protagonisten anwenden, diese ist dem Alter angemessen salopp, aber nicht rotzfrech oder abfällig, so dass die Gespräche glaubhaft sind, ohne Erwachsenen die Schamesröte ins Gesicht zu treiben.
Schade ist, dass die Figuren etwas farblos bleiben. Hier hat Chadda scheinbar mehr Wert auf Fortgang der Handlung als auf Entwicklung der Charaktere gelegt, so dass man letztendlich nur ein schemenhaftes Bild der Personen erhält.
Billis Handlungen werden durch ihre eingefügten Gedankengänge zwar nachvollziehbar, so gut es Gedanken und Gefühle eines Teenagers sind, andere Personen und ihre Antriebsgründe, bleiben aber rätselhaft, gerade was die anderen Mitglieder des Ordens angeht.
Auch Arthurs Sinneswandel kommt sehr plötzlich und meiner Meinung nach zu heftig und zu uneingeschränkt, um glaubhaft zu wirken. Zu wenig weiß der Leser vorher über sein Inneres und zu viel Schauspielvermögen wird ihm hier unterstellt, um es wirklich nachvollziehen zu können.


Nicht so spannend fand ich die kleine Waffenkunde, durch die Chadda seine Leser führt. Am Ende des Buches hat man das Gefühl, mit mindestens 50% aller weltweit verfügbaren Hieb-und Stichwaffen in Berührung gekommen zu sein, so viele unterschiedliche Gerätschaften wurden erwähnt, beschrieben, benutzt. Da ich selber davon wenig Ahnung habe, empfand ich diese Darstellungen als etwas übertrieben und ermüdend.


Insgesamt aber ist die Handlung sehr rasant, die Wendungen geschehen recht spontan, wobei der Leser immer schneller auf ein Ende zugetrieben wird, für das „heftig“ vielleicht die richtige Umschreibung ist. Der Showdown ist meiner Meinung nach gut aufgezogen und vor allem sehr gut gelöst. Hier bleiben keine unangenehmen Fragen offen, wie sie andere Teile des Buches hervorrufen, so dass dies endlich mal ein Finale ist, dem dieses Wort gerecht wird.

Um auch auf die Optik des Buches zu sprechen zu kommen: Das Cover ist wirklich ein Blickfang mit der weißen, blutbefleckten Feder, auf der Wassertropfen sowie das Blut mit Spotlack hervorgehoben sind.
Irritiert hat mich die Anordnung des Textes auf den Seiten – mir kommt es so vor, als wäre der obere Rand zu schmal, der Untere zu breit geraten, das nur als Anmerkung.

Ich kann mir vorstellen, dass die Lektüre dieses Buches sehr zwiegespaltene Reaktionen hervorruft, ist der Inhalt doch recht düster und grausam, teilweise mag er als gewaltverherrlichend angesehen werden. Andererseits jedoch ist dieses ein Buch abseits des literarischen Mainstreams. Eines, in dem viel Potential steckt und das, abgesehen von einigen Schwächen durchaus lesenswert ist.

Bewertung: 4 von 5 Punkten mit leichter Tendenz nach unten

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