Sonntag, 13. März 2011

Rezension: Bei Anruf nackt

Dieses Buch habe ich als Mängelexemplar aus der Grabbelkiste mitgenommen, es klang vielversprechen. Außer einer guten Lesbarkeit gibt es aber leider nichts positives zu berichten.

Informationen zum Buch:
Titel: Bei Anruf nackt
Autor: Ulrike Bornschein
Seiten: 304 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Heyne (November 2008)
ISBN 10: 9783453645219
ISBN 13: 978-3453645219



Rezension:

Nachdem sie ihre letzte Beziehung hinter sich gelassen hat und ihre Tochter sich für ein Austauschjahr in Kanada befindet, ist Ulrike mit über 40 zum ersten Mal seit langer Zeit nur für sich selber verantwortlich. Das „kinderlose Jahr“, das vor ihr liegt, will sie nutzen, um einen Mann zu finden, wofür sie sich einer Partnerbörse im Internet bedient.
Die Suche allerdings hält  die eine oder andere Überraschung bereit.

Als ich das Buch zugeklappt habe, blieb eine Frage bestehen: Was will mir die Autorin sagen?
Der größte Teil des Inhaltes gibt wieder, mit was für Männern sie sich getroffen hat, was für Mails oder SMS dem voraus gingen und wie die Treffen abliefen.
Und, nicht zuletzt, wer sich von wem danach auf Nimmerwiedersehen verabschiedet hat.

Dabei legt die Autorin ein Selbstbild vor, das mich schaudern lässt. Selbstbewusstsein ist eine tolle Eigenschaft, aber man kann es auch übertreiben, und genau das tut die Autorin auf 300 recht ermüdenden Seiten. Nein, ich finde es nicht spannend, immer und immer wieder Emails zu lesen, in denen eine Frau sich so krampfhaft ins rechte Licht zu rücken und als überaus eloquent, witzig und intelligent darzustellen versucht, dass es nur noch angestrengt und albern wirkt.

Frau Bornschein zeichnet hier ein Bild von sich selber, das mich nur hoffen lässt, dass mein weiterer Lebensweg mich möglichst weit weg von Menschen wie ihr bringt.
Nicht nur, dass die Männer, die hier vorgeführt, äh, vorgestellt werden, alle dem gleichen Typus entsprechen, die Autorin aber der Meinung zu sein scheint, ihre Aussagen wären allgemeingültig. Die Entwicklung ist jedes Mal die Gleiche: Einige wenige, pseudo-intellektuelle Emails, in denen jeweils mehr oder weniger deutlich darauf hingewiesen wird, was für ein wundervoller, anbetungswürdiger Mensch sie verfasst hat, und dann recht schnell das Angebot eines Treffens – nicht ohne Hinweis darauf, dass die vielbeschäftigte Dame die meiste Zeit nicht in Berlin ist, der interessierte Herr muss also seine Chance ergreifen.

Die Treffen dann sind mehr oder weniger erfolgreich, wobei Erfolg hier daran gemessen wird, ob und wenn ja wie oft und wie ausdauernd es zum Geschlechtsverkehr kommt.
Später dann das unweigerliche Ende des Kontakts auf mehr oder weniger elegante Weise, wobei die Abgänge der Autorin geradezu nach Applaus zu betteln  scheinen.
Die am Ende angefügte Liste der Hilfen und Fehler bei der Onlinesuche nach einem Partner rufen dann eine Reaktion zwischen entnervtem Kopfschütteln und gequältem Seufzen hervor. Sie basieren weder auf einer allgemeinen Grundlage, noch sind sie wirklich nützlich für jene, die Hilfe suchen.

Insgesamt ein Buch, das ich lieber nicht gelesen hätte. Es mag ungerecht wirken, aber so selbstgefällige Personen wie die Selbstdarstellung der Autorin sind mir lange nicht untergekommen. Und das ist leider etwas, was ich als Leser nur schwer ertragen kann und möchte.

Bewertung: 1 von 5 Punkten

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