Montag, 14. Februar 2011

Rezension: Oksa Pollock. Die Unverhoffte

Dieses Buch kam, passend zum Namen, sehr unverhofft bei mir an. Ich hatte mich zwar darauf beworben, dann aber vom Verlag nichts mehr gehört und auch nicht mehr damit gerechnet, dass noch etwas kommt, bis der Postbote vor der Tür stand.

Informationen zum Buch:
Autor: Anne Plichota und Cendrine Wolf
Seiten: 592 Seiten (Hardcover)
Verlag: Oettinger (März 2011)
ISBN 10: 3789145025
ISBN 13: 978-3789145025


Rezension:
Oksa, ihre Familie sowie ihr bester Freund Gus und dessen Eltern ziehen recht spontan von Paris nach London um, wo die Erwachsenen gemeinsam ein Restaurant eröffnen wollen. Oksa und Gus kommen auf eine neue Schule, wo sie sich vom ersten Tag an mit dem äußerst unfreundlichen und seltsamen Lehrer McGraw auseinander setzen müssen.
Manchmal schafft es nicht einmal Oksas liebenswerte, wenn auch leicht schrullige Großmutter Dragomira, das Mädchen wieder aufzuheitern. Schlimmer wird alles, als Oksa eines Tages einen seltsamen blauen Fleck auf ihrem Bauch entdeckt. Als sie ihn ihrer Großmutter zeigt, enthüllt sich ihr ein Geheimnis, das größer ist als alles, was Oksa sich jemals hätte träumen lassen: Sie ist die Erbin einer versteckten Welt.
Doch außer Oksa wissen auch noch andere Personen davon. Freunde und Feinde, mächtige Verbündete und ebenso mächtige Gegner …

Dieses Buch wird allenthalben als neuer, weiblicher Harry Potter gefeiert. Dem kann ich nur teilweise zustimmen. Ja, nimmt man nur die Eckpunkte der Geschichte, drängen sich Parallelen auf. Aber dieses Buch hat es nicht nötig, sich an den Bekanntes zu hängen, denn es ist von ganz allein zauberhaft.
Oksa ist ein interessantes Mädchen, manchmal zickig, manchmal aufmüpfig, jähzornig, unbedarft und zu schnell mit dem Mundwerk. Aber auch freundlich, mitfühlend und für ihre Freunde da.
Ihre Familie besteht aus lauter interessanten Personen, die so liebevoll beschrieben sind, dass man sie, einen wie den anderen, einfach gern haben muss.
Die vielen fremden Wesen, die die Autorinnen geschaffen haben, sind – mal mehr, mal weniger liebenswert – interessant und witzig. Wobei die Namensgebung teilweise etwas verkrampft wirkt, als hätte auf gar keinen Fall ein normaler Name verwendet werden und so alles neu getauft werden müssen. Davon abgesehen sind die Namen zumeist sprechend, was sehr gut umgesetzt wurde. So erkennt man die Fähigkeiten und Absichten von Wesen oder Personen häufig an ihrer Bezeichnung, was ich gerade bei Jugendbüchern sehr schön finde.
Beeindruckend ist aber auf jeden Fall die Fantasie, mit der die Autorinnen zu Werke gegangen sind. So viele verschiedene und auf ihre Art einzigartige Wesen sind mir noch in keinem Buch begegnet und sie machen es auf jeden Fall lesenswert.
Der Aufbau des Buches ist einfach gehalten, die Kapitel sind kurz und knackig, was das Lesen auch den Jüngeren erleichtern dürfte.  Das Ende des Buches ist die Konsequenz des Inhaltes, also durchaus logisch und greifbar, wenn auch für meinen Geschmack etwas zu abrupt, wenn man bedenkt, wie viele Seiten das Werk an sich hat.

Auch war es für meinen Geschmack zu viele wundersame Fähigkeiten, die Oksa so plötzlich zugeschrieben wurden. Da legt eine Person ein Verhalten an den Tag, das Oksa bisher noch nicht kannte und schon wenige Seiten später beherrscht sie dieses ebenso. Und überhaupt ist sie ein Naturtalent in allem, was sie tut. Kaum eine ihrer neuen Fähigkeiten überfordert sie in dem Maße, wie man es erwarten würde von jemandem, dem diese ganze Welt neu ist. Und kaum etwas muss Oksa wirklich ernsthaft trainieren, bevor sie es beherrscht, was sogar ihre Lehrer erstaunt. Viel hiervon lässt sich mit ihrer Abstammung erklären, aber ich hätte mir etwas mehr Widerstand, ein paar mehr Schwierigkeiten, wenigstens eine Unsicherheit bei der strahlenden Heldin gewünscht, einfach, um sie greifbarer und menschlicher zu machen.
Letztendlich aber wird dieses ja nicht das letzte Abenteuer mit Oksa gewesen sein, so dass man auch gespannt abwarten darf, welche Entwicklung Geschichte, Figuren und Schreibstil wohl machen werden.

Mir persönlich war das Buch etwas zu seicht, die Figuren zwar interessant, aber nicht so liebenswert, wie andere sie fanden, insbesondere Oksa hatte durchaus ihre anstrengenden Phasen. Allerdings bin ich wohl auch ungefähr doppelt so alt wie die Leser, für dieses Buch geschrieben wurde, da muss ich Abstriche machen.
Insgesamt ein schönes Buch mit schöner Idee und grundsätzlich guter Umsetzung, wobei Letzteres Geschmackssache ist.

Bewertung: 3 von 5 Punkten mit Tendenz nach oben

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