Montag, 28. Februar 2011

Rezension: Grimm

Dieses Rezensionsexemplar wurde mir freundlicherweise von Heyne-fliegt zur Verfügung gestellt, nochmals herzlichen Dank!


Informationen zum Buch:
Titel: Grimm
Autor: Christoph Marzi
Seiten: 560 Seiten (Hardcover)
Verlag: Heyne  (November 2010)
ISBN 10: 3453266617
ISBN 13: 978-3453266612


Rezension:

Vesper ist ein typisches Scheidungskind reicher Eltern: Von der Mutter in eine neue Umgebung verpflanzt, unglücklich und gelangweilt in der Schule, ein wenig aufsässig und meistens auf sich selbst gestellt.
Doch selbst das kann noch schlimmer werden, wie Vesper nur zu bald lernen muss, als sie die Nachricht vom Tod ihres Vaters erreicht. Und ein Brief, in dem er ihr einen alten Schlüssel einen Ring und die eindringliche Warnung vor den Wölfen und dem, was ihnen folgt, hinterlässt…

Christoph Marzi schafft hier eine Geschichte, in der Wirklichkeit und Grimmsche Märchen miteinander Hand in Hand gehen. Eine Geschichte, deren Seiten sich von allein umblättern und die den Leser einsaugt und erst am Ende wieder frei lässt.
Besonders die gute Grundidee der Verschwörung, die hinter den Märchen der Brüder Grimm steckt, ist interessant, ebenso wie die Begegnungen mit diversen Märchengestalten – nur in ganz anderer Form, als wir sie bisher vor Augen hatten.

Darüber hinaus schafft der Autor es, dass die Figuren trotz, oder gerade wegen ihrer Fehler und Unzulänglichkeiten äußerst sympathisch sind. Insbesondere Vesper: Aufmüpfig, verwöhnt, sarkastisch, ungeduldig… eigentlich kaum jemand, den man gern haben würde. Dennoch stellt Marzi ihre positiven Seiten so heraus, dass man sie unweigerlich mag. Ebenso Leander, der einem theoretisch mit seinem ewigen Gerede auf die Nerven gehen müsste – er tut es nicht, denn er wird so liebenswert dargestellt, dass er einem ans Herz wächst.

Zwei Punkte an diesem Buch gibt es, die sowohl positiv als auch negativ zu bewerten sind.
Zum einen die Beschreibungen Hamburgs als der Umgebung, in der sich der größte Teil der Geschichte abspielt. Für jemanden, der sich in der Stadt auskennt, ist es eine tolle Erfahrung, ein Buch zu lesen, das auch tatsächlich Bezug auf die Stadt nimmt und ihr Gesicht beschreibt, statt nur offiziell dort zu spielen, aber absolut austauschbare Schauplätze zu beschreiben.
Nein, jemand, der Hamburg kennt, kann sich alles bildlich vorstellen, findet sich quasi an Vespers Seite wieder und geht mit ihr durch die Straßen.
Allerdings denke ich, dass für jemanden, der noch nie in der schönsten Stadt der Welt war, eine Visualisierung der Örtlichkeiten durchaus schwierig sein könnte, da Marzis Beschreibungen doch  eher die Orte benennen und ausschmücken, als sie wirklich Ortsunkundigen nahe zu bringen.

Zum anderen das Ende der Geschichte. Ich empfinde es als relativ gut aufgelöst. Stimmig mit der Geschichte, aber nicht weich gewaschen. Markant, aber auch versöhnlich. Allerdings sind die Proportionen des Buches in der Hinsicht etwas unglücklich. Immerhin handelt es sich hier um ein etwa 560 Seiten starkes Werk. Dass die eigentlich Auflösung dann erst auf den letzten 60 Seiten erfolgt, lässt die Frage aufkommen, wie viele von den voran gegangenen 500 Seiten dann wirklich nötig waren.

Vermutlich hätte man hier die Geschichte um einiges straffen oder aber dem Ende mehr Raum geben können.
Auch muss ich sagen, dass einige Dinge um die allgegenwärtige Verschwörung herum stark konstruiert und bemüht wirken, als wäre eine gradlinige Lösung einfach unerwünscht gewesen.
Verwunderung rief auch hervor, dass Vesper und Leander sich auf ihrer Flucht unheimlich viel Zeit für Gespräche nehmen. Eine Situation, in der einem doch allein der Überlebensinstinkt jeglichen Smalltalk verbieten sollte, es hier aber scheinbar nicht tut.
Auch Vespers kaum vorhandene Trauer um ihre Eltern mutet seltsam an, kann allerdings mit den auf sie einstürmenden Ereignissen erklärt werden.
Marzis Sprache schließlich ist sehr angenehm und flüssig zu lesen, allerdings begegnen einem bisweilen Formulierungen, die seltsam anmuten. Ein wenig so, als würde ein Star-Wars-Yoda sprechen. Insgesamt aber fügen sich auch diese Sätze in ein stimmiges Gesamtbild.

Fazit: Ein Buch, das sich von selbst liest, das eine interessante Sicht auf Grimms Märchen und ihre Figuren beinhaltet, das aber hauptsächlich der Philosophie „der Weg ist das Ziel“ zu folgen scheint.

Bewertung: 4 von 5 Punkten mit Tendenz nach unten

Kommentare:

  1. Danke für die Rezi =) das Buch will ich auch unbedingt noch lesen

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  2. Hallöchen. (:
    Habe deinen Blog neulich entdeckt und fand ihn super. Und deswegen...http://schmokerstube.blogspot.com/2011/02/mein-erster-award.html ein Award.
    Liebe Grüße, Noelle (:

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  3. @Rena: Es ist auf jeden Fall lesenswert. Und es riecht so toll *g*

    @Noelle: Herzlichen Dank, ich hab dich in den Post aufgenommen :)
    Lg

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  4. Schöne Rezi!

    Das mit dem Small-Talk in unmöglichen Situationen ist mir auch aufgefallen xD

    lg

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  5. Hehe, ja da musste ich echt die Zähne zusammenbeißen, aber der Rest hats dann rausgerissen ;) Schön, ich freu mich immer, wenn anderen die gleichen Dinge auffallen :)

    Lg

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