Sonntag, 6. Februar 2011

Rezension: Die dunkle Chronik der Vanderborgs: Estelle - Dein Blut so rot

Dieses Buch habe ich über lovelybooks erhalten. Ich habe ewig gebraucht, bis ich es ausgelesen hatte, da es mich leider überhaupt nicht fesseln konnte.

Informationen zum Buch:
Autor: Bianka Minte-König
Seiten: 423 Seiten (broschiert)
Verlag: Otherworld Verlag (September 2010)
ISBN 10: 3800095246
ISBN 13: 978-3800095247


Rezension:
Estelle Vanderborg reist mit ihrem Vater und ihrem Bruder Friedrich in die Karpaten, um eine neue Erfindung, eine Vampirfangmaschine, auszuprobieren. Das Experiment geht schief und so wird die Seele der Vampirin Eleonore zwar gefangen, allerdings in Estelles Körper, dessen Regie sie fortan übernimmt.

Zunächst ist positiv hervorzuheben, um was für ein hochwertiges Buch es sich hier handelt. Die Broschur ist schön gestaltet und die soft-touch-Oberfläche ist wirklich wundervoll.
Auch handelt es sich hier wirklich um etwas Neues. Ein Vampirroman fernab von den üblichen „Schülerin trifft große Liebe ihres Lebens in Form eines Vampirs“ oder „großer starker Vampir kämpft um schöne Frau“-Geschichten.
Eine Vampirseele im Körper einer gutbürgerlichen Tochter am Anfang des 20. Jahrhunderts. Probleme, die die Frauen dieser Zeit zu bewältigen hatten und gleichzeitig Geheimhaltung und Blutdurst. Estelles Probleme sind wirklich eine neue Idee.
Die Sprache ist der Zeit, in der das Buch spielt, angepasst. Hier offenbart sich der große Vorteil einer deutschsprachigen Autorin: Die Sprache. Wäre ein Buch auf englisch verfasst und übersetzt worden,  wären diese Feinheiten, die einen den Unterschied zwischen den Jahrhunderten fühlen lassen, vermutlich verloren gegangen. Denn gänzlich neue Worte sind es nicht. Aber das Gefühl für die Sprache einer anderen Zeit ist vorhanden, was es interessant macht, dieses Buch zu lesen, allerdings muss man sich erst daran gewöhnen, ist man doch übersetzte und damit dem heutigen Sprachgebrauch angepasste Formulierungen gewohnt.

So innovativ die Geschichte ist, so weit lehnt die Autorin sich auch mit einigen ihrer Handlungsstränge aus dem Fenster. So ist die Beziehung zwischen Estelle/Eleonore und Friedrich doch etwas zu intensiv um meiner Meinung nach Platz in einem Jugendbuch finden zu dürfen. Mutig, diese Entwicklung, ja. Und so sehr Estelle sich verändert hat, Friedrich hat es nicht und so hinterlassen jene Szenen einen schalen Nachgeschmack.
Auch haben mich die häufigen Wiederholungen einiger kleinerer Fakten gestört. Ebenso wie die ständigen Wiederholungen Estelles, dass sie ja nun eine Vampirin sei.
Einfach viel zu viele Abschnitte endeten mit einem Hinweis darauf, wie gemein das Schicksal noch zuschlagen sollte. Ich denke, solche Wendungen sollten sich aus der Geschichte ergeben, und nicht wie mit einer Leuchttafel an jedem Abschnittsende angekündigt werden.
Darüber hinaus empfand ich Estelles Gedankengänge/Handlungen zu oft als entschuldigend und rechtfertigend. Als versuche sie permanent, sich ins rechte Licht zu rücken – gerechtfertigt oder nicht. Für Verfehlungen werden Entschuldigungen gesucht und gefunden, Zögern wird mit Moralempfinden erklärt, fehlt diese Moral, ist es nur ihr natürlicher vampirischer Trieb. Kümmert sie sich um andere, ist sie die liebende, aufaufopfernde Estelle, tut sie es nicht, findet sich eine Erklärung, die wieder nur darauf zeigt, wie gut sie eigentlich ist und dass sie nie etwas böse gemeint hat.
So, wie Menschen mit enormer Geltungssucht ihre Taten hinzudrehen wissen, so erscheint Estelle leider viel zu oft im Buch.
Insgesamt weist die Geschichte einige Lücken und Ungereimtheiten auf, einige der Einschübe aus Eleonores Vergangenheit  wirken deplatziert und unnötig.
Geschehnisse werden stark zusammengekürzt, Jahre übersprungen oder in einem Nebensatz abgetan. Manchmal wirkt diese Art der Erzählung fast lieblos, auf jeden Fall leider farblos. Als würde man einen Videofilm einfach vorspulen. Gerade kurzen Hinweise auf die Dinge oder Zeiträume, die übersprungen wurden, fördern dieses Gefühl. Wäre hierauf einfach nicht eingegangen worden, sondern nur an den nächsten Absatz eine Zeitangabe gesetzt worden (z.B. 3 Jahre später), würde es weniger gehetzt, weniger übersprungen wirken.
Die Figuren sind leider leblos geblieben, was in Anbetracht eines Vampirromanes schon fast als witzig ausgelegt werden kann. Letztendlich aber kann man sich mit den Hauptpersonen und ihren Entscheidungen kaum identifizieren, als würde man ein Gespräch nur durch eine Glasscheibe beobachten. Man ist zwar dabei, aber nicht mittendrin, hat keinen direkten Zugang.
Und so blieb mir scheinbar auch der Zauber dieses Buches verborgen.


Eine tolle, neue Idee und eine wunderbare Aufmachung mit authentischer Sprache, leider aber farblosen Charakteren, Wiederholungen, einer sehr von sich eingenommenen Protagonistin und teils gewöhnungsbedürftigen Handlungssträngen.

Bewertung: 2 von 5 Punkten

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