Dienstag, 1. Februar 2011

Rezension: Das Wörterbuch der Liebenden

Eines der Bücher, die ich über vorablesen gewonnen habe und eines der ganz wenigen, denen ich mit ruhigem Gewissen die volle Punktezahl gegeben habe.
Ein Schmuckstück!

Informationen zum Buch:
Titel: Das Wörterbuch der Liebenden
Autor: David Levithan
Seiten: 211 Seiten (Hardcover)
Verlag: Graf (August2009)
ISBN 10: 3862200043
ISBN 13: 978-3862200047



Rezension:

Ein Mann, eine Frau, eine Beziehung.
Kennenlernen, lieben lernen, gemeinsame Wohnung, Alltag.

David Levithan geht einen ungewöhnlichen Weg, wenn er seinen Lesern die Geschichte einer Liebe erzählt. Er verpackt große Gefühle, Probleme, Zusammenleben nicht in aufeinander folgende Kapitel, sondern in Fragmente, die Einträgen in ein Wörterbuch ähneln, deren Überschriften zum jeweiligen Inhalt passen.

Dabei springt er unstet zwischen dem ersten Date und dem Scheidepunkt der Beziehung hin und her, beleuchtet Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln, täuscht und ent-täuscht den Leser.
Er spielt mit den Worten genauso wie die Emotionen mit den Liebenden spielen.

Die Sprache ist eindringlich und erstaunlich exakt. Levithan verliert nicht viele Worte, wo wenige genügen. Er trifft die Dinge auf den Punkt, an einigen Stellen reicht ein einziger Satz aus, um zwischen Beklemmungen und Freude zu wechseln.

Er berührt mit seinen Worten, ohne aufdringlich zu sein. Entzaubert eine große Liebe, ohne voyeuristisch zu wirken. Er zeigt Details ohne sich in ihnen zu verlieren.

Insbesondere die erweiterten Wiederholungen sind ein interessantes Stilmittel, das in eine andere Form der Erzählung kaum hineingepasst hätte.
Levithan erzählt unter einem Wort eine Situation. Viele Seiten später greift er unter einem ganz anderen Eindruck diese Situation wieder auf, verringert oder erweitert sie um manchmal nur einen einzigen Satz.
Einen einzigen Satz, der doch ein komplett anderes Licht auf die ganze Lage wirft, der zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, zwischen Ende und Anfang entscheidet.
Ebenso vielschichtig, wie das Leben und die Liebe sind, wird hier ein Bild von einem gemeinsamen Leben entworfen, dessen Bestandteile sich wie bei einem Kaleidoskop ständig neu anordnen und so erst eine Tiefe in die Erzählung bringen, wie nur die Realität sie schaffen kann.


Fazit:
Ein Buch, dass die Bezeichnung „Literatur“ wirklich verdient hat. Ein Buch, das mit den Erwartungen des Lesers, mit seinen eigenen Gedanken und Vermutungen spielt und gleichzeitig sehr viel genauer beobachtet, wie Menschen miteinander umgehen, als gewöhnliche Romane es vermögen.
Ein Buch, das das Kunststück fertig bringt, durch die oberen Schichten einer Beziehung in ihre Tiefe vorzudringen und ihre Bestandteile zeigt, ohne dabei platt oder aufgesetzt zu wirken.
Uneingeschränkt lesenswert!

Bewertung: 5 von 5 Punkten

Kommentare:

  1. schöne rezension :) deinem blog hab ich übrigens soeben einen award verliehen:

    http://bibliofila83.wordpress.com/2011/02/03/blog-award-the-versatile-blogger-award/

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  2. Hey,

    ich habe gerade meinen zweiten Blogger Award bekommen und soll diesen 15 weiteren Bloggern verleihen.
    Du bist dabei: http://www.dinas-bücheruniversum.de/?p=881

    Viele Grüße
    Dina

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