Freitag, 21. Januar 2011

Rezension: Wo fahren wir hin, Papa?

Gewonnen  bei vorablesen. Ein Buch, das ich auf keinen Fall jedem bedenkenlos empfehlen würde, das mir persönlich aber sehr gut gefallen hat.

Informationen zum Buch:
Autor: Jean-Louis Fournier
Seiten: 160 Seiten (broschiert)
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (November 2009)
ISBN 10: 3423247452
ISBN 13: 978-3423247450


Rezension:
Es ist nicht leicht, die richtigen Worte über ein Buch zu finden, über das selbst „Le Monde“ urteilt „Man sollte dieses Buch nicht nacherzählen. Der Einzige, der die richtigen Worte für diese Geschichte finden kann, ist Jean-Louis Forunier“.

Dennoch möchte ich es versuchen.
Das Grundgerüst des Buches ist schnell wiedergegeben:
Der Autor möchte seinen beiden behinderten Söhnen doch noch ein Buch schenken. Das er nicht mit ihnen lesen, aber über sie schreiben kann.

Und somit lässt Fournier den Leser dann teilhaben an seinem Leben als Vater von gleich zwei behinderten Kindern. Und als Mensch mit Zweifeln, Angst, aber auch Freude und Liebe.

Der Schreibstil führt dazu, dass man sich fühlt, als würde man im Kopf des Autors sitzen oder als würde er einem sein Erlebtes bei einer Tasse Tee erzählen. So abstrakt die Lebenssituation für Außenstehende sein mag, so sehr versteht es Fournier, seinen Alltag begreiflich zu machen.

Allerdings gibt es hier auch Schattenseiten.
Fournier ist sarkastisch. Er ist direkt. Und er schreibt Dinge, die andere vielleicht nicht einmal zu denken gewagt hätten. Das wirkt hart.
Aber auch gleichzeitig verletzlich. Wie geht man denn mit so einem Schicksal um?
Wenn man sich gleichzeitig fragen muss, wer der eigentlich vom Schicksal schwer Getroffene ist  - der Vater oder die Kinder.

Jeder Gedanke, so verständlich er sein mag, der sich vom üblichen Mätyrerbild entfernt, das von Eltern behinderter Kinder so gern gezeichnet wird, ruft sofort nach Schuldgefühlen.

Diese merkt man Fournier – zumindest in dieser Hinsicht – nicht an.

Seine Worte sind eindeutig, hart, erschreckend. Und auf der nächsten Seite wieder ironisch, witzig, liebevoll.

Ich denke, jeder Leser wird unterschiedliche Passagen dieses Buches, verschiedene Ausdrücke, Beschreibungen oder Begebenheiten in besonderer Weise mitnehmen oder für sich als wichtig empfinden, daher verzichte ich darauf, einige hier speziell wiederzugeben.

Es bleibt nur zu sagen, dass dieses Buch einen Blick hinter die Kulissen gibt. Es lässt uns eintauchen in ein nicht so perfektes Leben. Eines, das anders gelaufen ist, als es geplant war.
Wenn auch über die Familie, die äußeren Umstände sehr wenig erzählt wird und man sich bei genauerer Betrachtung fragt, was man nun eigentlich über die Personen an sich erfahren hat, so bleibt doch beim Lesen das Gefühl, ein Stück weit dabei gewesen zu sein.

Fazit:
Ein bewegendes Buch. Aber auch eines, auf das man sich einlassen muss. Man sollte sich im Klaren sein, dass hier Worte fallen, die erschrecken können. Die aber auch zeigen, was es bedeutet, mit behinderten Kindern zu leben und sie zu lieben. Und sich manchmal auch daran erinnern zu müssen, dass man sie liebt.
Ich habe, obwohl mich dieses Buch inhaltlich begeistert, einen Stern abgezogen. Denn es ist in meinen Augen einfach teuer. Es ist ein Taschenbuch, nichtmal ein besonders dickes. Ich habe glaube ich eine Stunde gebraucht, um es durchzulesen. Nicht wesentlich länger.
Und dafür finde ich den Preis von knapp 13 Euro dann doch gesalzen.
Bewertung: 4 von 5 Punkten

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