Freitag, 21. Januar 2011

Rezension: Das Limonenhaus

Dieses wundervolle Buch habe ich auf den Seiten der Leser-Welt gewonnen und es handelt sich hierbei um meine *trommelwirbel* allererste Rezension.
Ohne Netz und doppelten Boden.

Informationen zum Buch:
Titel: Das Limonenhaus
Autor: Stefanie Gerstenberger
Seiten: 464 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Diana Verlag (November 2009)
ISBN 10: 3453354281
ISBN 13: 978-3453354289


Rezension:

Inhalt:
Die Zwillinge Lella und Leonardo haben eine ganz besondere Verbindung miteinander. Als Leonardo unerwartet stirbt und seine Ehefrau sich das Leben nimmt, sieht sich Lella in der Verantwortung, sich um ihre kleine Nichte zu kümmern.
Während ihrem Aufenthalt auf Sizilien, in die Heimat ihrer Eltern, findet sie alte Tagebucheinträge ihrer Mutter und öffnet so das Tor zur Vergangenheit ihrer Familie. Zu einer Vergangenheit, die unfassbar, grausam, voller Intrigen und Hass eine bis heute bestehende Familienfehde heraufbeschwor und die doch von tiefer, echter und unsterblicher Liebe spricht.
Auf der Reise zurück in diese Zeit muss sich Lella schließlich nicht nur mit Phil, ihrem unfreiwilligen Begleiter auseinander setzen, sondern sich ihrer eigenen Vergangenheit und ihren eigenen Dämonen stellen und sie erfährt, wie einige wenige Tage ein Leben von Grund auf verändern können.

Meinung:
Ich empfand „Das Limonenhaus“ als sehr angenehm zu lesendes Buch. Die Figuren sind lebendig und anschaulich beschrieben, so dass es richtig Spaß macht, sie kennenzulernen.
Die Geschichte wird abwechselnd aus Lellas und Phils Sicht erzählt, so dass hier durch verschiedene Sichtweisen und sich teilweise überlappend beschriebene Situationen ein tiefer, lebendiger Eindruck der Situationen entsteht.
Abwechslungsreich ist auch die immer wieder vorkommende Einflechtung italienischer Wörter oder Sätze. Was in anderen Büchern teilweise stören wirkt, fügt sich hier nahtlos in das Geschehen ein und erzeugt eine Stimmung, in der Leser neben den Protagonisten steht und an ihren Abenteuern teil nimmt. In der er sogar Düfte riechen, Aromen schmecken und Gefühle erspüren kann.
Die Sprache ist eindringlich und stellenweise sehr bildgewaltig, aber auf eine Art und Weise, die diese Bilder lebendig werden lässt, ohne den Leser zu erschlagen.
Man findet leicht in die Geschichte hinein und wird schnell von ihr gefangen genommen. Mehr noch, die einfache, aber schnelle und spritzige Sprache sorgte bei mir für einen spontanen Appetit auf Limocello, wann immer dieser erwähnt wurde, weil ich das Gefühl hatte, mittendrin statt nur bei zu sein.

Kritik:
Die auf dem Buchrücken angekündigte und in den ersten Kapiteln bereits angedeutete Familienfehde, die zurückliegende Tragödie, die der Ursprung der ganzen, das Buch bestimmenden, Situation ist, wird meiner Meinung nach zu spät in die Handlung eingewoben.
Der Leser befindet sich den größten Teil des Buches gemeinsam mit Lella, Phil und Matilde auf Salina oder auf dem Weg dorthin. Die Familiengeschichte nimmt erst im späteren Verlauf des Buches einen nennenswerten Platz ein und wird für mein Empfinden zu schnell und holprig aufgelöst. Es wirkt ein wenig so, als hätte schnell ein Ende gefunden werden müssen.
Auch empfand ich das gesamte letzte Kapitel sowie den Epilog als „Schnellschuss“. Es hätte hier behutsamer und mehr dem Stil des restlichen Buches folgend auf eine Auflösung, auf ein Ende hingeführt werden können, statt dem Leser ein schnelles Happy End um die Ohren zu schlagen. Den Epilog empfand ich sogar als zu süß und zu perfekt, er hat ein wenig die im Buch aufgebaute Stimmung mit einer Zuckerschicht überzogen passt für mich nicht ganz ins Bild.

Fazit:
Das Buch nimmt den Leser gefangen und nimmt ihn mit auf eine sehr eindringlich beschriebene Reise durch ein Sizilien, wie es der durchschnittliche Tourist kaum jemals kennenlernen wird. Die Autorin schafft es mit einem wunderbaren Sprachgefühl, eine Stimmung zu erzeugen, die, abgesehen vom Epilog, nicht zu überladen ist und dennoch so eindringlich und deutlich, dass der Leser das Gefühl bekommt, all dies mit den Protagonisten gemeinsam zu erleben. Die teilweise gefunden Wortbilder für Situationen und Empfindungen sind wunderschön und treffend. Einzig das Ende des Buches kommt dahergeholpert wie eine verspätete Kutsche, die die Prinzessin noch gerade eben rechtzeitig nach Hause bringen muss.

Alles in Allem aber ein wunderbares, kurzweiliges und einfach schönes Buch.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

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