Samstag, 22. Januar 2011

Rezension: Das Bildnis des Dorian Gray

Dieses Buch habe ich im Rahmen der Challenge "Sub-Abbau 2011" auf lovelybooks gelesen und rezensiert. Irgenwann, wenn ich mal viel Zeit habe, versuche ich vielleicht noch eine andere Ausgabe.

Informationen zum Buch:
Autor: Oscar Wilde
Seiten: 360 Seiten (Hardcover)
Verlag: Komet (2003)
ISBN 10: 3898363635
ISBN 13: 978-3898363631


Rezension:

Dorian Gray ist schön. Ein unschuldiger, naiver junger Mann, dessen Antlitz so vollkommen ist, dass es andere in seinen Bann zu ziehen vermag. Und so wird er zur Muse des Künstlers Basil Hallward, der voller Inspiration unter anderem ein perfektes Portrait von Dorian anfertigt und es ihm schenkt.
Auf die Vergänglichkeit seiner Jugend aufmerksam gemacht, empfindet Dorian plötzliche Eifersucht dem Bild gegenüber und wünscht sich sehnlichst, es würde an seiner Stelle altern, ihm hingegen möge ewige Jugend und Makellosigkeit geschenkt werden.
Und so kommt es. Aber nicht nur Dorians Alterungsprozess spiegelt sich im Portrait wieder, sondern es hinterlassen auch seine Verfehlungen und Sünden ihre Spuren – umso zahlreicher, als die anfängliche Naivität, Großherzigkeit und Güte Dorians nach und nach von blumigen Reden von Freunden und Bekannten, seiner Neugier und einem Buch über das Erleben sämtlicher Empfindungen zerstört werden und einen selbst- und genusssüchtigen Menschen erschaffen.

Wildes Roman darf mit Recht als großartige Gesellschaftskritik des ausgehenden 19. Jahrhunderts aufgefasst werden, zeichnet er doch ein bissiges und  stark wertendes Bild der oberen Gesellschaftssschichten dieser Zeit.  So gibt es scheinbar im ganzen Buch nur wenige „gute“ Menschen zu bewundern, die sich – bis auf den Maler Basil, der seinerseits von Lord Henry verlacht wird – alle in den unteren Schichten ansiedeln.
Es ist nicht nur die Rede von Genusssucht und Selbstgefälligkeit, sondern von einem Leben, das aus Teegesellschaften, Oper und Vergnügungen zu bestehen scheint.
In diesem Umfeld platziert der Autor ausschweifende Unterhaltungen über Moral und Recht, über die Seele, die Ehe und allerlei andere grundlegende Themen.

Und dort liegt auch das Problem des Buches. Dass Wildes Kritik hier scharfzüngig und doch ohne direkte Anklage vorgebracht wird, macht das Werk interessant. Aber die seitenlangen Gespräche sind – vielleicht auch durch die Sprache – langatmig und benötigen teilweise enorme Konzentration und Disziplin, um sie tatsächlich aufmerksam zu lesen.

Vergleicht man die Kapitel, in denen eine wirkliche Handlung stattfindet mit jenen, in denen „nur“ geredet wird, so wird man feststellen, dass hier die Handlung, die eigentliche Geschichte nur noch schmückendes Beiwerk zu sein scheint. Ein Rahmen, innerhalb dessen Wilde sich nach Herzenslust austoben, seine Ansichten, seine Erfahrungen, seine Worte einbringen konnte und diese Möglichkeit reichlich genutzt hat.

Die Idee ist zweifelsfrei einzigartig und der Mut Wildes zu diesem Roman ist respektabel.  Vom heutigen Leser allerdings wird viel verlangt und ohne eine weitere Auseinandersetzung mit dem historischen Kontext werden die Feinheiten des Inhalts und der Gesellschaftskritik vielen sicherlich verborgen bleiben.
Aufgrund der Langatmigkeit einiger Kapitel und einiger doch recht pathetischer Parolen muss ich in der Bewertung einen Stern abziehen. Dieses Buch ist zwar ein Klassiker und weit von „schlecht“ entfernt, aber es ist eben auch nicht für jeden lesbar und teilweise ermüdend.

Einen weiteren Stern Abzug handelt sich meine Ausgabe (Komet-Verlag) ein, da diese nur so vor Fehlern (sowohl in der Rechtschreibung als auch in der Übersetzung und Grammatik) strotzt. Dann lieber das Buch teurer machen und dafür einen Lektor einstellen. Andere Ausgaben des gleichen Buches ohne diesen Makel würden entsprechen 4 Punkte erhalten.

Bewertung: 3 von 5 Punkten

1 Kommentar:

  1. Hi :) Super schöner Blog! Hatte endlich mal Zeit mich hier etwas umzusehen. Sieht wie eine richtig kleine, süße Bibliothek aus! Hab dich in meinen Blogroll aufgenommen, damit ich deinen Blog nicht aus den Augen verliere. Und na klar darfst du mich auch aufnehmen! Dann wünsche ich dir mit ihm noch viel Spaß! :)

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